Kate­go­rien

Sie suchen einen weniger fordernden Job? 3 Stra­te­gien für den gezielten Rück­schritt

Published On: 31. Januar 2015Cate­go­ries: Karriere

Mann und Frau halten rote PuzzleteileAnja ist ein Head von Irgendwas. Sie soll auf der grünen Wiese etwas erschaffen, inno­vativ sein, Lösungen finden, gestalten. Doch Anja ist „regel­ori­en­tiert“; grüne Wiese ist so gar nichts für sie. Sie sucht einen über­schau­baren Job, in dem sie weiß, was zu tun ist — und nicht jeden Tag wieder alles anders ist. Aufgrund der 1,0 im Abi und des Masters sehen Arbeit­geber aber die ulti­ma­tive „Leis­tungs­ma­schine“ in ihr. Und kapieren nicht, dass Anja das gar nicht will. So sucht sie jetzt einen kleinen Job, der drei Stufen unter ihrem Level ist.

Heute möchte ich über die fehlende Abwärts­kom­pa­ti­bi­lität von Bewer­bern aufgrund ihres beruf­li­chen Hinter­grunds spre­chen. Damit meine ich, dass Bewerber so mit ihrem “höheren” Lebens­lauf asso­zi­iert werden, dass sie Jobs nicht bekommen können, die etwas weniger Verant­wor­tung mit sich ziehen.

Diese Inkom­pa­ti­bi­lität hat drei Facetten. Die erste: Immer mehr Menschen haben ein Studium und werden damit auto­ma­tisch für eine bestimmte beruf­liche Leis­tungs­klasse asso­zi­iert und gar formal in diese einge­teilt, etwa im öffent­li­chen Dienst. Es kann sein, dass sie in diesen Jobs sogar eini­ger­maßen funk­tio­nieren, aber selten  von innen heraus. Glück­lich sind sie also nicht.

Die zweite Facette hat mit der Verfüg­bar­keit von Jobs zu tun. Was am Anfang des Berufs­le­bens ein guter Job war, kann sich nach einigen Jahren zum Problem­ge­biet entwi­ckelt haben. Oder nur noch über Zeit­ar­beit oder Arbeit­neh­mer­über­las­sung besetzt wird, was einem Abfallen in der Beliebt­heits­skala in die Null-Zone gleich­kommt. Dies ist in den letzten Jahren vielen Tech­ni­kern passiert, die in der Konstruk­tion arbeiten. Sie finden so gut wie keine Stellen in der Direkt­ver­mitt­lung, gelten trotzdem als Mangel­be­rufe und tauchen in der Liste der Engpass­be­rufe auf. Selbst empfinden sie keinen Fach­kräf­te­mangel. Viele würden kleiner anfangen, zum Beispiel in der Auftrags­sach­be­ar­bei­tung, bekommen aber nur selten eine Chance für solche Quer­ein­stiege unter dem eigent­li­chen Niveau.

Die dritte Facette ist bei Execu­tives zu beob­achten, also Menschen, die es recht weit gebracht haben und einiges an Führungs­er­fah­rung und ein hohes Gehalts­ni­veau vorzu­weisen haben. Doch in Deutsch­land wird so gut wie nie nach Persön­lich­keit einge­stellt, so dass immer auch Fach‑, Prozess- oder Bran­chen­kennt­nisse notwendig sind, mitunter werden auch schlicht vorhan­dene Kontakte einkauft. Aufgrund dieser Anfor­de­rung ist jeder Lebens­lauf so speziell, dass er kaum richtig woan­dershin passt. Egal wo man sich bewirbt, immer fehlt etwas. Auch solche hoch bezahlten Leute wollen manchmal abwärts­kom­pa­tibel sein, weil sie sich ansonsten mit 40 zur Rente anmelden könnten…

Ich habe bewusst den Begriff Inkom­pa­ti­bi­lität für alle drei Fälle gewählt, weil dieser auch die Lösung aoss­zi­iert. Man mag darüber jammern, dass der Fach­kräf­te­mangel haus­ge­macht ist und die Arbeit­geber nicht weise handeln; in meiner Funk­tion suche ich nach Lösungen. Und die zentrale Devise in all diesen Fällen lautet: Kompa­ti­bi­lität herstellen. Dazu gibt es drei zentrale Stra­te­gien.

Stra­tegie 1: Den Lebens­lauf down­sizen

Schmeißen Sie alle Begriffe aus Ihrem Lebens­lauf, die diesen konkret und „beein­dru­ckend“ machen. Kein Head of, sondern Mitar­beiter Soundso. Keine konkreten achie­ve­ment state­ments und auch sonst nichts, was nach „hat viel gemacht“ aussieht. Dass das im Zeugnis anders steht – setzen Sie darauf, dass kaum ein Perso­naler soweit kommt. Und selbst wenn… Schreiben Sie auch ehrlich, dass Sie bewusst einen klei­neren Job suchen, weil der andere, derzei­tige, Ihrer Persön­lich­keit nicht entspricht. Dazu ist es gut, sich vorher Gedanken zu machen, welche Stärken Sie haben, dazu habe ich in der Karrie­re­bibel einen Beitrag geschrieben.

Stra­tegie 2: Schnitt­stellen schaffen

Wie könnten Sie Ihre Kompa­ti­bi­lität erhöhen? Zum Beispiel durch eine neue Schnitt­stelle zum Arbeits­markt, etwa eine Weiter­bil­dung. Weiter­bil­dungen können sich auf fach­liche, metho­di­sche oder personal-soziale Themen beziehen. Je nachdem, wo es längs gehen kann und soll, macht das eine oder andere Sinn. Beispiels­weise gibt es weit mehr Stellen für Tech­niker, die im Bereich Vertrieb liegen oder der Kunden­be­ra­tung. Für jemand, der Kunden­kon­takt nicht gelernt hat, geht es dann auch darum das rich­tige Auftreten zu üben, das Kommu­ni­zieren und das Verhan­deln, mögli­cher­weise erleich­tern auch betriebs­wirt­schaft­liche Grund­lagen das Ando­cken an anderer Stelle. Dass sogar Weiter­bil­dung mitunter in einen etwas schlechter bezahlten Job als vorher führt, ist Bewer­bern oft schwer verständ­lich. Aber es ist so: Verab­schieden Sie sich von dem Gedanken, dass Gehälter mit dem Lebens­lauf steigen. Gehälter sind seit mindes­tens 10 Jahren extrem volatil.

Stra­tegie 3: Bauen Sie Kontakte auf

Natür­lich entstehen über Kontakte die größten Chancen. Nur blöder­weise ist dies ein lang­sames Spiel. Und es funk­tio­niert nicht, wenn es einem eigent­lich nur um den Job geht, denn dann wird man zum „Taker“, zum gierigen Angler, der die Fische jagt, nur um sie zu essen. Da ist kein Fisch scharf drauf. Das heißt eine gewisse Vorleis­tung und altru­is­ti­sche Grund­ein­stel­lung ist oft notwendig, sonst funk­tio­niert es nicht. Über­legen Sie erst einmal, in welche Rich­tung Sie Kontakte aufbauen möchten und warum. Versu­chen Sie dann die Personen, die wichtig für Sie sein könnten möglichst mit Namen auszu­ma­chen. Dass es in Sachen schlaues Netz­werken erheb­li­chen Nach­hol­be­darf gibt, sehe ich täglich bei den oft unbe­hol­fenen Anfragen über Xing (unser Selbst­lern­kurs Xing ist übri­gens gerade aktua­li­siert).

Ganz wichtig beim Netz­werken ist auch eine realis­ti­sche Einschät­zung des eigenen Status. Es ist nicht jeder gleich, sondern Gleich­heit verbindet – die Erfolg­rei­chen, aber auch die weniger Erfolg­rei­chen. Setzen Sie beim Netz­werken nicht drei Stufen höher an, sondern nur ein bis zwei – es sei denn es gibt ein Angebot, was für die ange­spro­chene Person wert­voll ist, ein guter Deal, bei dem Sie einen echten Mehr­wert bieten. Beispiel: Das Angebot ein halbes Jahr ein neues Segment für eine Firma aufbauen und das für einen über­schau­baren „Tarif“. So kommt man langsam rein. All das ist Arbeit, verlangt eine Stra­tegie und konse­quentes Dran­bleiben. Aber dann sind die Früchte oft reifer und größer als bei den zwei zuvor genannten Stra­te­gien.

Übri­gens ist diese Stra­tegie auch die viel verspre­chendste, wenn Sie in die andere Rich­tung gehen möchten, also beruf­lich Upgraden wollen…

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. trenvay 18. Oktober 2017 at 11:22 — Reply

    Danke für die Mühe, die Sie gemacht haben, um das alles zusam­men­zu­tragen und aufzu­schreiben. Viele Grüße und macht weiter so.

    Lg Tren

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