Kate­go­rien

Wähl Deinen Manager einfach selbst!

Published On: 13. April 2011Cate­go­ries: Führung

„Ich bin die gebo­rene Führungs­kraft“ – so etwas habe ich schon öfter gehört. Aber kann man zum Führen geboren sein? Ganz sicher gibt es Menschen mit einer natür­li­chen Auto­rität. Das sind zum einen die Alpha­tiere, die sich schon in Kinder­garten und Schule zeigen: Bei Jungs die Coolen, bei Mädels die Zicken — so meine Beob­ach­tung als Mutter eines 10jährigen. Zum anderen sind es infor­melle Führer, die sich gar nicht in den Vorder­grund drängen und die oft nicht mal ein Inter­esse an den  Insi­gnien der Macht haben. Bei Viert­kläss­lern sind das Nike-Sneaker und Hoodies, bei 40jährigen Porsches , Gehalts­sprünge und Titel. Die lassen die “Infor­mellen” kalt.

Was eine gute Führungs­kraft ausmacht, ist zumin­dest aus Sicht der Mitar­beiter klar. Ein Kunde hat mir seinen neuen Chef wie den Prototyp des „Boss“ beschrieben: Er ist freund­lich, zuge­wandt, infor­miert, nimmt Ideen wert­schät­zend auf, gibt klare Ziele und lässt Eigen­ver­ant­wor­tung.  Auch nicht unwichtig: Er kommu­ni­ziert die Linie des Unter­neh­mens (gut, wenn es eine gibt) und steht gleich­zeitig hinter seinem Team. Seltenes Exem­plar, Glück gehabt!

In Firmen finden sich solche Super-Bosse meist in Firmen, die diese gezielt besetzen — d.h. sie ballen sich in den “guten” Unter­nehmen. Domi­nie­rend ist der Vorge­setzte (Danke für die Unter­schei­dung an Dr. Erich Feld­meier vom Institut für Quer­den­kertum, wir haben sie gestern beim Mittag­essen bespro­chen ;-)). Vorge­setzte sind Menschen mit formaler Führungs­ge­walt. Denen folgt man azus Pflicht und Berech­nung – weil sie einen feuern können und weil es gut ist für das eigene Vorkommen. Ohne die Insi­gnien der Macht wären diese Vorge­setzten nichts. Während im Tier­reich schlechte Führer einfach davon­ge­jagt werden, kleben bei uns Kündi­gungs­schutz, Netz­werke, Seil­schaften und windige Deals die Vorge­setzten auf ihren Stühlen fest. Wie lange noch?

Nun ist es in den wissens­in­ten­siven Bran­chen so, dass dort über­wie­gend Mitar­beiter tätig sind, die eine akade­mi­sche oder adäquate höhere Ausbil­dung haben. Je besser gebildet ein Mitar­beiter, desto weniger akzep­tiert ist der Typ „Vorge­setzte“, der immer noch die Unter­nehmen beherrscht. Deshalb und auch um wirk­lich gute Mitar­beiter zu gewinnen brau­chen Firmen ganz neue Konzepte der Führung. Denn derzeit sind Unter­nehmen Dikta­turen. „Oben“ bestimmt, wer auf den Chef­sessel kommt. Kritik? Nur sehr einge­schränkt möglich. Chef­be­wer­tungen gibt es zwar schon länger. Sie schei­tern dennoch regel­mäßig an der Angst vor offenem Feed­back. Anders als in der Politik übri­gens, wo die Bürger gnadenlos abstimmen und urteilen – es kann ja nicht auf sie rück­be­zogen werden.

Wie wäre es, wenn wir es so wie in der Politik machten – und die Mitar­beiter ihren Chef wählen wie einst in der Schule den Klas­sen­spre­cher? Am besten auch auf Zeit, so dass es sich niemand in den Zentren der Macht einrichten kann. Wer gewählt ist und nicht durch intrans­pa­rente Krite­rien „bestimmt“, wie lange er „oben“ bleibt, wird ganz anders mit seiner Macht umgehen. So könnte auch einem weiteren Problem aus dem Weg gegangen werden: Der nach­las­senden Bereit­schaft, Führungs­ver­ant­wor­tung zu über­nehmen. Ich beob­achte in den letzten Jahren ein deut­lich schwin­dendes Inter­esse nach oben zu klet­tern – dies hat klar damit zu tun, dass Fach­po­si­tionen mehr Work-Life-Balance und oft bessere Verdienst­mög­lich­keiten nach sich ziehen.

Beispiele von Schwarm­in­tel­li­genz wie „Gutten­plag“ zeigen letzt­end­lich aber auch, dass Menschen, die intrin­sisch moti­viert auf ein Ziel hinar­beiten, sowieso keine Führung brau­chen. Hier reicht es viel­fach, Schnit­t­stellen- und Mode­ra­ti­ons­po­si­tionen einzu­richten. Oder die Verant­wor­tung für die Jobs, die sich nicht in Selbst­or­ga­ni­sa­tion lösen lassen, auf verschie­dene Köpfe zu verteilen.

Ich habe beim Googeln kein Beispiel für Unter­nehmen gefunden, die in Deutsch­land bereits ihre Chefs von Mitar­bei­tern wählen lassen. Aber bestimmt gibt es es das schon. Wer eins kennt, bitte posten!

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. kg 13. April 2011 at 11:43 — Reply

    Meines Wissens können die Mitarbeiter/innen der dm-Droge­rie­­märkte (teil­weise) ihre Filialleiter/innen wählen. Das habe ich jeden­falls mal in einem Vergleich der fast diame­tral entge­gen­ge­setzten Unter­neh­mens­kul­turen von Schle­cker und dm gelesen.

    • Svenja Hofert 13. April 2011 at 13:51 — Reply

      Vielen Dank für den Hinweis. Das würde ja zur dm-Philo­­so­­phie gut passen. LG SH

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