Kate­go­rien

Tschüss, alte Tabelle: Der anglo­ame­ri­ka­ni­sierte Lebens­lauf ist da

Published On: 4. Mai 2011Cate­go­ries: Führung

Das macht MAN aber so!

Nein, so bekommen Sie in Groß­bri­tan­nien NIE einen Job.

So ist das aber NICHT üblich.

Wirk­lich nicht? Seit ein, zwei Jahren anglo­ka­me­ri­ka­ni­siert sich die Bewer­bungs­welt in rasantem Tempo. Hatten viele Bewerber vor zwei Jahren noch zwei Lebens­läufe, einen deut­schen und einen engli­schen, geht der Trend immer mehr zum „einer für alles“. Denn: Das Pflegen von zwei verschie­denen Lebens­läufen, im Extrem­fall sogar in unter­schied­li­chen Layouts, ist eine Sysy­phus­ar­beit  —  die sich keines­wegs in mehr oder besseren Joban­ge­boten auszahlt.  Also: einer reicht und Varia­ti­ons­reichtum sollte sich maximal auf die Sprache beziehen und nicht etwa auch noch auf Layout, Schriftart, Art die Erfolgs­dar­stel­lung und die persön­li­chen Daten. Eine sprach­liche Diffe­ren­zie­rung ist aller­dings derzeit noch nötig: Der engli­sche Lebens­lauf auf eine deut­sche Anzeige irri­tiert noch viel­fach.

Doch schon die formale Verschmel­zung der beiden doch so unter­schied­li­chen Lebens­lauf­typen bringt einige Probleme auf den Bewer­­bungs-Tisch. Sogar das Schön­heits­emp­finden geht ausein­ander: Der Deut­sche ist genau bei den Daten, und er liebt Arial schnör­kel­frei. Der Ameri­kaner mag Seri­phen und sein Geschmack ist verspielter. Ich habe eine Weile Ameri­kaner in Deutsch­land begleitet – ehrlich, deren Lebens­läufe waren äußer­lich für mich… nun ja, gewöh­nungs­be­dürftig (ebenso wie die Webseiten, meist nicht mein Design-Ding). Aber hier­zu­lande ist der Konsens einfach: 99% bewerben sich „englisch-style“ in Deutsch­land, also darf man auch unsere geschmack­li­chen Präfe­renzen nutzen.

Schwie­riger sind solche Fragen wie: Was passiert mit typisch deut­schen Elementen wie dem Foto? Soll man die Chro­no­logie in deut­scher Manie auf der linken Seite beibe­halten? Gehören persön­liche Daten über­haupt noch rein? Nenne ich das „Kind“ Curri­culum Vitae oder Résumé? (CV bitte, Résumé ist US-typisch und bezieht sich auf einen meist knackig-kurzen Einseiter).

Und inhalt­lich? Was schreibe ich rein? Vorweg sei genommen: Es gibt auch im anglo­ame­ri­ka­ni­schen Sprach­raum kein einheit­li­ches Muster, vieles ist so wie bei uns freie Inter­pre­ta­tion. Die Inter­pre­ta­toren sind Coachs und Berater und eher selten öffent­liche Insti­tu­tionen wie EU-Behörden, die dazumal den EU-Lebens­­lauf außer­halb von Bewer­bungen bei  Brüs­seler Insti­tu­tionen nicht durch­setzen konnten. Und so wie bei uns die Hesse/Schraders eine dritte Seite und Püttjer/ Schnierda eine Erfolgs­bi­lanz empfehlen, gehen auch in anderen Ländern Bewer­bungs­mei­nungen und Exper­ten­emp­feh­lungen erheb­lich ausein­ander.

Während die einen Kürze fordern, wollen die anderen Ausführ­lich­keit. Versu­chen Sie also gar nicht ein ulti­ma­tives Muster und das Gesetz Nr. 1 zu finden — das gibt es nicht. Entschei­dend war und ist für mich  immer nur eins gewesen: Dass eine Bewer­bung zum Erfolg führt. Und Erfolg ist nun mal indi­vi­duell und gibt es nicht von der Stange.

Auf was können wir uns denn dann über­haupt einigen? Dann mal zusam­men­ge­fasst:

  • Wir haben jetzt und in Zukunft einen inter­na­tio­nalen Lebens­lauf, der sich problemlos bei deut­schen UND engli­schen Bewer­bungen nutzen lässt.
  • Dieser Lebens­lauf führt auf, was wir genau gemacht haben und gibt auch unsere Erfolge wieder. Reine Tätig­keits­be­schrei­bungen sind so deutsch… wir wollen Leis­tung, na klar.
  • Persön­liche Daten lassen wir außen vor, es sei denn es geht um das Geburts­datum, was z.B. auch in UK noch üblich wäre (in den USA never).
  • Mutige trauen sich auf ein Foto zu verzichten, jemand muss ja den Anfang machen – zumin­dest bei einer englisch­spra­chigen Bewer­bung wirkt das auch fehl am Platz (und zur Erin­ne­rung: Fotos sind in anderen Ländern nicht zulässig, spätes­tens also wenn Bewer­bungen über Tische im Ausland laufen wie bei vielen inter­na­tio­nalen Unter­nehmen mehr und mehr üblich, ist das “Bild” sogar kontra­pro­duktiv)
  • Sinn­volle Elemente aus anglo­ame­ri­ka­ni­schen Lebens­läufen über­nehmen wir gern; dazu gehört etwa ein „Profile“ oder „Execu­tive Summary“, das vor den Lebens­lauf gestellt werden kann. Viel­leicht nutzen wir auch „Career Objec­tives“ – aber besser nicht zu viel auf einmal.
  • Die tabel­la­ri­sche Form hat langsam ausge­dient. Wir können uns trauen, Daten auch mal oben rechts hinzu­setzen und das Blatt besser auszu­nutzen. So bleibt man dann auch bei verträg­li­chen zwei Seiten. Nur wenn wir uns bei einer sehr konser­va­tiven Firma bewerben,  die was von „tabel­la­risch“ in ihren Inse­raten munkeln, müssen wir unseren alten CV hervor­holen, leider. Dann kleben wir auch besser noch ein Foto drauf.

Wie sind Ihre Erfah­rungen mit inter­na­tio­na­li­sierten Lebens­läufen? Wie sieht der Globa­li­sie­rungs­taug­liche CV aus, der nicht länder­spe­zi­fisch adap­tiert werden muss?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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11 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 4. Mai 2011 at 16:29 — Reply

    Super-Tipps!
    Aber: Foto weglassen finde ich gewagt. Ich weiß, man muss es nicht. Jedoch finde ich es unter “Marke­­ting-Aspekten” immer noch hilf­reich. In XING und Face­book finde ich Sie doch auch mit Foto, oder?! 😉

    Ansonsten gilt für mich auch: KISS — Keep it smart and simple.

    Liebe Grüße!
    Lars Hahn

  2. bee 4. Mai 2011 at 16:45 — Reply

    Da ich keine Ahnung hab, was ein briti­scher Lebens­lauf ist, hilft mir der Text leider nur bedingt weiter. Ich weiß, dass ich was anders machen sollte — aber nicht genau, was.

  3. Svenja Hofert 4. Mai 2011 at 20:37 — Reply

    Hallo Herr Hahn, ja, das ist gewagt und ich wage gern — einer muss ja mal anfangen, oder? Und ich hab mich entschieden 😉 Tatsäch­lich bekam eine Kundin von mir neulich das Feed­back eines Perso­nalers: “Wieso bewerben Sie sich denn noch mit Foto? Sie sehen ja auch ganz anders aus. Lassen Sie das besser weg.” Das kippt gerade. Aber das ist wie überall bei Verän­de­rung: Die alte wehrt sich gegen die neue Welt und alles ändert sich langsam.…
    Und, Social Media, sei dank, kann man sich den Eindruck auch aus dem Internet holen, oder? Ich gebe zu, dass mit dem Foto-Weglassen empfehle ich nicht jedem, aber bei Leuten mit Super­pro­filen beden­kenlos, ebenso bei solchen, die sich bei Google & Co. bewerben. LG SH

    • Muriel 16. September 2016 at 12:03 — Reply

      Selbst als Talent Manager tätig, kenne ich die unter­schied­lichsten Lebens­läufe. Der ameri­ka­ni­sche oder briti­sche hat teil­weise zu wenig Infos (Geburts­datum, Wohnort resp. Natio­na­lität), jedoch gefällt mir meist die Aufma­chung sehr gut. Wenn mir etwas fehlt, trete ich gerne in Kontakt mit der jewei­ligen Person. Was auch wieder sehr gut sein kann für den Bewerber.
      Ich muss sagen, dass das Photo posi­tive und nega­tive Eigen­schaften haben kann:
      1. das Photo kann gefallen oder eben nicht und lenkt somit (vorteil­haft oder eben zum Nach­teil) vom CV ab
      2. sobald die Perso­nal­ver­ant­wort­li­chen aussor­tieren, sind sie froh um Photos

      Mir persön­lich gefällt der Euro­päi­sche Lebens­lauf gar nicht. Ich finde es auch anspre­chender, wenn der CV schön designt ist im Photo­shop anstatt nur ein Word-Doku­­ment.
      Was ich unan­ge­nehm für Bewerber finde, ist, dass die meisten in den Stel­len­an­zeigen auch gerade nach Refe­renzen fragen, etc.
      Ich finde erst wenn ein Bewerber in die engere Runde kommt, sind Refe­renzen wichtig. Ich finde Refe­renzen einzu­holen ist sehr wichtig, es ist aber sehr persön­lich und sollte nur gemacht werden als letzte Entschei­dungs­fin­dung. Man kann nämlich Arbeit­nehmer auch in Schwie­rig­keiten bringen beim Refe­renzen Einholen.

      Im Grossen und Ganzen wird der CV mehr als Resüme funk­tio­nieren, sozu­sagen als “Werbung” für den Bewerber. Bei Inter­esse können sich die Perso­nal­ver­ant­wort­li­chen melden um das Dossier zu vervoll­stän­digen.

  4. Svenja Hofert 5. Mai 2011 at 9:52 — Reply

    @bee: Ich habe im Fan-Exklusiv-Bereich bei http://www.facebook.com/svenjahofert einen engli­schen Lebens­lauf zum Down­load hinter­legt. LG Svenja Hofert

    • Muriel 16. September 2016 at 12:08 — Reply

      leider ist der da nicht mehr zu finden. Auf der Fanpage auch nicht auf den ersten Blick. Haben Sie den noch irgendwo?

      Vielen Dank,

      Muriel

  5. Oliver Förster — @Karriereguide 5. Mai 2011 at 9:56 — Reply

    Ganz ehrlich? Ich bin gegen Lebens­läufe ohne Bild. Und das nicht nur aus marke­ting­tech­ni­schen Gründen. Aber etwas mehr Einfach­heit in den Lebens­läufen ist schon gerne gesehen. Die „Career Objec­tives“ könnten durchaus richtig nütz­lich sein.
    Danke für den Artikel.

  6. Gunter Wehmeyer 5. Mai 2011 at 22:49 — Reply

    Inter­es­sante Tendenz. Habe erst kürz­lich meinen CV auf zwei Seiten runter­ge­drückt und muß sagen, daß es hilft, wenn man mit Limi­ta­tionen arbeit. Das Foto ist genauso verschwunden wie persön­liche Daten. Skills, career objec­tive und Keys of Success sind geblieben ebenso wie Quality Time am Ende. Insge­samt eine erfreu­liche Entwick­lung, auch wenn man trotzdem noch eine deut­sche Version haben muß 🙂

    • Svenja Hofert 6. Mai 2011 at 8:15 — Reply

      sehe ich auch so, man muss sich beschränken, selbst wenn wissen­schaft­liche CVs und IT-Lebens­­­läufe immer noch eine gewisse Ausführ­lich­keit brau­chen — da kann man aber Zusatz­seiten außer­halb des CV machen. LG Svenja Hofert

  7. […] sogar zwischen nahge­le­genen Ortschaften von Unter- und Ober­franken zeigen? In einer Zeit, in der die engli­sche Bewer­bung Norma­lität wird und wir deshalb aller­orts den Eindruck haben, eine Vari­ante setze sich durch – […]

  8. Volker 19. Februar 2016 at 13:44 — Reply

    Ich weiß, wir sind alle furchtbar trendy aber kann man in so einem Artikel viel­leicht auch mal deutsch schreiben, um zu verstehen, wie man seinen “CV” (darf man nicht mehr “Lebens­lauf” schreiben?) besser schreibt, wenn man es viel­leicht auch zum ersten Mal macht . Für “career objec­tive”, “Keys of Success” und “Execu­tive Summary” gibt es bestimmt auch deut­sche Begriffe für Nicht-Insider. Danke.

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