Kate­go­rien

Karriere im Team­system: Wenn gute Zusam­men­ar­beit wirk­lich zählt

Published On: 4. Dezember 2013Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion
Idee Svenja Hofert, Design by Christina Hucke

Idee Svenja Hofert, Design by Chris­tina Hucke

„Ich mag es, mit anderen zusammen zu arbeiten und an einem gemein­samen Strang zu ziehen.“ Stimmen Sie zu? Mögen Sie es, mit Leuten in einem Büro zu sein, mit denen Sie auch privat etwas machen würden? Welcome: Ein Team­kar­rie­re­system könnte für Sie richtig sein. Erst recht gilt das, wenn Sie sich in den Beschrei­bungen der Leis­tungs­kar­riere, der Schornstein‑, Macht- und Fürsor­ge­kar­riere so gar nicht wieder­finden (am ehesten noch dürfte Ihnen die Fürsor­ge­kar­riere sympa­thisch sein). Die Team­kar­riere ist aber nicht nur da, wo junge Leute enga­giert zusammen Ideen reali­sieren. Man findet sie auch, wo Sie sie zunächst nicht erwarten, etwa in kleinen Einheiten an sich konser­vativ orga­ni­sierter Firmen. Typi­sche Team­kar­rie­ren­ele­mente: Kolle­gia­lität, Gemein­schaft, gute Zusam­men­ar­beit. Die Team­kar­riere ist aber auch gekenn­zeichnet durch viel Dynamik, Austausch und wenig Hier­ar­chieen. Sie ist deshalb verbreitet in Startups und manchen klei­neren Unter­nehmen, z.B. auch Inge­nieur­büros oder in der IT-Soft­­wa­re­en­t­­wick­­lung..

Auch in größeren Unter­nehmen kann es Team­kar­rieren geben: Da wird viel geredet und bespro­chen. Kommt man dabei aber nicht zu einer Entschei­dung, haben Sie es eher mit einem „team­igen Schorn­stein“ zu tun. Starre Prozesse und Systeme, die verlangen, erst B zu fragen, bevor man mit C spre­chen kann, stehen dem Team­ge­danken entgegen, so dass es in Konzernen selten Team­kar­riere in Rein­kultur gibt.

Welche Moti­va­tion herrscht hier vor?

Menschen auf dem Team­kar­rie­re­level sind über­wie­gend intrin­sisch vom Thema moti­viert oder durch die Zusam­men­ar­beit mit anderen, was ja auch von innen kommt. Sie haben  meist eine Abnei­gung gegen Leis­tung­s­ego­ismus und zur Schau gestellten Status. Sie finden es auf eine befremd­lich, wenn in anderen Firmen Haupt­ab­tei­lungs­leiter eine Sekre­tärin haben, Bereichs­leiter einen Mercedes SL Firmen­wagen und normale Mitar­beiter Smart fahren.  Über­haupt finden sie Auto­fahren nur bedingt gut, da ja auch ein Fahrrad seinen Dienst tut.

Wer fühlt sich wohl?

Die Team­kar­riere bietet ein beruf­li­ches Ökosystem, von dem sich jüngere und auch gut ausge­bil­dete Kunden ange­zogen fühlen — sofern Sie nicht von der McKinsey- oder Boston-Consul­­ting-Leis­­tungs-Karriere faszi­niert sind. Team­kar­rie­risten würden sich, suchten sie den Einstieg in eine Unter­neh­mens­be­ra­tung, eher Accen­ture wählen, wüssten sie um die Bedeu­tung solcher Ökosys­teme. Die meisten erfassen das erst, wenn Sie einmal da gewesen sind und entweder erkannt haben „das ist mein Ding“ oder „bloß nicht“.

Führung in Team­kar­rie­re­sys­temen

In Team­kar­rie­re­sys­temen gibt es keine Führungs­kräfte und erst recht keine Vorge­setzten, sondern Team­leiter oder Team­coachs, maximal Manager. Mitunter gibt es leichte Konzes­sionen an den Leis­­tungs- und Status­ge­danken durch Karrie­re­pläne (Junior, Senior). Auch neumo­di­sche Manage­ment­me­thoden wie die Führung von „unten“ sind in einem solchen System Zuhause. Und wenn der Herr Sprenger in seinem neuen Buch darüber spricht, Führung heiße Zusam­men­ar­beit zu orga­ni­sieren, dann ist dies klares Team­kar­rie­ren­sys­tem­denken (und für Insider: das ist Spiral Dyna­mics grün). Und meilen­weit vom Offi­ziers­ka­ser­nenton eines Schorn­stein­un­ter­neh­mens entfernt. Welten dazwi­schen!

Chefs in solchen Systemen haben manchmal mit einer gewissen Über­griff­lich­keit zu tun. Da der Begriff Hier­ar­chie locker ausge­legt wird, sieht man Vorgaben und Ziele nicht zu eng und nimmt in Mitar­bei­ter­ge­sprä­chen gerne die Gele­gen­heit war, die Führungs­kraft zu kriti­sieren (“Rech­nung hättest du ja mal bezahlen können“). Das fordert einen beson­ders ausge­wo­genen und perso­nen­ori­en­tierten Führungs­stil. Und die Fähig­keit, trotz alle Locker­heit klare Ansagen zu machen.

Risiken der Team­kar­riere

Wo vieles gemeinsam gemacht wird, kann der einzelne sich manchmal auf die faule Haut legen, so lange er nur ein netter Kollege bleibt. Da Leis­tung typi­scher­weise nicht oder nicht so akri­bisch vermessen wird, könnten sich „Lazy Co-Worker“ beit­ma­chen, also Leis­tungs­ver­wei­gerer, die den Team­ge­danken mit „Toll ein anderer macht´s“ über­setzen. Dazu mehr in meinem Buch „Ich hasse Team­ar­beit!“

Bewer­bung und Vorstel­lungs­ge­spräche

Hier wird einge­stellt, wer zur Kultur passt! Punkt. Deshalb sind Team­kar­rie­re­sys­teme ideal für Quer­ein­steiger. Aller­dings funk­tio­nieren normale Bewer­bungs­wege schlecht. Bewerben Sie sich in Team­kar­rie­ren­sys­temen am besten über persön­liche Kontakte und soziale Medien. Ideal, wenn Sie jemand empfehlen kann. Wenn es doch eine Anzeige ist, dann schauen Sie sich die mit Du“ genauer an (es könnten aber auch Werbe­fakes sein), schreiben Sie sympa­thisch und gern auch etwas krea­tiver. Info­gra­fiken oder Comics – vieles ist erlaubt, so lange es zu dem Unter­nehmen passt. Und  im Vorstel­lungs­ge­spräch sollten Sie damit rechnen, dass Kollegen mit dabei sind – und auch mit entscheiden.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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