Kate­go­rien

Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR – und andere Erkennt­nisse des HR Barcamps 2015

Published On: 27. Februar 2015Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Jetzt habe ich kurz über­legt, ob ich noch unten ins Fitness­studio des Ellington Hotels gehe, es ist 22 Uhr. Aber kann ich auch morgen früh noch – bevor der zweite Tag des HR Barcamps 2015 in Berlin startet. Der erste war schon voller Eindrücke, und gibt genug her für einen Beitrag. selfieDas erste Selfie beispiels­weise: Mit und von Jörn Henrik Ast, der mich zu What­chadoo-Gründer Ali Mahl­odji schiebt, der mit seinem Kollegen überall Mozart­ku­geln verteilt. Sonst lauter Leute, die ich nur von Twitter kenne. Chris­toph Athanas zum Beispiel, der eine Orga­ni­sator. Jannis Tsalikis, der zweite, ein echter Enter­tainer (ein High­light im Team mit Chris­toph Athanas: die Mode­ra­tion des HR-Fights). Henrik Zabo­rowski, von dessen Unter­halter-Quali­­täten mir viel­fach vorge­schwärmt wurde. Eva Zils, eine geschätzte Blogger-Kollegin. Peter Wald, HR-Professor und ein treuer Re-Tweeter bei Twitter. Und Nina Kalmeyer, die mir die Head­line für diesen Beitrag gelie­fert hat. Trans­for­ma­tion sei die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR. Oh ja, dachte ich, genau das ist es! Warum macht dazu keiner eine Session?

Zwischen Robo­ter­re­crui­ting und Rethin­king Orga­niza­tions

Die Vorschläge sind teils sehr lustig, es geht mehr­fach um Spaß, aber insge­samt unter­schied­lich inno­vativ. Die Themen, die mich am meisten inter­es­siert hätten – alle die dritte Runde -, lagen über­wie­gend parallel, unter anderem das Robo­ter­re­crui­ting der Woll­milchsau und Jörn Henrik Asts „Rethin­king Orga­niza­tions“, was für mich als Spiral Dyna­­mics-Fan und 9Level-Bera­­terin natür­lich beson­ders inter­es­sant war. Noch ein biss­chen mehr als die Roboter.

Wir sind doch alle agil? Naja

Doch zurück. Die erste Session erlebe ich zum Thema „agiles HR“. Da wundert mich, wie wenig agil – inter­aktiv, lebendig —  das Ganze ist. Eigent­lich dachte ich, auf einem Barcamp würden alle disku­tieren. Die Erklä­rung, warum dies hier eher schlep­pend passierte: Lange Vorstel­lungs­runde (Erin­ne­rung an die Trai­ner­aus­bil­dung: niemals bei mehr als 12 Personen und bei kurzen Sessions schon gar nicht), Input besteht vorder­gründig aus vielen bunten Screen­shots, die ein Kanban-Brett zeigen — dabei Teil­nehmer, die bis auf wenige Ausnahmen agil für ein Synonym von beweg­lich halten. Es ist mir unan­ge­nehm, aber ich verlasse den Raum. Man hat mir vorher gesagt, dass sei OK, sonst würde ich das nicht tun. Eigent­lich empfinde ich es als unhöf­lich.  So warte ich auch ab, bis jemand vor mir geht.

Müssen HRler schreiben können?

Ich wandere zu der Session über Stel­len­an­zeigen, die ich als span­nender empfinde, weil inter­ak­tiver. Hier geht es zum Beispiel um Kompe­tenzen des HRlers. Einer sagt, die wich­tigste Kompe­tenz sei schreiben können – Stel­len­an­zeigen schreiben. Wie wäre es mit Trans­for­ma­tion? Sind HRler nicht die einzigen, die dazu bestellt sein könnten (nicht sind), den Wandel zu voran­zu­treiben? Also schreiben finde ich nun gar nicht wichtig. Ideen entwi­ckeln, wie man Mitar­beiter gewinnt, das wäre mal was…

Boring is the new sexy

Die zweite Session dreht sich um Content-Marke­­ting. Vier Versi­che­rungs­leute erklären unter dem guten Titel „boring ist the new sexy“, was sie in der Rich­tung so machen, um Mitar­beiter zu gewinnen.  Unter anderem dabei: Jürgen Sorg, Employer Brander von der Tech­niker Kran­ken­kasse, den ich von Twitter „kenne“. Insge­samt kommt auch hier so recht keine Diskus­sion in Gang, die Session ist aber unter­haltsam und gut mode­riert. „Die Karrie­re­bibel werden wir niemals über­holen können“, erklärt Sorg, als er darüber spricht, dass Bewerber immer noch lang­wei­lige Begriffe wie Moti­va­ti­ons­schreiben suchen und dass die Zugriffe auf den Blog der Tech­niker doch recht moderat seien. Wie wäre es mit einem anderen Konzept?

Rethin­king Orga­niza­tions

Ganz anders die Session drei bei Jörn Henrik Ast und seinem Co-Mode­rator. Erstens mode­riert er gut und zwei­tens bindet er ein, indem er Grup­pen­auf­gaben verteilt und aus den Ergeb­nissen eine Roadmap macht. Eigent­lich, so dachte ich, ein Barcamp müsse genauso sein. Was machen Unter­nehmen in der Phase “Teal”? Ast nennt Beispiele, auch aus konser­va­tiven Bran­chen. Unter­nehmen müssen nicht nur einen Zweck haben, nämlich den, Gewinn zu machen. Sie können verschie­dene Exis­tenz­be­rech­ti­gungen haben; und ja, diese dürfen sich wandeln… Jetzt wurde es span­nend! Die Zeit geht wesent­lich schneller vorbei als bei den beiden vorhe­rigen Sessions. Ich lerne zum Beispiel, dass „blau“ bei Ex-McKinsey-Berater Michael Reed Michael Hughes „amber“ ist und das second level gleich teal heiß, ohne vorher yellow zu werden.  Auch wenn das Handy mehr­mals klin­gelte, geschenkt, fand ich diese von all den Sessions die authen­tischste.

Mozart­ku­geln und HR-Fight

Wirk­lich witzig und richtig gut, war der Impuls der vierten Session bei What­chadoo-Gründer Ali Mahl­odji. WOW! Er vergleicht die Paarung mit einem Unter­nehmen mit dem Finden eines Part­ners – aber unter­haltsam. Die 10,5 Minuten zeigten mir, dass Power­point nicht out ist, man muss einfach wissen, wie man es nutzt. Bevor das Ganze danach zu einer Frontal-Back­s­tage-Diskus­­sion ausarten konnte (das zu-viele-Teil­­nehmer-Problem wie bei den ersten beiden Runden)  griff Chris­toph Athanas ein und regte eine Grup­pen­dis­kus­sion an. Gut! Ach ja, es gab wieder Mozart­ku­geln…

hrfightnightDas High­light des Abends war  die HR Fight Night zwischen Martin Gaedt von Younect und Tim-Oliver Pröhm, der laut Lebens­lauf eher aus dem Sales kommt. Vier KO-Runden, an dessen Ende zwei Schieds­rich­te­rinnen anhand des Applauses entschieden. Beide Fighter stiegen mit weißem Bade­mantel in den Ring. Für mich argu­men­tativ klar ein Sieg für Gaedt, aber das kann auch die Sympa­thie für sein Anliegen sein: den (flächen­de­ckenden) Fach­­kräfte-Mangel gibt es nicht. Nach der fünften runden ging offi­ziell Pröhm als Sieger hervor…

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

11 Kommen­tare

  1. […] Zusam­men­fas­sung geschrieben. Respekt. Und sie haut nebenbei auch gleich eine starke These raus: Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung von HR! Naja, wo sie Recht hat … Sie sieht in der Durch­füh­rung des Barcamps aber durchaus auch […]

  2. […] mich bei allen Teil­neh­mern für die aktive Diskus­sion (Danke Svenja für deine Zusam­men­fas­sung hier) und ich werde das Thema defi­nitiv weiter im Auge […]

  3. […] zwei Sessions behan­delt: Agile HR und Zukunft des HRM. Nina Kalmeyer formu­lierte die Head­line von Svenja Hoferts Blog: Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR, leider bleibt es in ihrem Blog bei diesem Titel, denn sie verließ die Session für die […]

  4. […] Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR – und andere Erkennt­nisse des HR Barca… auf www.svenja-hofert.de […]

  5. […] Mehr Nach­lese vom Barcamp finden Sie bei Dirk Stein­metz, Herwig Kummer, Stefan Scheller, Volker Seubert und Svenja Hofert. […]

  6. […] Hofert: Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR – und andere Erkennt­nisse des HR Barca… (Teil […]

  7. […] Svenja Hofert: Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR […]

  8. […] Hofert: Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR – und andere Erkennt­nisse des HR Barca… (Teil […]

  9. […] Hofert: Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR – und andere Erkennt­nisse des HR Barca… (Teil […]

  10. […] “Unkon­fe­renz”, über die natür­lich auch viel getwit­tert und gebloggt wurde, z.B. von Svenja Hofert oder […]

  11. […] HR-Barcamp 2015, Teil 1 – Trans­for­ma­tion ist die einzige Exis­tenz­be­rech­ti­gung für HR – und… (Svenja Hofert) […]

Leave A Comment