Kate­go­rien

Schluss mit der Flash-Moti­­va­­tion — 4 Schritte, wie Sie sich nach­haltig verän­dern

Published On: 24. März 2012Cate­go­ries: Karriere

Schnell soll es gehen. Einfach und mit möglichst Anstren­gung. Wir wünschen uns für unsere Verän­de­rung einen Wunder-Diät-Effekt. Ich verliere ein Kilo, indem ich einen Monat weniger esse. Schön. Aber danach ist alles wie immer. Natür­lich ist das Kilo bald wieder drauf, denn ich verän­dere ja mein Essver­halten nicht dauer­haft. Die Diät­rat­ge­ber­in­dus­trie verdient sich Millionen mit der mensch­li­chen Neigung, Flash-Moti­­va­­tion gegen­über der Nach­hal­tig­keit zu bevor­zugen. Oder anders gesagt: Vorüber­ge­hende Verän­­de­rungs-Impulse, die nicht nach­haltig sind, sind inter­es­santer als alles, das ein Verlassen der Komfort­zone verlangt.

Man sieht Flash-Moti­­va­­tion auch als Berater: Manche Verän­de­rungs­wil­lige strengen sich einen Monat an, um einen neuen Job zu finden. Danach fallen sie in den alten Trott zurück. Der Mensch bevor­zugt Verharren und scheut Verän­de­rung. Verän­de­rung ist für ihn nichts­des­to­trotz sexy, deshalb sucht man die Flashs.

Sexy Flash-Moti­­va­­tion

Moti­va­ti­ons­trainer nutzen diese Sexi­ness für die Flash-Moti­­va­­tion. Unmit­telbar nach einer moti­vie­renden Rede wollen viele etwas ändern. Doch von 100 ist höchs­tens einer dabei, der nach­haltig und wirk­lich etwas tut, beim Rest versandet der gute Vorsatz im Alltag. Doch dieser eine macht den Unter­schied.

Aber was macht er anders?

  1. Phase – Das Problem erkennen

Manche denken, Sie suchen einfach nach einem neuen Job, dann verschwindet das beruf­liche Problem schon. Das ist Flucht. Viel­fach steckt ein Muster hinter dem Problem, dass immer auch mit einem selbst zu tun hat.

Das ist aber bei einer Flucht sicher noch gar nicht erkannt, und deshalb ist es keine Lösung, einfach ein neues beruf­li­ches Ziel in dieser Phase zu suchen. Beispiel: Sarah versuchte in ihrem Beruf immer alles richtig zu machen und Aner­ken­nung zu finden. Genau das gelang ihr mit einigen Chefs nicht, obwohl sie sich wahn­sinnig anstrengte. Sie strengte sich FÜR das Wohl­wollen der anderen an, merkte aber eigene Bedürf­nisse gar nicht. Wer das erkennt, hat das Problem am Schopf gepackt. Das reicht fürs erste.

2. Phase – Die Ursache des Problems ausma­chen

Welches Muster steckt hinter meinem Problem? Das Wort Gefall­sucht hat etwas Anti­quiertes, doch die Gefall­sucht ist auch heut­zu­tage nichts­des­to­trotz sehr ausge­prägt. Sarah aus unserem Beispiel erkennt ihre Gefall­sucht und fragt sich:

  • Warum habe ich immer alles getan, um anderen zu gefallen?
  • Was ist die Ursache dafür, dass ich darüber den Draht zu mir selbst verloren habe?

Oft stecken, siehe mein Buch “Am besten wirst du Arzt”, Eltern dahinter, in der Familie gelernte Muster und trau­ma­ti­sche Schul­er­leb­nisse. In dieser Phase muss man sich mit dem Warum? beschäf­tigen. Das ist anstren­gender als Flash-Moti­­va­­tion.

3. Phase — Handeln

Was für Konse­quenzen ergeben sich aus dem, was ich heraus­ge­funden habe? Ändere ich mein Verhalten? Gehe ich auf Jobsuche? Oder gehe ich zunächst auf die Suche nach einem Ziel, wenn ich bisher keines hatte? Sich verän­dern ist keine einma­lige Ange­le­gen­heit, sondern eine Prozess­kette aus Wieder­ho­lungen. Will ich mehr Durch­set­zung gegen­über meinen Vorge­setzten zeigen, so genügt kein einma­liges Tun. Bis sich altbe­kannte Muster und Systeme auflösen, braucht es ein Immer-Wieder. Dafür muss wieder und wieder das Erwach­­senen-Ich bemüht werden, das einen aus dem Kind-Ich-Zustand holt, in dem wir belei­digt auf fehlende Aner­ken­nung reagieren oder wie Rumpel­stilz­chen vor Ärger in die Luft gehen.

4. Phase — Das Lernen annehmen

 

Bewusstes Lernen sorgt für nach­hal­ti­gere Erfolge. Wenn Sie Ihre Verän­de­rung doku­men­tieren, erleben Sie diese wirk­lich. Ich mache während der Coaching­sit­zungen immer Notizen. Manchmal hole ich diese nach einem Jahr oder mehr hervor und kann somit teils wort­wört­lich rekon­stru­ieren, an welchem Punkt der Mensch damals auch emotional stand. Viele sind dann über­rascht, denn die Verän­de­rung ist so in Leib und Blut über­ge­gangen, dass sie nicht mehr bewusst wahr­ge­nommen wird. Das ist schade, denn eigent­lich sollte sich jeder, der Phase 4 erreicht hat, einmal richtig über sich selbst freuen.

Foto: Fotolia

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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7 Kommen­tare

  1. Claudia Hümpel 25. März 2012 at 8:49 — Reply

    Liebe Frau Hofert, es gibt zum Glück auch sehr gute Trainer und Semi­nar­leiter, die ihren Teil­neh­mern sagen, dass sie sich eine Anre­gung zur Verän­de­rung heraus­su­chen und dann SOFORT (inner­halb von drei Tagen) mit der Verän­de­rung beginnen sollen.
    Erfah­rungs­gemäß dauert es mindes­tens 6 Wochen, bis ein neues Verhalten langsam greift.
    Hilf­reich ist manchmal auch, wenn man seinen Verän­de­rungs­wunsch einer nahe­ste­henden Person mitteilt und sich dadurch selbst etwas “unter Druck” setzt:-)

  2. Claudia Hümpel 25. März 2012 at 8:51 — Reply

    Nach­trag: Der Begriff “Flash-Moti­­va­­tion” ist toll und bringt die Sache genau auf den Punkt…

  3. Burk­hard Reddel 1. April 2012 at 11:57 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ja da ist was dran. Ich verfalle auch immer wieder in alte Gewohn­heiten oder es dauert entspre­chend lange bis die Moti­va­tion reicht, etwas zu ändern. z.B. mache ich mich schon seit 2 Jahren selbst­ständig. zwinker…
    Und jetzt ist es bald soweit, voraus­ge­setzt der Grün­der­zu­schuß wird gewährt und die Firma erhält Grün­dungs­ka­pital.
    Aber die Moti­va­tion reicht mitt­ler­weile um das durch zu kämpfen.

    Grüsse
    B.RE

  4. Prof. Dr. Kira Klenke 9. April 2012 at 10:18 — Reply

    Danke für diesen Blog-Beitrag, den ich deshalb so gut finde, weil er das Thema in Kürze(!) auf den Punkt bringt. Diese 4 Punkte sind auch insbe­son­dere wichtig, wenn Studie­rende endlich etwas verän­dern wollen in Ihrem Studium. Die wissen bzw. lernen an der (Hoch-)Schule einfach nicht, was diese 4 Punkte sind.
    Ich werde den kurzen Artikel meinen Studenten empfehlen! LG, K

  5. Svenja Hofert 9. April 2012 at 15:01 — Reply

    Lieber Herr Reddel, ich drücke die Daumen, dass es klappt und wünsche Dauer-Moti­­va­­tion statt Flash! LG
    Liebe Frau Dr. Klenke, Ihnen vielen Dank, das ist ein großes Kompli­ment für diesen kleinen Artikel. herz­liche Grüße Svenja Hofert

  6. Rein­hard R. 5. März 2014 at 19:13 — Reply

    .…. “Doch von 100 ist höchs­tens einer dabei, der nach­haltig und wirk­lich etwas tut” .…..

    Das sehe ich auch so.

    Nach­haltig dran bleiben und Moti­va­tion stellt sich nach­haltig ein!

  7. Bodo Neumann 29. August 2014 at 10:26 — Reply

    Richtig guter frischer Imput! Danke Svenja!

    Mir gefällt die Satz sehr gut.
    “Doch von 100 ist höchs­tens einer dabei, der nach­haltig und wirk­lich etwas tut”.
    Das sehe ich genau so!

    Nach­haltig dran bleiben und Moti­va­tion stellt sich nach­haltig ein.

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