Kate­go­rien

Unser Chef sorgt für uns: Die Fürsorge-Karriere

Published On: 12. Oktober 2013Cate­go­ries: Führung

Heute starte ich eine neue Serie über acht Wochen. Auf der Basis von 9Levels habe ich 8 Karrie­re­sys­teme entwi­ckelt. Diese beruhen auf dem Gedanken, dass jede Branche, jedes Unter­nehmen und auch jede Abtei­lung ein eigenes Ökoystem ist, in dem bestimmte Menschen wie Pflanzen blühen und andere eingehen.  Die Zeich­nungen hat mit Chris­tina Hucke auf Basis meiner ersten Ideen, die ich in laien­haften Power­­point-Skizzen umge­setzt hatte.

© Christina Hucke

© Chris­tina Hucke

Ich beginne mit der Fürsorge-Karriere. Diese ist aus dem pupurnen Level abge­leitet. Es handelt sich um das älteste, bei uns zu beob­ach­tende Karrie­re­system.

Welche Werte herr­schen im Fürsorge-Karrie­­re­­system?

Im Mittel­punkt steht die Verant­wor­tung von Inhaber oder Chef für seine Beleg­schaft. Es geht um Treue, Loya­lität, Verbun­den­heit, Zuge­hö­rig­keit und Iden­ti­fi­ka­tion.

Was kenn­zeichnet ein Fürsorge-Karrie­­re­­system?

In solchen Unter­nehmen verlassen sich Mitar­beiter darauf, dass der Inhaber es gut meint und sich um sie kümmern wird. Lang gediente Betriebs­zu­ge­hö­rige empfehlen auch ihren Söhnen und Töch­tern, hier zu arbeiten und wünschten sich, dass dies bis zur Rente möglich sei. In so einem Ökosystem gedeihen Mitar­beiter, die vor allem treu und loyal sind.

Im Zuge der Globa­li­sie­rung ist das Ökosystem „Fürsorge-Karriere“ ein Auslauf­mo­dell; nur wenige Firmen können sich der Inter­na­tio­na­li­sie­rung entziehen. Fami­li­en­un­ter­nehmen werden gekauft und spätes­tens nach einer Über­gangs­phase von ein, zwei Jahren kann der fürsorg­liche Charakter verloren gegangen sein.

Welche Unter­nehmen ticken so?

So gut wie nie ganze Konzerne, maximal einzelne Bereiche in ihnen. Typisch ist das System für Tradi­­tions- und Fami­li­en­un­ter­nehmen sowie bei patri­ar­chial gegrün­deten (meist eine Einzel­person, nicht ein Team) klei­neren und mitt­leren Unter­nehmen.

Wer macht Karriere?

Derje­nige, der treu ist und damit zur Familie gehört.  Oft ist das ein Fami­li­en­an­ge­hö­riger. Wenn nicht, jemand der lang­ge­dient ist und das Unter­nehmen wie seine Westen­ta­sche kennt.  Dabei gilt es als selbst­ver­ständ­lich, sich dem „Patri­ar­chen“ unter­zu­ordnen.

Wer ist hier richtig?

Wer Fürsorge und Vertraut­heit sucht, eine Art zweites Zuhause, ist hier zwar richtig, sollte aber damit rechnen, dass bei Über­nahme, Fusionen und in Krisen­zeiten aus der fried­li­chen Koexis­tenz oft harter Macht­kampf wird. Da Menschen, die sich in Fürsorge-Karrie­­re­­sys­­temen wohl fühlen, oft beson­ders gern in EINEM Unter­nehmen bleiben, ist das ein Problem.

Sie sollten nach so einem Unter­nehmen suchen, wenn Sie regional verhaftet sind, Tradi­tionen schätzen und eine längere Firmen­zu­ge­hö­rig­keit Ihnen wichtig ist.

Wo finde ich solche Unter­nehmen?

Suchen Sie solche Unter­nehmen unter den tradi­ti­ons­rei­chen und perso­nen­ge­führten Fami­li­en­firmen,  unter Hidden Cham­pions und Betrieben in zweiter und dritter Gene­ra­tion, achten Sie aber darauf, dass das Unter­nehmen so gut aufge­stellt ist, dass es nicht bald über­nommen wird. Ein Alarm­zei­chen, wenn Unter­nehmen durch auslän­di­sche Firmen über­nommen worden sind oder Inves­toren sich bereits einge­kauft haben. Gestie­gener harter Wett­be­werb durch neue Konkur­renten kann ein zusätz­li­cher Indi­kator sein, dass es bald mit der Harmonie vorbei sein könnte.

Wie erkenne ich, dass ein Unter­nehmen so tickt?

Zum Beispiel daran, dass es ziem­lich sicher kein Employer Bran­ding gibt und alles noch etwas haus­ge­macht aussieht. Äußer­lich­keiten sind nicht wichtig, deshalb werden auch keine großen Worte gemacht. Die Wahr­schein­lich­keit, solche Unter­nehmen in klei­neren Städten und auf dem Land ist größer.

Wie bewerbe ich mich?

Am besten recht persön­lich und mit viel Begeis­te­rung fürs Unter­nehmen! Krea­ti­vere Formen sind OK, solange diese konser­vativ genug sind (also bitte nicht mit viel “Design” a la Pinte­rest, sondern mehr mit Herz). Einbau des Firmen­logos, ein fingiertes Inter­view mit dem Unter­nehmer, ein etwas längeres Anschreiben… Solche Dinge kommen in Fürsorge-Unter­­nehmen gut an. Und natür­lich Formu­lie­rungen wie “gern bin ich bereit nach XY umzu­ziehen”, denn Fürsorge-Unter­­nehmen wollen keine Mitar­beiter, die Freitag in ihre Groß­stadt fliegen… Sie lieben den regional einge­bun­denen Kollegen. Anre­gungen gibt es in meinem Best­steller “Krea­tive Bewer­bung”.(einst als Praxis­mappe 30.000 x verkauft und jetzt aktua­li­siert online erhält­lich).

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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