Kate­go­rien

Warum sind manche Menschen einfach nicht erfolg­reich?

Published On: 2. August 2011Cate­go­ries: Führung

Heute twit­terte mir Simone Janson die “krea­tive” Bewer­bung eines verzwei­felten Wirt­schafts­in­ge­nieurs zu. Danke Simone. Ich finde seine Idee aller­dings nicht so lustig und kreativ. Und ich sehe der Art der Aufbe­rei­tung auch an, warum der junge Mann mit seinen anderen Unter­lagen nicht zum erfolg­rei­chen Abschluss gekommen ist.

Ja, es ist richtig, dass der Fach­kräf­te­mangel viel­fach über­trieben wird. Die Unter­nehmen wollen nicht mehr wie vor 10 Jahren irgend­je­mand als Mitar­beiter, sondern einen „guten“. Ihre Akade­­miker-Stellen sind manchmal wenig stra­te­gisch und lang­weilig für jemand, der hoch hinaus will und seinen Kopf anstrengen möchte. Doch einen Job kann ein Wirt­schafts­in­ge­nieur selbst mit einer drei vor dem Komma auf jeden Fall bekommen. Wenn es dennoch nicht klappt, liegt es — falls es nicht fehlende Prak­tika oder verdäch­tige Zeug­nisse sind — oft an der Persön­lich­keit und über­zo­genen Vorstel­lungen.

Arbeit­geber bevor­zugen Charak­tere, die eini­ger­maßen anpas­sungs­fähig sind. Sie schätzen Menschen wie einen Sascha Lobo und andere kantige (und wie ich finde durchaus sympa­thi­sche) Persön­lich­keiten nur aus der Ferne. Die sind gut für Impuls­vor­träge und Work­shops. Und schlecht für den Joballtag. Und sie haben recht damit: Mir sind immer wieder Unter­nehmen begegnet, die sehr flexibel und offen waren und sich einen Wider­borster an Bord geholt haben. Aber sie wurden nicht belohnt. Eine kantige Persön­lich­keit fügt sich nicht ein, freut sich nicht über kleine Fort­schritte und wartet auch nicht geduldig auf lang­same Verbes­se­rungen. Eine kantige Persön­lich­keit sagt: Entweder jetzt oder ohne mich.

Dann gibt es noch die Leute, die sich komplett selbst über­schätzen. Sie halten sich für clever, sind es aber nicht. Sie können (und wollen, was an der Stelle dasselbe ist) sich nicht einfügen. Aber im Unter­schied zu der oberen Gruppe haben sie einfach nichts zu bieten und zu wenig auf der Könnens-Seite. Was sie anders sehen, und das ist ein Problem.

Dann kann es auch falsches Selbst­mar­ke­ting sein: Gerade im tech­ni­schen  Bereich finden sich auch immer wieder Menschen, die sich einfach über­haupt nicht verkaufen können. Weder schrift­lich noch münd­lich. Ich frage meine Kunden, die gut ausge­bildet sind und trotzdem nichts finden, deshalb immer nach der „Quote“. Wie oft sind sie auf 10 Bewer­bungen einge­laden worden? Wenn die Quote bei einem Wirt­schafts­in­ge­nieur derzeit unter 20% liegt, stimmt was nicht an den Unter­lagen und/oder den ausge­wählten Stellen. Manchmal sind es ganz einfache Dinge wie eine längere, unbe­legte Auszeit. Kann aber auch sein , dass die Ursache im Vorstel­lungs­ge­spräch liegt. Wer fünf Gespräche führt und kein Mal zum Zweit­ge­spräch geladen wird, hat auch im IT-Bereich — wo es grund­sätz­lich mehr Vorauswahl­ge­spräche gibt  als in anderen Bran­chen — ein Problem.

Irgend­wann wird die Tatsache, dass man zu lange gesucht hat, das eigent­liche Problem. Wer nach seinem Studium zwei Jahre auf Jobtour geht, wirkt auf Arbeit­geber wie Brot von gestern – keiner will es „kaufen“ und wenn nur gegen deut­li­chen Rabatt.

Ach ja, auch immer eine beliebte Fehl­ein­schät­zung: Das Gehalt. Viele halten an über­zo­genen Gehalts­vor­stel­lungen fest, weil sie im Internet irgend­welche Zahlen gefunden haben, die z.B. besagen dass man mit *diesem* Abschluss sound­so­viel verdienen müsse. Dazu habe ich neulich auch etwas bei Spiegel Online geschrieben.

Fazit: Wer so lange sucht wie der Wirt­schafts­in­ge­nieur braucht eine gute Bera­tung — aber manchmal sind gerade diese Kandi­daten voll­kommen bera­tungs­re­sis­tent. „Er wüsste eh alles“, sagte mir neulich einer, der seit zwei Jahren vergeb­lich suchte (fragt sich, warum er anrief.…). In solchen  Fällen unter­lasse ich jeden Bekeh­rungs­ver­such und konzen­triere mich auf all die netten Leute, die ich beim Erfolg­reich­sein begleiten darf. Die suchen komi­scher­weise nie so lange.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

6 Kommen­tare

  1. Chris­toph Burger 3. August 2011 at 18:00 — Reply

    Frau Hofert,

    Sie haben ja so Recht. Ihr Spiegel-Online-Artikel beschreibt die Situa­tion auch sehr gut. Güns­tige Inge­nieure sind gefragt, die genau die rich­tigen Kompe­tenzen haben. Nicht irgend­welche Inge­nieure. Und auch mal gar keine: 2009 beriet ich mehrere junge, berufs­er­fah­rene, arbeits­su­chende Inge­nieure, die damals keiner brauchte.

  2. Wilhelm Zorem 4. August 2011 at 10:03 — Reply

    Es geht um die Wirkung und es geht um den Hebel. Zahlungen an Arbeit­nehmer sind Kosten und Kosten muss durch Einnahmen über­kom­pen­siert werden. Karrie­re­be­ra­tung ist so einfach, dass können sogar Jour­na­listen.

  3. Svenja Hofert 4. August 2011 at 10:28 — Reply

    @wilhelmzorem: Sind Sie Jour­na­list, lieber Herr Zorem? Oder welcher frus­trierten Berufs­gruppe gehören Sie sonst an? Mich wundert jeden­falls, dass ein Mensch, der seine eigene Kommen­tar­funk­tion in seinem Blog sicher nicht ohne Grund ausge­schaltet hat, mit unter- und über­schwel­liger Aggres­sion durchs Netz zieht und Kommen­tare hinter­lässt, die entweder auf erheb­li­chen persön­li­chen Frust oder/und eine beschei­dende Denk­fä­hig­keit und mangelnde soziale Anpas­sungs­fä­hig­keit deuten. beste Grüße SH

  4. […] Grund­hal­tung;-)” – und dann noch einen Blog­post nach­ge­reicht, in dem sie fragt: Warum sind manche Menschen einfach nicht erfolg­reich? Darin heißt […]

  5. […] Grund­hal­tung;-)” – und dann noch einen Blog­post nach­ge­reicht, in dem sie fragt: Warum sind manche Menschen einfach nicht erfolg­reich? Darin heißt […]

  6. Andreas Scherer 13. Februar 2014 at 2:27 — Reply

    Sie bieten die perfekte Beschrei­bung für Robo­ter­men­schen.

Leave A Comment