Kate­go­rien

Unter­neh­mergen nein, Persön­lich­keit entscheidet

Published On: 15. April 2011Cate­go­ries: Führung

Gibt es ein Unter­neh­mergen? Nein, sagt eine neue Studie. Aber es gibt eine Dispo­si­tion dafür Unter­nehmer zu sein: eine bestimmte Persön­lich­keit. Und diese wiederum ist auch teil­weise auf die Gene zurück­zu­führen. Die Studie heißt „Perso­na­lity Charac­te­ristics and The Decision to Become and stay self-employed” vom Insti­ti­tute for the study of labor (IZA), Institut für Arbeits­markt­for­schung (IAB) und dem deut­schen Institut für Wirt­schaft (DIW). Wie groß der gene­ti­sche Anteil wirk­lich ist, weiß niemand.

Ich vermute, die Erfah­rung der Vergan­gen­heit und der fami­liäre Hinter­grund spielen die Haupt­rollen. Immer wieder fällt mir auf, dass Kinder von Selbst­stän­digen sehr viel leichter den Schritt in eine unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit wagen.
In meinen Coaching­ver­trägen im Rahmen des KFW-Grün­­der­­co­a­chings / Unter­neh­mer­coa­chings stets deshalb meist auch das Thema „Unter­neh­mer­per­sön­lich­keit“. Diese zu stärken, muss das Ziel sein – alles andere ist wichtig, verhin­dert Fehler und spart Zeit und Umwege — aber läuft nebenbei. Oder anders ausge­drückt: Wissen kann man sich aneignen, Persön­lich­keit hat man, Unter­neh­mer­ei­gen­schaften muss man entwi­ckeln. Und das ist bei einigen Menschen eben leichter als bei anderen. Die simple Formel „wer wirk­lich will, schafft es auch“ trifft hier ganz beson­ders zu.
Alles hängt also an der Persön­lich­keit des Grün­ders ab und nicht etwa an seinem Wissen und Können? Ja, ich behaupte: Nicht mal die Idee ist wichtig. Selbst in schwie­rigen Berei­chen setzen sich nicht die durch, die gut sind und eine klasse Ausbil­dung haben, sondern die, die das wirk­lich und mit aller Kraft wollen. Es ist oft gar nicht nötig, schon am Anfang eine scharfes Profil und ein kantiges Allein­stel­lungs­merkmal zu haben – es geht auch mit „me too“, teil­weise sogar besser und erfolg­rei­cher.
In der eingangs zitierten Studie wird einmal mehr der Big5 zitiert und wieder geht es um die Werte Offen­heit und Extro­ver­tiert­heit, die den Grün­dungs­er­folg bestimmen. Das ist auch logisch: Jemand, der sich Neuem verwehrt, also ein nicht offener Mensch, ist bera­tungs­re­sis­tent, denkt und handelt eindi­men­sional und entweder tech­no­kra­tisch oder ohne eigene Meinung. Bisher konnten sich Nicht-Offene noch gut in Ange­stell­ten­ver­hält­nisse zurück­ziehen. Dort bilden sie die Gruppe der Verhin­derer und Bewahrer oder zumin­dest ihrer Sympa­thi­santen.
Doch wie lange passen solche Nicht-Offenen Menschen noch in die moderne Arbeits­welt? Menschen, die sich Neuem gegen­über verschließen, können nicht mehr mithalten, Burnout ist eine mögliche Folge. Was keines­wegs heißt, das Nicht-offene öfter Burnout bekommen – es ist im Gegen­teil meiner Erfah­rung nach so, dass auch viele ausge­bremste „Offene“ darunter leiden. Das sind die, die mit ihrer Offen­heit an Grenzen stoßen. Denn die Arbeits­welt ist im Umbruch. Das heißt immer auch, Altes und Neues besteht parallel, mitunter in denselben Unter­nehmen.
Den Verzicht auf Sicher­heit, den Förster/Kreuz in ihrem Super-Buch „Nur Tote bleiben liegen“ auch von Ange­stellten fordern — das ein guter Abriss über die Arbeits­welt der Zukunft ist – werden nur die Offenen frei­willig und mit Begeis­te­rung eingehen. Dieser Sicher­heits­ver­zicht erfor­dert anderes Denken – unter­neh­me­ri­sches nämlich. Deshalb sind die Forschungs­er­geb­nisse für alle wichtig, nicht nur für Selbst­stän­dige. Es spielt keine Rolle mehr, ob ein Vertrag fest ist oder frei – jeder ist Unter­nehmer für sich selbst. Deshalb ist es gut, dass es kein Unter­neh­mergen gibt. Das alles lässt sich entwi­ckeln.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Chris­toph Burger 16. April 2011 at 22:18 — Reply

    Hallo Frau Hofert und Mitle­sende,

    eine These dazu: Die wesent­lichste Eigen­schaft des Ange­stellten ist es, sich im Zweifel in eine Orga­ni­sa­tion einzu­ordnen. Umge­kehrt ist der Antrieb des Selb­stän­digen, genau dies nicht tun zu wollen. Einver­standen? Andere Meinung? Würde mich inter­es­sieren — und ist ein Aspekt, der für mich hier fehlt.

    Beste Grüße, Chris­toph Burger

    • Svenja Hofert 17. April 2011 at 12:12 — Reply

      Hallo Herr Burger, absolut. Nur ist es so, dass Unter­nehmen umdenken müssen.… denn in Sachen Inno­va­tion (bekannt­lich Heim­vor­teil west­eu­ro­päi­scher Länder mit nied­riger Macht­do­mi­nanz im Vergleicht zur Copy & Paste-Kultur von Ländern mit hoher Macht­do­mi­nanz) können Sie nicht mithalten, wenn sie auf den Typ des sich unter­ord­nenden Ange­stellten setzen. Das ist ein Wider­spruch, der bekannt ist. Auf den Punkt gebracht: Ich brauche selbst­den­kende unab­hän­gige Menschen, um mein Unter­nehmen wett­be­werbs­fähig zu halten — aber in der Orga­ni­sa­tion sind genau diese Leute anstren­gend und lästig. Deren primärer Motor ist die Aufgabe, die Arbeit, das Voran­kommen — das passt schlecht zu einer primären Moti­va­tion Sicher­heit, Status, soziale Inte­griert­heit. Nicht ganz einfa­ches Thema 😉 liebe Grüße Svenja Hofert

  2. Thomas Hoch­ge­schurtz 18. April 2011 at 21:28 — Reply

    Hallo Herr Burger,
    dem ersten Teil Ihrer These (über Ange­stellte) stimme ich zu. Dem zweiten Teil nicht, da gerade der Selb­stän­dige erfolg­reich ist, der sich seinen Kunden, die oft Orga­ni­sa­tionen sind, anpasst.
    Frau Hoferts Kommentar sollten sich die Unter­nehmen zu Herzen nehmen. Tun sie nur leider nicht.

  3. Chris­toph Burger 19. April 2011 at 15:40 — Reply

    ad Frau Hofert: Ich denke, der Fach­kräf­te­mangel wird in vielen Unter­nehmen ein Umdenken auslösen. Sie auch?
    ad Herr Hoch­ge­schurtz: Sie haben Recht, manche frisch­ge­ba­ckene Selb­stän­dige wundern sich, wie abhängig man auch von Kunden sein kann. Dennoch ist es meiner Beob­ach­tung nach etwas ganz anderes, ob man in eine Orga­ni­sa­tion einge­bunden funk­tio­nieren soll, oder von Kunden abhängt. Auf die Art der Abhän­gig­keit kommt es an. Oder?

  4. Svenja Hofert 21. April 2011 at 9:47 — Reply

    Hallo Herr Burger, denke ich, aber die Unter­nehmen sind langsam! Und: Im Grunde hängt jeder von Kunden ab und von nichts anderem — auch das Unter­nehmen. Aber abhängig ist an dieser Stelle das falsche Wort. LG SH

  5. […] entspre­chend hoch­mo­ti­viert. Bekannt­lich ist dies einer der wesent­li­chen Trieb­kräfte für Erfolg. Wer will, der kann. Oder […]

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