Kate­go­rien

Wenn´s nicht rund läuft: Aufgeben oder durch­halten?

Published On: 22. August 2013Cate­go­ries: Führung

Die Suche nach Aufträgen hat viele Paral­lelen zur Part­ner­suche, und ist auch der Jobsuche nicht unähn­lich. Möchte man eine Bezie­hung eingehen, ist niemand in Sicht. Und hat man einen Partner, locken Verfüh­rungen, an die man nie gedacht hat…. Sucht man einen Job ist keiner da, und hat meinen einen, fliegen die Ange­bote nur so rein (manchmal).

Malcolm Glad­well hat vor Jahren einen Best­seller über den Tipping Point geschrieben, den Punkt an dem ein viraler Effekt eintritt und etwas zum Trend wird. So einen Tipping Point gibt es nicht bei der Partner- und auch nicht bei der Jobsuche, aber es gibt ihn bei Grün­dungen. Irgend­wann kann es sein, dass sich alle gleich­zeitig melden, die man vorher so mühsam akqui­riert und akti­viert hat.

Leider passiert das nie, wenn Sie darauf warten und niemals wenn Sie es gerade drin­gend brau­chen. Nur wann? Und passiert über­haupt etwas? Das ist reich­lich schwer einzu­schätzen, ganz beson­ders bei Dienst­leis­tungen, die sich nicht so „lean startup“-mäßig testen lassen (wie es dennoch geht beschreibe ich im „Das Slow­­Grow-Prinzip“) .  Da muss man bei bestimmten Themen einfach Über­zeu­gungs­ar­beit leisten und einen langen Atem haben. Aber wie findet man die Balance zwischen zu schnellem Aufgaben und zu langem Fest­halten? Ich versuche eine Abgren­zung – wann  das Aufgeben viel­leicht wirk­lich eine gute Über­le­gung ist:

Emotio­nale Anzei­chen

  • Sie haben keine Energie mehr. Auch zwei Wochen Auszeit ändern nichts.
  • Sie erle­digen Ihre unter­neh­me­ri­schen Aufgaben nicht, und zwar über einen längeren Zeit­raum.
  • Sie machen einfach so gut wie NIE, was Sie sich vorge­nommen haben.
  • Bei keinem Thema bleiben Sie über einen längeren Zeit­raum dran, nicht mal beim Twit­tern oder Face­booken.
  • Ihr Selbst­be­wusst­sein hängt auf dem Boden und sie kriegen es nicht mehr hoch­ge­zogen.
  • Sie sind vom eigenen Produkt nicht über­zeugt.
  • Sie zielen aufs Tor, aber schießen nicht.
  • Sie träumen von der Fest­an­stel­lung oder/und einem sicheren Gehalt – wenn Sie über­haupt schlafen.

Anzei­chen aus dem Bereich der Unter­neh­mens­ent­wick­lung:

  • Nach einem halben Jahr konnte sich nicht mal jemand aus Ihrem Freun­des­kreis für Ihr Produkt erwärmen.
  • Erst recht ist niemand bereit zu zahlen, auch nicht bei einem kleinen Rabatt (geben Sie nie große).
  • Auch nach einem Jahr  tragen all Ihre Akquisen keine Früchte. Viele haben Inter­esse, aber keiner will kaufen (bitte prüfen, ob es an Ihrer Stra­tegie UND ODER am Produkt UND ODER Ihrer mangelnden Hart­nä­ckig­keit liegt).
  • Auch nach zwei Jahren hat Sie noch niemand aus Ihrem sonst  großen Netz­werk weiter­emp­fohlen.
  • Nach drei Jahren ist kein früherer Kunde ein zweites Mal gekommen.

Finan­zi­elle Anzei­chen

  • Auch nach zwei, drei Jahren sind die Einkünfte nicht über dem Neben­job­ni­veau.
  • Die Kassen sind zum Zeit­punkt X leer. Da gibt es nichts. Auch keine Folge­auf­träge und keinen Puffer.

Natür­lich gibt es Situa­tionen, in denen sich das Durch­halten und auch der Über­winden von 1000 Schwei­ne­hunden lohnt, zum Beispiel wenn Talent da ist, das sich in Fest­an­stel­lungen schlecht fruchtbar machen ließe. Gebe zu: Das ist ordent­lich schwer, das für sich zu ermit­teln.

Jemand mit Talent, das in Fest­an­stel­lungen vermut­lich zu kurz käme, ist die Betrei­berin des Twit­ter­ac­counts @rosereule, Alex­andra Tobor, die witzige Posts schreibt, ein witziges Buch geschrieben hat und offen­sicht­lich inzwi­schen auch als Podcast­au­torin Geld verdient. Tolle Frau, tolle Erfolgs­ge­schichte, vermut­lich hat sie sich das über Jahre aufge­baut.  Vermut­lich mit wenig/keinem Einkommen (siehe Finanzen-> igno­riert) und dem Durch­­alten-Weiter­­ma­chen-Biss von Leuten, die in der Ange­stellten-Welt unter­gehen (und siehe zumin­dest eine Regel bei emotio­nalen Anzeichen->Dranbleiben erfüllt).

Und zwar obschon sie keinem Unter­neh­mertyp entspre­chen. Es sind oft Fälle von Internet-Promi­­nenz, die unter­neh­me­ri­schen Regeln außer Kraft setzen. Zum Beispiel sind Internet-Promi­­nente erfolg­reich, eben WEIL sie neuro­tisch, eigen­willig, intro­ver­tiert oder/und etwas anderes in der Kate­gorie „anders“ sind. Und in solchen Fällen reicht es, wenn nur eins von Frau Hoferts Anzei­chen Hoff­nungs­schim­mern gibt: das Dran­bleiben. Aufgrund des stär­keren Eigen­wil­lens, vermute ich, geben diese Leute auch nicht so schnell auf. Was dann wieder doch eine unter­neh­me­ri­sche Eigen­schaft ist.

…und wenn Sie viel­leicht doch nicht aufgeben und wachsen wollen: Buchen Sie unseren Kexpa-Selb­st­­lern­­kurs Grün­­dungs- oder Wachs­tums­pro­jekt.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Klaus 25. August 2013 at 16:12 — Reply

    Aus meiner eigenen Erfah­rung und der meiner Kunden kann ich sagen das fast immer ein Frage ist ob man bereit aus Erfah­rungen zu lernen.
    Höhen und Tiefen wird es gerade bei einem Dienst­leister im Laufe der Selbst­stän­dig­keit immer wieder mal geben.
    Manchmal sind die Fehler aber relativ einfach:
    — Akquise ist eine Dauer­auf­gabe und keine die ich nur dann mache bis ich wieder die nächsten Aufträge habe
    — Produkte und Dienst­leis­tungen sollten regel­mäßig auf den Prüf­stand kommen und verbes­sert werden
    — Entwick­lungen z.b. im gesetz­li­chen Bereich werden meis­tens mit einer Vorlauf­zeit von einem Jahr bekannt gegeben — Beispiel Grün­dungs­zu­schuss — agieren zum Zeit­punkt wo es noch möglich ist, statt jammern und anschlie­ßend nur noch zu reagieren.

    Und ja Biss und Durch­al­te­ver­mögen braucht man sicher­lich als Unterehmer.

    Klaus

  2. Monika Birkner 9. September 2013 at 20:01 — Reply

    Liebe Frau Hofert,

    ein wich­tiges Thema, gerade in den ersten Jahren der Selbst­stän­dig­keit, aber manchmal auch später. Was ich immer mal wieder fest­stelle und was fast schon paradox erscheint: In manchen Fällen ändert sich die Situa­tion, wenn die Ziele höher gesteckt werden. Manchmal ist schlicht Lange­weile bzw. Unter­for­de­rung im Spiel. Ich weiß, dass es paradox klingt, doch ich habe es schon mehr­fach fest­ge­stellt.

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