Kate­go­rien

Tests: Was sagt Ihr Typ wirk­lich über die rich­tige Berufs­wahl aus?

Published On: 3. November 2010Cate­go­ries: Aktuell

Wer bin ich und wenn ja, was bedeutet das für meinen Beruf, meine Karriere, die Part­ner­schaft etc.? Tests wie der MBTI und Keirsey erhellen das Dunkel, das norma­ler­weise um einen selbst liegt, auch wenn man sich gut zu kennen glaubt. Im Internet finden sich Webseiten, die aus den Modellen konkrete Berufs- und Studi­en­emp­feh­lungen ableiten, z.B. www.finest-jobs.de. Meine Studi­en­emp­feh­lungen, als intui­tive Ratio­na­listin, wären demnach IT-Syste­m­e­lek­­tro­­niker, Archi­tektur, Physik oder Mathe­matik gewesen.  Ich bin froh, dass zu meiner Zeit solche Tests ebenso wie das Internet keine Rolle spielten, denn mit dieser Empfeh­lung wäre ich in die falsche Rich­tung marschiert.

Auch bei meinen Kunden passen tatsäch­liche Berufs­wün­sche und auch Berufs­ent­schei­dungen oft nicht zu den leicht­füssig gege­benen Empfeh­lungen, die auch auf anderen Portalen, in Tests wie dem von Geva, oder auch in Büchern gegeben werden.

Dafür gibt es verschie­dene Gründe:

  • In fast allen Berufen finden heute verschie­dene Persön­lich­keits­typen ein Zuhause. Das liegt darin, dass sich die Bereiche aufsplitten, viel­fäl­tiger werden, sich schneller drehen.
    • Ein Poli­zist kann als analy­ti­scher Denker genauso Karriere machen wie als aktiver Umsetzer. Ein Vertriebler kann mit intro­ver­tierter Denk­struktur, also als analy­ti­scher Typ, ebenso erfolg­reich sein wie als extro­ver­tierter Bauch­mensch. Entschei­dend sind der Bereiche, die jewei­lige Stelle, das Umfeld, die derzei­tigen Anfor­de­rungen, das Team etc.
    • Oder im Keirsey-Modell gespro­chen: Ein ENFJ, also ein „Lehrer“, kann in der Schule sein Glück oder auch sein Unglück finden. Ich habe ENFJs gesehen, die sehr zufrieden als Event­ma­nager wurden oder in der Geschäfts­füh­rungs­as­sis­tenz.  Ein ISTJ („Prüfer“) ist in der einen Firma ein wunderbar Leiter Control­ling, in der anderen bekommt er keinen Fuß auf den Boden, weil man lieber einen extro­ver­tierten, weniger gewis­sen­haften Typ bevor­zugt.
    • Moti­va­tionen sind nur teil­weise berück­sich­tigt. Eine idea­lis­ti­sche Moti­va­tion wird die Berufs­wahl in eine andere Rich­tung steuern. Wer eine auf Menschen bezo­gene Denk­struktur besitzt, sucht im Kontakt Bestä­ti­gung. Dies lässt sich nicht auf die Kate­go­rien intro­ver­tiert oder extro­ver­tiert redu­zieren.
    • Die Fami­li­en­ge­schichte eines Menschens spielt ebenso eine wesent­liche Rolle. Ich merke immer wieder, dass die Eltern entweder als Vorbild oder abschre­ckendes Beispiel fungieren. Für die Berufs­ent­schei­dung ist das ein ganz zentraler Punkt.
    • Talente können jenseits der Persön­lich­keits­mo­delle exis­tieren.
    • Charak­ter­ei­gen­schaften ebenso: Ich kenne einen sehr  lustigen ISTJ, eigent­lich liegt der Humor nicht in diesem Typ…

Fazit: Tests sind toll! MBTI/Keirsey zusammen mit Reiss geben tiefe Einblicke in die Persön­lich­keit. Es wäre aber ein Fehler, daraus allein Berufs­emp­feh­lungen abzu­leiten. Dazu ist unsere Arbeits­welt zu viel­fältig geworden. Es ist wichtig für Unter­nehmen, zu wissen, welchen Typ sie für ein bestimmtes Team und eine bestimmte Situa­tion gerade brachen. Es ist falsch, für Posi­tionen und Funk­tionen gene­rell fest­ge­legte Eigen­schaften zu bevor­zugen. Das ist auch falsch bezogen auf eine wie auch immer gear­tete Unter­neh­mer­per­sön­lich­keit, was ich morgen zum Thema machen will.

Aus persön­li­cher Sicht gespro­chen: Sie können überall ihr Glück finden, auch wenn es in dem einen Job nicht passt.  Infor­mieren Sie sich auf infor­ma­tiven Seiten wie der des über 80jährigen Alfred Gessl (klasse, die beste Seite zu MBTI und Keirsey!) und nehmen Sie Berufs­emp­feh­lungen wie bei Finest Jobs nur als Anhalts­punkt und „erste Idee“ an.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Erich Feld­meier 3. November 2010 at 14:01 — Reply

    “It is not the purpose of a psycho­lo­gical typo­logy to clas­sify human beings into cate­go­ries — this in itself would be pretty point­less.” (Zitat von C. G. Jung)
    Zu Deutsch in etwa: Es ist nicht der Zweck einer psycho­lo­gi­schen Typo­logie, Menschen in Kate­go­rien aufzu­teilen — das an sich wäre ziem­lich sinnlos”, http://de.wikipedia.org/wiki/Keirsey_Temperament_Sorter

    Die mensch­li­chen Haupt­klassen — histo­risch betrachtet:
    http://ed.iiQii.de/gallery/ValueCreation/DieKoepfeSindDasKapital_kapital_lesen_de

  2. winfried­pe­ters 28. Februar 2011 at 13:42 — Reply

    schöne über­sicht zum thema und bessere berufs­emp­feh­lungen als bei finest-jobs: http://www.typentest.de

  3. utdjgd 20. Oktober 2014 at 9:46 — Reply

    Die Empfeh­lungen bei Finest Jobs entspre­chen aber ziem­lich genau den eigenen Wünschen. Ich, ein Enfj, hatte mir z. B. bereits mit 10 Jahren ausge­malt Lehrerin zu werden, ein Istj, wollte als Kind Pilot werden, wohl grade deswegen weil er gern alles unter Kontrolle hat. Jedoch, muss auch ich sagen,das ich in einem sozialen Beruf sehr schlechte Erfah­rungen gemacht habe. Ich konnte einfach nicht mit der dortigen Ellen­bo­gen­men­ta­lität unter Kollegen leben.

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