Kate­go­rien

Wachsen, aber richtig! Stra­te­gien, wie Coachs und Berater größer denken und werden

Published On: 25. Mai 2013Cate­go­ries: Führung

 

© Mopic - Fotolia.com

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Wachsen tut weh. Und stellt gerade Solo­un­ter­nehmer wie Coachs und Berater vor Schwie­rig­keiten, denn sie können ja nicht so ohne weiteres Mitar­beiter zum Kunden schi­cken. Ich sprach darüber mit meiner Kollegin Monika Birkner, die soeben das Buch „Erfolg­reich als Solo-Unter­­nehmer“ heraus­ge­bracht hat.  Es handelt sich dabei um eine komplett aktua­li­sierte Neuauf­lage von „Wachs­tums­stra­te­gien für Solo­un­ter­nehmer“.

Ich erlebe, dass Wachstum manchmal unmög­lich scheint: da sind die laufenden Aufträge, die abso­lute Prio­rität haben, der Zwang Geld verdienen zu müssen – die Notwen­dig­keit, sich neu aufzu­stellen tritt da in den Hinter­grund. Man hat einfach keine Zeit.

Birkner: Ja, das sind ganz spezi­elle Schwie­rig­keiten, vor denen Solo­un­ter­nehmer stehen, die sich aus dem laufenden Geschäft heraus verän­dern wollen oder müssen. Das braucht Raum. Man muss sich auch entscheiden, viel­leicht zeit­weise etwas kürzer zu treten, damit Neues entwi­ckelt werden kann. Mögli­cher­weise ist auch eine Inves­ti­tion nötig. Doch wenn man sich die Zeit nicht nimmt, rächt sich das früher oder später.

Im Coaching­be­reich ist es ja oft so, dass die Neupo­si­tio­nie­rung dann in einem „Coach für“ gipfelt oder in einem marken­ge­schützten Begriff. Halten Sie das für richtig?

Birkner: Das Problem der meisten Coaches ist, dass sie sich zu sehr auf ihre Methoden stützen. Doch diese sind nur Mittel zum Zweck, so wie auch das Coaching insge­samt nur Mittel zum Zweck ist. Worum es geht, sind Lösungen für die Kunden. Und Kunden sind nicht alle Menschen, sondern eine bestimmte Klientel, die beson­ders gut von den eigenen Leis­tungen profi­tiert.

Die klas­si­schen demo­gra­fi­schen Krite­rien helfen dabei  nicht unbe­dingt weiter. Bestimmte Werte, spezi­fi­sche Lebens­si­tua­tionen von Klienten oder typi­sche Anlässe, nach neuen Lösungen zu suchen, sind oft nütz­li­chere Ausgangs­punkte für die Ziel­grup­pen­wahl.

Birkner: Die Zukunft liegt in einer Denk­weise, die die Gesamt­heit der Fähig­keiten inte­griert und gleich­zeitig dem Kunden­be­dürfnis folgt. Oft liegt die Lösung, Neues zu schaffen, in einer neuen Art und Weise, Dinge zusam­men­zu­bringen. Sie machen das selbst ja sehr schön mit Ihrem Portal Kexpa. Man muss auch nicht einzelne Stunden verkaufen, sondern kann Ange­bote und Prozesse gestalten, die auf Lösungen für die Kunden ausge­richtet sind.

Was ist dabei der rich­tige Ansatz?

Birkner: Der wich­tigste Schritt und gleich­zeitig die größte Hürde ist, nicht zu stark von sich selbst auszu­gehen, sondern zu fragen: Wer ist der Kunde? Wie gut und womit kann ich ihm helfen?

In den Coachingaus­bil­dungen wird das meist nicht vermit­telt.  So kommt es, dass Coaches in Tabus und Dogmen gefangen sind, etwa: „Ein Coach berät nicht!“ Oder: „Coaching­ein­heiten dauern 60 Minuten und können nur Face-to-Face statt­finden“.

Ich selbst habe von Anfang an nach Wegen gesucht, das Inter­esse der Kunden best­mög­lich mit der Gesamt­heit meiner Fähig­keiten in Einklang zu bringen. Meine heutigen Klienten kommen in der Regel deshalb zu mir, weil sie gerade meine Kombi­na­tion von Coaching-Skills und eigenen unter­neh­me­ri­schen Erfah­rungen, die in die Coachings einfließen, schätzen.

Sie haben 2013 als Jahr der Solo­un­ter­nehmer ausge­rufen…

Birkner: Viele denken zu stark in Einzel­kämp­fer­ka­te­go­rien. Doch das macht es unnötig schwer.  In Zukunft werden sich viel­fäl­tige Formen der Zusam­men­ar­beit entwi­ckeln, von denen gerade Solo­un­ter­nehmer profi­tieren.

Das setzt aller­dings einen Wechsel in der Denk­weise voraus. Begreift man sich nicht als Konkur­renz, sondern als Partner, kann man sich gegen­seitig ergänzen.  Ein nütz­li­cher Neben­ef­fekt ist: Man wird quasi „gezwungen“, sich über Abgren­zungen und Unter­schei­dungs­merk­male klarer bewusst zu werden,

Darüber hinaus soll das Jahr der Solo­un­ter­nehmer dazu dienen, sich selbst wert­schät­zender zu begegnen und das dann auch nach außen auszu­strahlen. Die hohe Reso­nanz auf meine Blog­pa­rade „Mehr Wert­schät­zung für Solo­un­ter­nehmer“ zeigt, dass hier ein wunder Punkt liegt.

Mit der eigenen Verän­de­rung, verän­dern sich auch die Kunden…

Birkner: Oh ja, so ist es. Wenn ich mich wandle, verän­dern sich Kunden. Das gilt z.B. auch, wenn  man neue Ange­bote und Hono­rare fest­legt. Das zieht dann andere Leute an. Wenn ich es authen­tisch mache, sind es genau die, die gerade zu mir passen, die die Art meiner Arbeit mögen und die auf einem Level mit mir sind.

Das eigene Level verän­dert sich, die eigenen Vorge­hens­weisen und selbst das, was man als erfolg­reich erlebt. Ich habe früher auch die übli­chen 1–2 Stunden Einheiten gemacht, seit einigen Jahren vor allem halbe oder ganze Tage. Ich erlebe das als wirk­samer. Es kommen dadurch eher Kunden, die gut vorbe­reitet sind und auch umsetzen, was wir planen.

Birkner: Das ist ja ökono­misch auch sinn­voll. Ich selbst arbeite viel per Telefon und führe darüber hinaus Coaching­pro­gramme mit selbst erstellten Inhalten online durch (Webi­nare, Forum etc.). Aber wenn es persön­liche Treffen gibt, die VIP-Tage, dann dauern die in der Regel auch einen Tag.

Wie lernt man, größer zu denken?

Birkner: Regel­mäßig den Standort bestimmen und neue Ziele defi­nieren ist sehr wichtig. Und sich ruhig mal trauen, neue Produkte zu testen, das können eben auch Kombi­na­tionen von Dienst­leis­tungen sein oder eine andere Heran­ge­hens­weise.

Letzt­lich ist meine Erfah­rung: Viele spüren tief im Inneren durchaus, dass noch mehr Poten­zial in ihnen steckt. Woran es oft hapert, ist der Mut, damit nach außen zu kommen. Doch wenn Mut und syste­­ma­­tisch-unter­­neh­­me­ri­­sche Vorge­hens­weise zusammen kommen, ist viel mehr möglich, als man ursprüng­lich glaubte.

Apropos neue Produkte: Monika Birkner bietet für Coachs und Berater, die  wachsen wollen und Mitglied meines Portals Karrie­re­ex­perten sind, ein spezi­elles, ermä­ßigtes Super­vi­si­ons­pro­gramm über sechs Monate an. Inter­es­senten wenden sich bitte an meine Assis­tentin Karin Drebes drebes@karriereundentwicklung.de oder direkt an Monika Birkner.

Zu diesem Beitrag passt das KEXPA-Programm “Coach werden”.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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7 Kommen­tare

  1. Chris­toph Burger 27. Mai 2013 at 14:06 — Reply

    Sehr schönes, lesens­wertes Inter­view!
    Dem meisten kann ich zustimmen. Am meisten schlug bei mir das “Jawoll!” bei zwei Punkten an:
    1.) Ihr scheint mir den Gedanken zu unter­stützen, den ich vor einigen Monaten umge­setzt habe: Als Karrie­re­be­rater biete ich eine defi­nierte Leisung zu einem defi­nierten Preis (statt Stunden). Nachdem ich mich damit beschäf­tigt habe, wie Kollegen das so machen, erscheint mir dies die einzige logi­sche Lösung und alles andere eher unver­ständ­lich. Ich bin gespannt, ob sich Karrie­­re­ex­­perten-Kollegen dem früher oder später anschließen werden und würde mir das wünschen (Svenja hat diese Ange­bots­form ja schon viel früher ange­fangen).
    2.) Auch in den obigen Thesen zur Posi­tio­nie­rung als Coach / Berater finde ich mich wieder: In meinem Fall über Werte. Die Einschät­zung, dass dieser und vergleich­bare Wege die rich­tigen sind, teile ich!
    Danke & Grüße, cb

  2. Markus Väth 28. Mai 2013 at 21:58 — Reply

    Ich persön­lich halte es mit der 2‑Stunden-Länge in Coachings. 1 Stunde finde ich auch zu kurz, aber bei 4–8 Stunden wären meine Leute platt. In den Sitzungen laufen inten­sive Wissens- und Entwick­lungs­pro­zesse ab, die man dosieren muss, will man den Kunden nicht über­for­dern. Und die übri­gens auch einige Zeit zwischen den einzelnen Coaching-Terminen brau­chen.

    Wo ich ganz bei Ihnen bin: Das Produkt muss sich am Kunden ausrichten, nicht an mir als Dienst­leister. Sonst biete ich am Markt vorbei an. Den Kunden ist die Methode herz­lich egal. Haupt­sache, sie bekommen ihr Problem gelöst.

    Womit ich übri­gens ganz persön­lich nichts anfangen kann: Webi­nare. Und das, obwohl ich ein sehr technik-affiner Mensch bin. War mal bei 2,3 dabei. Technik hat nicht gefunzt und die Qualität stimmte auch nicht. Daher biete ich das auch nicht an. Live, Telefon etc. — kein Thema.

    • Svenja Hofert 29. Mai 2013 at 14:03 — Reply

      Hallo Herr Väth, lieben Dank für Ihre Ergän­zung. Mehr als 6–7 Stunden haben die Tage bei mir auch nicht, oft auch einmal nach­mittag und dann weiter am Vormittag. Sie sind meist Einstieg in einen Prozess, manchmal dienen Sie aber auch der Klärung ganz klas­si­scher stra­te­gi­schen Fragen. Hat auch damit zu tun, dass meine Klienten von überall her kommen und immer seltener aus dem regio­nalen Umfeld. War mal anders, aber auch das beein­flusst die Dienst­leis­tung.
      So ein Tag (nenne ich Stra­te­gietag) ist dann aber auch entweder Analyse/Feedback oder Beratung/Impulsgebung oder beides, kein Coaching. Für Kunden schwer zu diffe­ren­zieren. Webi­nare sind auch für mich nichts. Auch alle Hangouts sind bei mir bisher mit leichtem Unwohl­sein geendet, weil ich die tech­ni­sche Unruhe und das stän­dige “Stehen­bleiben” stört… im Zweifel lieber Telefon. LG Svenja Hofert

  3. Marit Alke 30. Mai 2013 at 9:05 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    hallo Frau Birkner,

    ein klasse Inter­view mit guten Aha-Effekten, vielen Dank! Beson­ders inter­es­sant ist für mich persön­lich gerade der Aspekt, dass man als Berater auch wenn man schon gut im Geschäft ist immer mal wieder inves­tieren muss — und zwar vor allem Zeit und Energie — wenn es darum geht, unter­neh­me­risch zu wachsen und sein Geschäfts­mo­dell umzu­wan­deln. Das fällt vielen sicher­lich schwer, wenn das Alltags­ge­schäft ruft — und das tut es ja oft ziem­lich laut. 😉

    Mir klar­zu­ma­chen, dass es bezogen auf das ganze Arbeits­leben eben doch eine sehr kurze (und wich­tige) weniger ertrags­reiche Umbruch­phase ist, hilft mir persön­lich im Moment sehr weiter.

    Herz­liche Grüße
    Marit Alke

  4. Monika Birkner 2. Juni 2013 at 11:49 — Reply

    Lieber Herr Burger,

    eine defi­nierte Leis­tung zu einem defi­nierten Preis zu bieten, finde ich beson­ders dann sinn­voll, wenn man bereits einiges an Erfah­rung hat. Denn dann kommt man oft in deut­lich kürzerer Zeit zu oft sogar noch besseren Ergeb­nissen als ein Anfänger. Und da ja auch die Klienten Zeit einbringen, ist es meist auch in ihrem Inter­esse, die Zeit gut zu nutzen. Zumin­dest kann ich das von meiner Klientel, den Solo-Unter­­neh­­mern sagen. Denn diese haben noch viele andere Dinge zu tun.

    Dass gemein­same oder ähnliche Werte sehr wichtig sind, finde ich immer wieder bestä­tigt.

  5. Monika Birkner 2. Juni 2013 at 11:56 — Reply

    Lieber Herr Väth, liebe Frau Hofert,

    die rich­tige Dosie­rung zu finden, finde ich immer wieder span­nend. Bei mir habe ich fest­ge­stellt, dass sich das im Laufe der Zeit auch immer wieder ändert. Aktuell expe­ri­men­tiere ich beispiels­weise auch mit 15-Minuten-Coachings — und das mit über­ra­schendem Erfolg.

    Ein VIP- Tag wird von den Klienten in der Regel als sehr intensiv erlebt, zumal er meist sowohl persön­liche Trans­for­ma­ti­ons­er­fah­rungen, stra­te­gi­sche Busi­ness­aus­rich­tung wie auch konkrete Umset­zungs­vor­be­rei­tung verbindet. Gleich­wohl fühlen sich die meisten nicht “platt”, sondern oftmals sogar mit neuer Energie erfüllt. Bei anderen kann eine Art wohliger Müdig­keit auftreten. Und ich selbst bin nach einem hoch­kon­zen­trierten Tag in der Regel auch ener­gie­ge­laden.

  6. Monika Birkner 2. Juni 2013 at 11:59 — Reply

    Liebe Frau Alke,

    ich finde gerade diese Phasen beson­ders wichtig. Denn dort entwi­ckelt sich oft Neues, das noch lange wirken kann. Die Heraus­for­de­rung des Alltags­ge­schäfts ist mir aller­dings auch wohl­be­kannt:-). Ich habe mich von der Idee verab­schiedet, dass ein Busi­ness ganz gerad­linig verläuft. So wie ein Mensch Ener­gie­kurven hat, gibt es Vergleich­bares auch im Busi­ness.

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