Kate­go­rien

Status­spiele: Netter Team­player oder Charis­ma­tiker — Die Einstel­lung macht´s

Published On: 8. Februar 2011Cate­go­ries: Karriere

Letzte Woche schnitt mir ein Papa vor der Schule mit seinem Auto den Weg ab. Am nächsten Tag machte ich dasselbe und stellte meinen Wagen vor seinen. Er stieg aus, zornesrot: „Ich bin berufs­tätig“, schnaubte der Unsym­path. Ich stieg aus, gleich­falls bereit mich der Situa­tion zu stellen. Wie geht diese Szene aus? Männer, die Frauen prügeln — oder umge­kehrt? Die Frau hat immerhin einen Karate-Gürtel in grün.

Betrachten wir die Szene mal näher. Wir erkennen: Zwei Mal Hoch­status. Die Frage ist jetzt, wer als erster tiefer geht und ob es einer tut. Hoch- und Tief­status sind Begriffe aus dem Schau­spiel. Im letzten Jahr habe ich mich im Rahmen eines Impro­­vi­­sa­­ti­ons­­theater-Kurses damit beschäf­tigt. Es gibt vier Zustände:

  • Innen und außen Hoch­status = sicherer Typ, aber nicht beson­ders sympa­thisch
  • Innen und außen Tief­status = netter Team­player
  • Innen Tief­status und außen Hoch­status = arro­gantes A… sagen wir nicht
  • Innen Hoch­status und außen Tief­status = Charis­ma­tiker

In einer Gruppe erkennen wir sofort intuitiv, wer welchen Status hat und in welcher Ausprä­gung. Man kann dazu Nummern vergeben, Hoch­status 1, 2, 3 usw. Das hat rein gar nichts mit Status­sym­bolen zu tun, sondern läuft nur über die persön­liche Ausstrah­lung. Es kann jemand eine Rolex am Hand­ge­lenk haben und trotzdem im Nied­rig­status sein. Es mag jemand in Sack und Asche gehen und trotzdem Hoch­status haben.

Diese Status­zu­stände sind nicht immer und zu jeder Zeit gleich.

Sie können sich absicht­lich in den Hoch­status versetzen, durch Auto­sug­ges­tion und Einnehmen einer Hoch­­status-Körper­hal­­tung: Gerade gehen, Füße leicht nach außen, Kopf hoch, direkter Blick­kon­takt, den Blicken der anderen nie als erstes auswei­chen. Gehen Sie einmal bewusst im Hoch- und Nied­rig­status einkaufen, es ist unglaub­lich, welch unter­schied­liche Reak­tionen Sie auslösen — ohne ein einziges Wort zu sagen. Im Hoch­status macht man Ihnen z.B. Platz, während man Sie im Nied­rig­status zur Seite drängen wird. Im Hoch­status lächelt sie die Kassie­rerin an, im Nied­rig­status werden Sie miss­achtet.

Sich bewusst in den Hoch­status zu versetzen, ist eine gute Übung vor Präsen­ta­tionen oder Vorträgen, wenn Sie zum Nied­rig­status neigen. Für Hoch­­status-Menschen ist es genau anders­herum hilf­reich. Wer innen im Hoch­status ist und diesen auch nach außen trägt, wirkt nicht sympa­thisch. Charis­ma­tisch sind jene, die zwar innen im Hoch­status, jedoch außen im Nied­rig­status agieren. Das macht sie nahbar für andere. Nahbar und doch klar = Respekt verdient.

Wie meine Geschichte weiter­ging? Als der Mann mir „ich bin berufs­tätig“ entge­gen­schleu­derte, sagte ich: „Und ich muss zum Kuchen­ba­cken.“ Er war nicht der Typ, der Ironie versteht, aber damit war die Situa­tion entschärft. Ich hatte einfach außen den Nied­rig­status einge­nommen. Kloppen muss ja nicht sein.

Kennen Sie solche Status­spiele? Ich freue mich über Beispiele. Mehr über das Thema findet sich in dem ganz tollen Buch „Status­spiele. Wie ich in jeder Situa­tion die Ober­hand behalte“ von Tom Schmitt und Michael Esser.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

11 Kommen­tare

  1. Zorem 8. Februar 2011 at 13:30 — Reply

    Wer weiss mehr über das Modell Hoch- und Tief­status? Wer hat es erfunden? Welche Forschungen gibt es zum Thema?

    Sprache ist wunderbar. Das eigene Auto ist ein Wagen und das Auto des Gegner eine Karre. Wetten, die Karre war viel größer oder viel teurer?

  2. Svenja Hofert 8. Februar 2011 at 13:37 — Reply

    Ne, meine Karre ist ziem­lich sicher sehr viel teurer, Herr Zorem, wenn auch geleast — er hatte einen KIA oder sowas. Was denken Sie, warum er mich abge­drängt hat? Simple Küchen­psy­cho­logie ohne wissen­schaft­li­chen Nach­weis: Frau im Auto mit Hoch­status, Mann im Tief­status-Gefährt. Und… Ihr Wagen? LG SH

  3. Zorem 8. Februar 2011 at 13:58 — Reply

    Ich fahr Bahn und Bus, die richtig großen Karren, die immer Vorfahrt haben.

  4. Svenja Hofert 8. Februar 2011 at 14:03 — Reply

    das finde ich gut.… nächster Schritt, weg mit den “karren” 😉

  5. Jasmin Siever­ding 8. Februar 2011 at 14:51 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    in der Ober­stufe waren wir mal auf einem “Klas­sen­wo­chen­ende”. Dort haben wir genau diese Spiele auch gemacht. Verschie­dene Situa­tionen wurden nach­ge­spielt: Im Super­markt, in der S‑Bahn, in der Frei­zeit… Es war schon da inter­es­sant zu sehen, wie die vermeint­li­chen Under­dogs die ihnen zuge­schrie­benen Rollen der Hoch­­status-Typen erfüllt haben. Und anders­herum genauso.

    Ein zweites inter­es­santes Spiel war das der Maschine. Einer fängt an und stellt ein Teil einer Maschine dar, mit Bewe­gung und entspre­chendem Geräusch. Und nach und nach kommen alle dazu und am Ende hat man eine große funk­tio­nie­rende Maschine, in der jeder seinen Platz gefunden hat. Das war genau das Gegen­teil von Hoch-Tief-Spiel­chen. Aber auch nicht verkehrt. Jeden­falls nicht für die Klassen-Stim­­mung.

    Grüße

  6. Renate Brokel­mann 9. Februar 2011 at 0:22 — Reply

    Ich hatte auch schon ähnliche Erleb­nisse (wer nicht? ;-). Beispiels­weise kam ich fast zeit­gleich mit einem Audi-Fahrer an einem freien Park­platz vor’m Fitness­studio an. Ich — mit altem Polo — war aber einen Tick schneller und bin flugs auf den Park­platz gefahren. Das passte dem Audi­fahrer so gar nicht, er fing mich ab, beschimpfte mich mit “rotz­frech” und meinte, es sei SEIN Park­platz. Ich lächelte augen­zwin­kernd und meinte, es sei ja wohl eine Patt­si­tua­tion gewesen 😉 und hoffte insge­heim auf etwas Humor auf der anderen Seite — aber, weit gefehlt: er drohte mir tatsäch­lich mit Prügel (!), so dass ich schnell das Weite (Fitness­studio) suchte. Eigent­lich gebe ich mir solche Park­platz­strei­te­reien selten, weil es mir einfach zu blöd ist, aber manchmal — wie im beschrie­benen Fall — habe ich schlicht keine Lust, nach­zu­geben (quasi den äußeren Tief­status anzu­nehmen). Und bin umso erstaunter darüber, welche Reak­tionen das hervor­rufen kann.

    Übungen zum Hoch-Tief­status kenne ich auch, bspw. in Form von Grup­pen­übungen, in dem alle durch­ein­ander laufen und beim Begegnen dem Anderen ein stolzes “ICH bin die Königin / ICH bin der König” entge­gen­bringen. So albern das klingen mag, man ändert tatsäch­lich die (innere) Haltung.

  7. Svenja Hofert 9. Februar 2011 at 9:20 — Reply

    @jasmin siever­ding @renatebrokelmann
    Danke für die tollen Ergän­zungen. Da haben wir ja für die Leser ganz viele Übungen — das Maschi­nen­spiel­chen kenne ich auch, opti­males Team­trai­ning. Im Gegen­satz zu Ich-bin-der-König.
    herz­liche Grüße Svenja Hofert

  8. Erich Feld­meier 12. Februar 2011 at 16:44 — Reply

    Kuchen­ba­cken kann immerhin wichtig, lustig und sogar zeit­kri­tisch sein 😉

    also bitte an alle, Bus und Bahn fahren und aufs Auto verzichten geht gar nicht…
    ausser, ja ausser wenn sich bereits schon alles verän­dert hätte:
    Die SZ schreibt z.B. hierzu:
    “Ein Mann, der mit 26 Jahren immer noch mit dem Bus zur Arbeit fährt”, sagte die dama­lige briti­sche
    Premier­mi­nis­terin Margaret That­cher “der kann sich als Versager betrachten.”, SZ, 23.02.09
    http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/Versager_vergaserbob_de

    Auch Ute Vogt wird in der SZ folgen­der­maßen zitiert:
    “Ich habe einen typi­schen Frau­en­fehler gemacht und bin zu bescheiden aufge­treten.
    Ich dachte, ich brauche nicht hier den Aufsichts­rats­posten und dort den Sitz im Verwal­tungsrat.
    Und wenn mein Vorgänger den FAHRER noch vier Wochen länger behalten will, ist das auch kein Problem.

    Mein größter Fehler war aller­dings, dass ich den Frak­ti­ons­vor­stand, den mein Vorgänger mit seinen Leuten besetzt hatte, so gelassen habe.
    Deswegen hatte ich Schwie­rig­keiten, mich durch­zu­setzen.
    Statt­dessen hätte ich sagen müssen: Ich bin die neue Chefin, ich verän­dere erst mal einiges.…
    Wir neigen dazu, bescheiden zu sein und zu sagen:
    “Ach, das ist mir nicht so wichtig.” Doch Männer verstehen es falsch, wenn Frauen auf die Insi­gnien der Macht frei­willig verzichten.
    Es wird als mangelndes Inter­esse oder als Schwäche inter­pre­tiert”
    http://www.sueddeutsche.de/politik/387/495710/text/8/
    http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/UV_ute_vogt_de

    So geht also VERNÜNFTIGE, sach­ori­en­tierte Perso­nal­po­litik (nicht nur im Firmen- sondern auch) im öffent­li­chen Inter­esse…

    und erst letzte Woche habe ich folgenden Tipp auf den Karrie­re­seiten der SZ gefunden:
    “Bei Klei­nig­keiten sollte man aber manchmal einfach mitspielen: „Der Firmen­wagen zum Beispiel ist bei manchen Unter­nehmen
    ein typi­sches Symbol der Macht. Da sollte man nicht sagen: ‚Nein danke, mein Smart reicht mir‘“, SZ, 11.02.11

    Im übrigen komme ich an dieser Stelle immer wieder gerne aufs GLOBALE TEAM zurück:

    Sigmar Gabriel nennt das Phänomen Viag.. in Chrom:
    http://ed.iiQii.de/gallery/ValueCreation/Chrom_Felge_wikipedia_org

    Richard Wilkinson sagt: SUV gibt vermeint­liche Sicher­heit — statt Judo
    http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/RichardWilkinson_wikipedia_org

    SUV ist ein Massen-Mörder sagt der indi­sche Umwelt­mi­nister:
    http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/JR_jairamramesh_in

    und er sitzt mitten unter und in uns schreibt die SZ unter dem schönen Titel:
    Jung­ge­selle ohne Auto? – keine Chance auf dem Pekinger Heirats­markt.
    “Abends steht er regel­mäßig im Stau – und ist glück­lich…
    Jetzt mit dem Auto wird es kein Problem mehr sein, eine Freundin zu finden“, sagt er [Li Qiang, 23]
    SZ, 19.07.10, http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/F6_bydauto_com_cn

    Verän­de­rung ist schwierig, v.a. wenn es den Alltag betrifft 😉

    Inno­va­tive Grüße,
    EF

  9. Markus 4. Juni 2016 at 1:11 — Reply

    Was kann ich da tun?

    • Status­ma­tiker 15. Mai 2017 at 10:04 — Reply

      Das Status­denken aufgeben, frei sein von Hoch- und Tief­status.

  10. Clara M 1. September 2017 at 17:59 — Reply

    Eine kleine Ergän­zung:

    Keith John­stone versteht (in: “Theater und Impro­vi­sa­tion” S. 57ff.) Status als etwas was man tut, unab­hängig vom sozialen Status, den man hat. Der soziale Status bezeichnet den Rang in einer Gesell­schafts­ord­nung. Am oberen Ende finden sich welt­liche und geist­liche Herr­scher (König, Priester), am unteren Ende die Abhän­gigen und Ausge­sto­ßenen. Der gesell­schaft­liche Rang wird etwa durch Ämter, Titel, Auszeich­nungen und Status­sym­bole demons­triert. Status nach John­stone ergibt sich dagegen aus dem Verhalten der Figuren in einer konkreten Begeg­nung. Er betont, dass es keinen neutralen Status gibt, sondern dass sich immer ein Gefälle zeigt.

Leave A Comment

Diesen Blog durch­su­chen