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Warum schaffen manche es, mehr aus ihrem Leben zu machen?
Kann es sein, dass sich Gestaltungswille und Engagement vererbt? In Mecklenburg-Vorpommern traf ich diesen Sommer die Besitzerin eines Gutshauses. Sie war vor einigen Jahren aus einer Großstadt aufs Land gezogen und hatte in dem Gutshaus eine Pension eröffnet. Für das Restaurant brauchte sie frisches Gemüse und Salat. Ein Nachbar baute Salat für den Eigenbedarf an. Die neue Einwohnerin hätte ihm gern davon abgekauft. Er hätte einfach nur seinen landwirtschaftlichen Betrieb erweitern sollen. Er hätte Ideen entwickeln können, wie sich mit der neuen Chance, den Tourismus vor die Haustür zu ziehen, Geld verdienen ließ. Tat er nicht. Nö, mehr brauche ich nicht”, wiegelte er ab.
“So sind alle hier”, sagte die Gutsherrin. Sie erklärte es damit, dass das Dorf historisch ein Arbeiterdorf war. Die Einwohner waren gewohnt, versorgt zu werden, nicht aber Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Ein Dorf weiter sei das ganz anders. Da gäbe es Betriebe und Künstler und andere Leute, die es schaffen, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen — bei gleicher Einwohnerzahl. Das Nachbardorf lebte früher von der Landwirtschaft. Es hat es geschafft, auch in der DDR eigenständig zu bleiben und sich nicht dem Kolchoseberieb, also der LPG, zu unterwerfen. Gestaltungsfreudige Widerspruchsgeister also.
Für mich war es faszinierend den Unterschied der beiden Dörfer zu sehen: Hier Gewerbeschilder vor der Haustür, ein kleines Cafe — dort leere Straßen und Tristesse. Nur ein alter Mann, der vor dem Haus saß und uns beobachte. Warum gibt es Menschen, die es schaffen, mit Ideen und wenigen Mitteln etwas aus ihrem Leben zu machen? Und andere die ewig darauf warten, dass ihnen jemand “Arbeit” gibt. Ich glaube nicht, dass das erblich ist, sondern bin überzeugt, dass jeder lernen kann, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und unternehmerisch zu denken oder auch tätig zu werden. Es wäre schön, wenn die dazu nötigen Eigenschaften in unserem Schulsystem, in Ausbildung und Studium gefördert würden.
Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
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