Kate­go­rien

Trom­peten Sie schon oder trom­meln Sie noch? Das Team als Orchester

Published On: 29. April 2012Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Ich bin eine Trommel und spiele auch gern Gitarre. Kaum habe ich einen Einfall (Gitarre), will ich ihn auch schon umsetzen (Trommel). Dann kommt aber meine Harfe ins Spiel, die doch erst noch mal die Fakten analy­sieren will, und viele Idee gnadenlos wieder verwirft. Violà: Meine drei präfe­rierten Team­rollen, über­tragen auf Musik­in­stru­mente. Was mir fehlt, sind die Eigen­schaften einer Trom­pete – die vermut­lich Steve Jobs zu eigen waren. Er liebte das Bad in der Menge und die Selbst­ver­mark­tung. Ich nicht so, in der Zeit könnte man ja Sinn­volles tun. Deshalb vergesse ich auf Vorträgen auf meine Bücher hinzu­weisen; aus diesem Grund ist meine Form des Verkaufs eher indi­rekt.

Eine Trom­pete dürfte auch Richard de Hoop sein. Der Mann ist Holländer, nennt sich Enter­tRainer und ist der Erfin­ders dieses orches­tralen Persön­lich­keits­tests, der nicht valide ist — also bitte nicht 100% ernst nehmen. De Hoop hat einen — eben­falls nicht validen — Team­test von Meredith Belbin aus den 1970er Jahren clever weiter­ent­wi­ckelt. Ich setze diesen Belbin-Test seit Jahren ein, weil er simpel, verständ­lich und trotzdem aufschluss­reich is. Die Kombi­na­tion der ersten drei Team­rollen sagt schon einiges über beruf­liche Präfe­renzen aus, lässt aber viel Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum und legt wenig fest.

Meine Kunden kennen meine Version und können sie mit ihrem Pass­wort im im Kunden­be­reich dieses Blogs herun­ter­laden. Auch bei Face­book habe ich ihn schon ein paar mal in den Fanbe­reich hoch­ge­laden. Ausführ­liche Tests finden Sie im Buch von Belbin und auf seiner Website. Belbin hatte zuletzt 9 Team­rollen entwi­ckelt, de Hoop beschränkt sich auf die ursprüng­li­chen 8, eine frühe Version ohne den Spezia­listen.

De Hoops Leis­tung: Er hat die Belbin-Team­­rollen in neutrale Instru­mente über­setzt. Denn ein Problem zeigt sich beim Belbin-Test immer wieder und erkannte auch schon Belbin: Die meisten Menschen wollen kein „Perfek­tio­nist“ oder “Spezia­list“ sein – einige Bezeich­nungen sind für Karrie­re­af­fine schlicht weniger attraktiv als andere. Auch der nüch­­tern-kriti­­sche Monitor Evaluatur, meine dritt­stärkste Rolle und hier über­setzt in der analy­­tisch-seriösen Harfe, ist rein begriff­lich nicht eben ein Sympa­thie­träger. Instinktiv iden­ti­fi­zieren sich die meisten Menschen mit den vermu­teten Chef­rollen, und das sind Shaper (also die Trommel) und der Koor­di­nator, den de Hoop in das Klavier über­setzt, der die Mann­schaft moti­viert und zusam­men­hält. Dass das Klavier laut de Hoop nicht so intel­li­gent sein muss, ist seiner­seits etwas unge­schickt ausge­drückt — meint aber, dass zum Ausfüllen dieser Rolle ein Riesen-IQ nicht unbe­dingt nötig ist.

De Hoop hat Belbins Teamrollen in Instrumente übersetztDer Vorteil der Über­tra­gung von Team­rollen in Musik­in­stru­mente liegt auf der Hand: Sie sind neutral. Jeder versteht, dass man verschie­dene Instru­mente für ein Team-Orchester braucht, auch wenn ich nicht sicher bin, ob Herrn de Hoop klar ist, dass er das Cello unter­schlagen hat, eines der wich­tigsten Orches­ter­in­stru­mente über­haupt – und absolut fähig zur Kammer­musik. Es müsste eigent­lich das Rück­grat sein.

Das Bild des Orches­ters verdeut­licht leichter als Belbins Bezeich­nungen, dass in unter­schied­li­chen Projekt­phasen und Teams verschie­dene Charak­tere gefragt sein. Die Trommel, der Shaper also, ist ein Mensch des Anfangs. Und kombi­niert mit der Gitarre, der Botschafter des Neuen. Er ist richtig überall, wo Verän­de­rungen gefragt sind, wird sich aber unwohl fühlen, wenn es stagniert und nicht voran geht. Er fühlt sich als Einzel­kämpfer, weil sein primäres Inter­esse – sofern er in der zweiten Rolle nicht ein Team­player, also die Geige ist – das Bewegen und Gestalten ist. Deshalb wird er sich in Konzernen nicht zu Hause sehen, es sei denn er ist dort im Projekt­ma­nage­ment einge­setzt und kann häufig neu anfangen.

Was sind Sie? Bei Richard de Hoop finden Sie den Instru­­menten-Test. Ich freue mich ganz beson­ders auf sein im Herbst bei Gabal erschei­nendes Buch “Macht Musik”. Kennen­ge­lernt habe den Orches­ter­test auf dem Forum der Hamburger Bera­ter­tage und bedanke mich an dieser Stelle herz­lich für den Input.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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4 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 29. April 2012 at 16:19 — Reply

    Natür­lich habe ich den Instru­­menten-Test sofort gemacht. Und siehe da: Kein Instru­ment über 40 Punkte, heißt “Dieses Instru­ment sollten Sie am besten in den Schrank stellen ;)”.
    Ich hatte so etwas beim Ausfüllen bereits vermutet. Von allem ein wenig, aber nichts so richtig.

    Stan­dard­tests ergeben bei mir bisweilen putzige Ergeb­nisse. 😉

    Was nun? Mögli­cher­weise Triangel, Glocken­spiel oder doch Diri­gent?

  2. Svenja Hofert 30. April 2012 at 10:46 — Reply

    Hallo Lars, viel­leicht bist du einfach sehr ausge­pen­delt und beson­ders flexibel? Kein Test taugt ohne Auswer­tungs­ge­spräch. Und der hier ist nun mal nicht valide, inso­fern wirk­lich nur eine Gedanken- oder Gesprächs­an­re­gung. LG Svenja

  3. […] leben nicht mehr im Indus­trie­zeit­alter, in dem der Teller­wä­scher mit Shaper-Menta­­lität Millionär werden konnte. Das war im frühen Indus­trie­zeit­alter anders. Da brauchte man als […]

  4. […] Hofert: Vor vielen Jahren war ich mal auf einem Führungs­kräf­te­se­minar mit lauter Vertrieb­lern. Darunter war ein deut­lich intro­ver­tierter, also jemand, der sich auch leise und still verhielt. Er war zwischen all den Lautschlä­gern und Trom­peten erfolg­reich. […]

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