Kate­go­rien

Warum Bewer­bungen auch zu schön sein können

Published On: 7. August 2013Cate­go­ries: Führung

TeamworkerStellen Sie sich vor, Sie müssten 30 Bewer­bungen sichten. Sie haben nicht viel Zeit, 30–60 Sekunden. Sie scannen die Unter­lagen, hier und da bleiben Sie hängen. Da ist jemand, der schreibt sehr lebendig, dyna­misch, blumig und selbst­be­wusst. Er strahlt Energie aus, ein echter Kunden­fänger, so scheint es. Das Foto und das schicke Layout unter­strei­chen das Dyna­mi­sche. Wow, denken Sie, den brau­chen wir. Die perfekte Bewer­bung. Sie ist wie ein Pfau­en­schwanz: Schön, bunt und breit aufge­fä­chert.

Nun kommt der Mann und ist still, zurück­hal­tend, sach­lich, distan­ziert und konser­vativ. Seine Rede ist normal. Sie sind enttäuscht. Zu Recht. Nun heißt das nicht, dass der Bewerber schlecht ist. Er ist bloß nicht der Typ, den sie erwartet haben. Und das war jetzt wirk­lich nicht Ihr Fehler.

Ich frage den Mann, wie diese Bewer­bung entstehen konnte. Er selbst kann gar nicht blumig schreiben. Deshalb hat er es machen lassen. “Wird schon richtig sein, die müssen doch ihr Fach verstehen,” denkt er (weil er verträg­lich und nicht miss­trau­isch ist). Text vom Texter, Design vom Desi­gner. Gut Ding sollen Profis machen. Das Ergebnis? Schlechte Einla­dungs­quote, 15 Vorstel­lungs­ge­spräche ohne Angebot.

Haben Sie mal in Gesichter von Menschen geschaut, die sich Ihre Nase richten ließen? Sie haben dauernd das Gefühl, da stimmt was nicht. Es sieht gut aus, aber es ist nicht stimmig. Das gehört nicht zu dem oder der. Das IST der nicht. Der Funke springt nicht über.

Liebe Leser, Sie dürfen jetzt wieder Bewerber sein und aus der Perso­na­lerper­spek­tive schlüpfen. ich rate Ihnen: tun Sie das nicht. Lassen Sie Ihre Bewer­bung nicht von jemanden texten oder desi­gnen, der sich nicht in Sie hinein­denken kann. Es kann keine vernünf­tige inhalt­liche Bewer­bungs­op­ti­mie­rung geben ohne vorhe­rige Bera­tung. Es ist teuer und kontra­pro­duktiv einen Werbeheini zu beauf­tragen, der Ihnen eine Persön­lich­keit aufstülpt, die nur mit ihm selbst, aber nichts mit Ihnen zu tun hat.

Die rich­tige Reihen­folge in einer effek­tiven Bewer­bungs­be­ra­tung ist die:

  • Was ist Ihr Ziel? (der Berater kann es eingrenzen helfen)
  • Wie kommen Sie hin? (der Berater kennt Wege)
  • Was sind Ihre persön­li­chen, fach­li­chen, Erfah­rungs­spe­zi­fi­schen und metho­di­schen Argu­mente? (dazu muss der Berater vertieftes und aktu­elles Arbeits­markt­wissen haben)
  • Wie setzen Sie diese so in Text und Layout um, dass man genau so jemand wie Sie auch erwartet, wenn Sie im Vorstel­lungs­ge­spräch sitzen? (dazu muss der Berater NICHT texten können, aber Sprach­ge­fühl besitzen)

Ich habe tabula rasa gemacht. Bewer­bung neu, den Texter-Schmu gestri­chen, radikal verein­facht, Selbst­schreiben verordnet — ich schau dann drüber.

Jetzt konzen­trieren wir uns auf das Wesent­liche: den authen­ti­schen Ausdruck im Vorstel­lungs­ge­spräch.

Hierzu passt unser Bera­tungs­pro­gramm Bewer­­bungs-Fit. Die Selbst­lern­lö­sung Bewer­bungs­trai­ning finden Sie hier.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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9 Kommen­tare

  1. Gabriele Trachsel 7. August 2013 at 17:44 — Reply

    Wahre Worte! Danke Frau Hofert. Es fällt vielen Menschen nicht so leicht Bewer­bungs­un­ter­lagen zu erstellen. Wenn aber erst ein mal klar ist, welche Bran­chen über­haupt in Frage kommen und der Bewerber sich dann mit den in Frage kommenden Unter­nehmen ausein­an­der­setzt, dann entstehen inter­es­sante Unter­lagen, die auch zum Vorstel­lungs­ge­spräch führen. Das macht Arbeit und setzt Fleiß voraus, der sich aber dann für beide Seiten, Unter­nehmen und Bewerber, lohnt.

  2. […] Hofert hat diese Woche über einen sehr inter­es­santen Fall aus Ihrer Coaching-Praxis berichtet: Ein Bewerber, der eine zu schöne Bewer­bung verschickte, eine bei der Perso­naler auto­ma­tisch […]

  3. Barbara 8. August 2013 at 23:44 — Reply

    Guten Abend,

    ich musste selber sehr lange in dem Bereich arbeiten und habe noch eine zusätz­liche Erfah­rung machen dürfen: Bewerber, die sehr kreativ wurden, sind aufge­fallen, zeigten Moti­va­tion und Selbst­be­wusst­sein und wollten quasi eine Art Geschäfts­idee verkaufen.
    Das ange­spro­chene Malheur bzgl. der Enttäu­schung ist zumeist nur relativ. Ich durfte die Erfah­rung machen, dass der eine oder andere mit Profis hantierte, aber der Wille recht groß war.
    Kleiner Tipp an alle Bewerber: Zeigt Mut und Stärke — und vor allem: Lasst euch was einfallen!
    In den USA gab es mal ein Plakat­wer­bung, auf der der Bewerber sich präsen­tierte und nach einem Job suchte. Ergo: Job bekommen, 500 US-Dollar ausge­geben — und eine wirk­lich klasse Idee.
    Lange Rede kurzer Sinn: Schöne Grüße aus Cuxhaven!

  4. Gustav 11. August 2013 at 18:25 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,

    Sie beschreiben die Probleme des Perso­nal­ma­nage­ments sehr einfach und deut­lich. Ich gebe Ihnen voll­kommen Recht, dass ein Bewerber seine Bewer­bung authen­tisch schreiben sollte. Die Damen und Herren aus dem Recrui­ting haben das Gespür dafür, wann eine Bewer­bung “ehrlich” ist oder “gekün­zelt” wirkt!
    Tolles Beitrag!
    Gruß
    Gustav

  5. […] Tun Sie das nicht”, schreibt Karrie­re­be­ra­terin und Karrie­­re­­SPIEGEL-Kolum­­nistin Svenja Hofert in ihrem Blog. “Es ist teuer und kontra­pro­duktiv, einen Werbeheini zu beauf­tragen, der Ihnen eine […]

  6. Tim Windhof 29. November 2013 at 1:45 — Reply

    Umfasst eine derar­tige Bera­tung auch die Hand­ha­bung mit Appli­cant Tracking Systemen?

    Den meisten Bewerber ist meines Kennt­nis­standes z.B. nicht bewusst, dass z.B. eine Tabel­len­for­ma­tie­rung in Word oder “falsche” Schriftart schon dazu führen kann, dass die Bewer­bung von der filternden Soft­ware nicht gelesen werden kann und folg­lich gar nicht erst ein mensch­li­ches Auge erreicht.

  7. Chris­to­pher 25. Mai 2014 at 15:26 — Reply

    Ich bin auch der Meinung, dass eine Bewer­bung sowohl optisch, als auch inhalt­lich authen­tisch sein sollte. Ich denke man kann sich gerne von einem Grafiker beraten lassen, um grobe Schnitzer im Layout zu vermeiden. Auch Layout-Vorlagen können meiner Meinung nach eine hilf­reiche Basis sein. Das Endergebnis sollte aber immer eine indi­vi­du­elle Bewer­bung sein, welche Profil und Persön­lich­keit des Bewer­bers authen­tisch wieder­spie­gelt.

  8. Iryna 6. Juli 2016 at 19:24 — Reply

    Guten Tag Frau Hofert,

    man kann Ihrem Beitrag nur zustimmen. Bewerber haben es zwar schwer aber die Perso­nal­ver­ant­wort­li­chen haben es auch nicht sehr einfach. Einen neuen Mitar­beiter einzu­stellen ist für ein Unter­nehmen sehr kosten­in­tensiv. Dabei stehen sie oft unter Druck und dürfen sich nur wenige Fehler erlauben. Mit Authen­ti­zität sowohl in der Bewer­bung als auch im Vorstel­lungs­ge­spräch helfen die Bewerber den Perso­na­lern die rich­tige Entschei­dung zu treffen. Das ist für beide Seiten die beste Lösung. Super Beitrag !

    Beste Grüße
    Iryna

  9. Michael Schneider 10. Dezember 2016 at 10:39 — Reply

    Hallo Frau Hofert
    ich bin ganz Ihrer Meinung, ein Bewer­bungs­schreiben soll so authen­tisch wie nur möglich sein, denn daran misst ja ein(e) Perso­nal­be­ra­terIn auch das Wesen eines mögli­chen Kandi­daten und entscheidet dann über ein erstes Gespräch oder eben nicht.
    Papier nimmt natür­lich alle “Schmei­che­leien” und gute Verkäufer gibt es viele. Wenn dann aller­dings die Eindrücke von Bewer­bungs­schreiben und erstem Gespräch nicht über­ein­stimmen, ist meist auch die Enttäu­schung für den Perso­naler gross.

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