Kate­go­rien

Warum gibt es eigent­lich ein Renten­alter?

Published On: 14. Oktober 2010Cate­go­ries: Aktuell

Mit 66 ist noch lang noch nicht Schluss — dieses alte Lied wird jüngere Gene­ra­tionen vermut­lich irri­tieren. Denn: 66 ist nicht mehr alt, die Grenzen haben sich verschoben. Altsein fängt mit 70, 75 ab  und auch da bei manch einem noch nicht richtig. Das Länger arbeiten wird damit immer selbst­ver­ständ­li­cher werden. Mehr noch als mit der Demo­grafie hat das mit der Indi­vi­dua­li­sie­rung unserer Gesell­schaft zu tun. Arbeit ist der Kontakt zur Welt, Bestä­ti­gung, ein, ja, viel­fach der wich­tigste Teil des Lebens.

Ich will weiter arbeiten! Das sagen sich immer mehr Rentner, die keine sein wollen. Meine eigene Mutter arbeitet mit 70 immer noch. Der Vater eines Bekannten hat mit 65 sein Geschäft aufge­geben, um es mit 70 wieder zu eröffnen. Gerade klagten zwei Gerne-Arbeiter gegen die Zwangs­ver­ren­tung mit 65: eine Putz­frau, die 40 Jahre für einen Betrieb tätig war und ein Ange­stellter der Hoch­bahn. Es zeichnet sich da ein neuer Trend ab, aus mindes­tens zwei Moti­va­tionen gespeist: erstens geht es um Geld. Immer weniger „junge Alte“ können von ihrer Rente gut leben. Zwei­tens geht es um Zufrie­den­heit: Gerade auch jene Menschen, die genug Geld haben, lang­weilen sich zuhause, erst recht, wenn sie ihr Leben lang eine zentrale Moti­va­tion aus dem Beruf gezogen haben. Wie schwer es ist, von einem Tag auf den anderen die Hände in den Schoss zu legen, wissen nicht nur Trainer, die für Vorträge zum Thema „Was kommt nach der Rente“ meist regen Zulauf haben.

Warum gibt es eigent­lich eine Zwangs-Verren­­tung mit 65 Jahren? frage ich mich spätes­tens, seitdem ich das Buch meiner Kollegin Carola Klein­schmidt lese. Es heißt „Jung alt werden. Warum Sie mit 40 schon an 80 denken sollten“ – dieses Buch enthält viele wich­tige Gedanken, die mit 40 noch weit weg scheinen, es aber nicht sind. Könnten nicht viele Probleme gelöst werden, wenn das Renten­alter abge­schafft würde und jeder so lange arbei­tete, wie er will und es finan­ziell braucht? Da der demo­gra­fi­sche Wandel ohnehin zu mehr Jobs führen wird, könnte sich auch das Thema Fach­kräf­te­mangel so beiläufig entspannen. Und wer zu viel Geld hat, könnte eine Abgabe in einen Fonds zahlen, der wiederum den Zuwenig-Verdie­­nern zugute kommen könnte…. Je mehr ich darüber nach­denke: Ich sehe nur Vorteile, das Renten­alter ganz abzu­schaffen. Und Sie?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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