Kate­go­rien

Was ist ein agiler Coach? Über ein neues Berufs­bild und die Notwen­dig­keit, Haltung zu wahren

Published On: 17. Juni 2018Cate­go­ries: Karriere

Auf Bahn­fahrten lernt man eine Menge über Land und Leute. Vor kurzem war ich aus dem Süden kommend unter­wegs Rich­tung Norden. Es herrschte Unwetter. Die Folge: stun­den­lange Warterei. Im Abteil ein agiler Coach, nennen wir ihn Tobias, der die Rolle des Allein­un­ter­hal­ters über­nahm. Weiterhin zahl­lose über­wie­gend schwei­gende Statisten, die gerne geschlafen hätten, darunter ich.

Tobias sendete One-Way – wer nicht wegschaute, bekam die Historie von Scrum zu hören und erfuhr auch was agile Coaching ist. Seine persön­liche Geschichte — die Helden­reise eines Soft­ware­ent­wick­lers, der merkt, dass er im Program­mieren nicht so gut wie die anderen ist. Die kannte spätes­tens in Hannover jeder.
Für mich hat Coaching vor allem mit Zuhören können zu tun. Für mich ist es kein Belehren, Aufklären, Besser­wissen und kein kommu­ni­ka­tives Über­fahren. Indes war ich auch nicht erstaunt über Tobias‘ Inter­pre­ta­tion eines Berufs­bildes, das im agile Kontext als “Rolle” gehan­delt wird. Diese ist nicht an eine Posi­tion oder Funk­tion gekop­pelt.

Ich bin in letzter Zeit oft mit unter­schied­li­chen, ja wider­sprüch­li­chen Verständ­nissen von „agile Coaching“ in Berüh­rung gekommen. Und je mehr ich mir die verschie­denen Berufs­ver­ständ­nisse bewusst machte, mir Ausbil­dungs­in­halte von „agile Coaching“ durchlas und über das Thema mit HR-Leuten sprach, desto klarer wurde mir, dass es kein einheit­li­ches Verständnis gibt, dies den Akteuren aber nicht bewusst ist.

Klar ist eigent­lich nur das Image dieses Jobs: Der Agile Coach ist mehr und „größer“ ist als der Scrum Master. Das macht ihn attraktiv.

Agile Coach mit IT-Fokus

In großen Unter­nehmen ist die „Rolle“ agile Coaching manchmal außer­halb der Scrum Teams in Zentral­be­rei­chen veran­kert. Teils in der IT, teils HR, teils im Stab. Dann coacht der Agile Coach-Trainer die Scrum Master oder andere Teams. Kommt er mehr aus der IT ist das Verständnis mehr auf die Arbeits­weise und Ziel­er­rei­chung bezogen. Die Autorin Rachel David defi­niert: “An agile coach helps teams grow strong in applying agile prac­tice to their work.”

Nicht allen geht es um agile Praxis, einigen auch um die Praxis der Zusam­men­ar­beit. Diese auf ein hohes Niveau zu bringen, erfor­dert meiner Erfah­rung nach weit mehr als agile Praxis — eine Persön­lich­keit, die das unter­stützen kann und die Skills (z.B. Zuhören und Mode­rieren) und Tools (Coaching, Media­tion) einbringen kann.

Agile Coach mit HR-Fokus

Kommt er mehr aus HR geht es um Team­ent­wick­lung. Es kann auch sein, dass agile Coaches und HR-Coaches ange­stellt sind, Die HR-Coaches laufen oft parallel zu den Busi­ness Part­nern. Es sind nicht immer 100%-Rollen, d.h. sie können auch teil­weise über­nommen werden, sofern Ressourcen klar sind (wieviel Prozent der Arbeits­zeit).

Außer­halb des Scrum Teams ist der Coach Teil des Orga­­ni­­sa­­tions-Systems, aber nicht des Team-Systems. Das bedeutet, seine “emotio­nale” Kopp­lung ist geringer, was die Wirk­sam­keit erhöhen kann.

Lee Elliott schreibt bei LinkedIn: „(…) but my obser­va­tion has been that Agile Coaches usually get a wider mandate and hence are able to better foster overall orga­niza­tional growth. 

Wenn Sie sich an meine Unter­schei­dung von Mindset, Skillset und Tooles erin­nern, so defi­nieren Rachel David und Lee Elliott hier völlig unter­schied­liche Typen von agile Coaching.

Entschei­dend: Haltung

Wir unter­scheiden bei Team­works unser “Haltungs­qua­drat”. Haltung kommt aus dem Mindset. Sie lässt sich bewusst machen. Man kann darüber reflek­tieren. Sie ist aber kaum lernbar oder fordert einen längeren Entwick­lungs­pro­zess über Jahre.

Das sind die Extreme auf den Konti­nuen des Haltungs­qua­drats:

  • Coaching und Bera­tung.
    • Coaching ist Nichts-Wissen, Nichts-Wollen und absichtslos in dem Sinne, dass der Coach nicht zu einer bestimmten Hand­lung oder Wahr­neh­mung führen möchte, sondern Ressourcen akti­vieren. Es geht vor allem ums Zuhören und Fragen. Manche versu­chen es, berufs­spe­zi­fisch zu denken. Die Wahr­heit ist, das wirk­sames Coaching ganz­heit­lich sein muss. Sonst ist es…
    • Bera­tung und damit (schein­bares) Wissen und absichts­voll. Es geht ums Sagen und Vermit­teln von Infor­ma­tionen und das Errei­chen von Zielen.
  • Mode­ra­tion und Trai­ning
    • Mode­ra­tion ist Nichts-Wissen und Verbin­dungen im Kommu­ni­ka­ti­ons­raum ordnen.
    • Trai­ning ist (schein­bares) Wissen und Üben.

Team­ent­wick­lung liegt zwischen allen diesen Posi­tionen, wobei es dem Team­ent­wickler stets bewusst sein sollte, wo er agiert und sich dieser Schwer­punkt phasen­be­zogen ändern muss. In einem Prozess zum High Perfor­mance Team ist die Postion über­wie­gend Mode­ra­tion und (Team-)Coaching.

Agile Coaching ist deshalb so unter­schied­lich besetzt, weil das Thema Haltung noch kaum Einzug gehalten hat. Jeden­falls nicht im Sinne einer Refle­xion darüber, dass diese verschieden sein kann.

Der Versuch von Diffe­ren­zie­rung im Agile-Begriffs-Einheits­­­brei…

Agiler Coach in der Trainer „american style“-Variante (Trai­ning)

Dieser Typ agile Coach hat den Schwer­punkt beim Trai­ning. Er folgt einem ameri­ka­ni­siertes Verständnis von Coaching im Sinne des Sport-Trai­­nings. Er ist im Lean-Kontext genauso unter­wegs wie im „agile-Scrum“ Umfeld. Lean opti­miert und stabi­li­siert er, agile räumt er die Hinder­nisse beim Entstehen inno­va­tiver Lösungen aus dem Weg. Lean ist Indus­trie, agile eher Soft­ware — Spotify & Co. Da liegt schon mal ein Unter­schied bei den zu Coachenden: Inno­va­ti­ons­tä­tig­keit à la Spotify verlangt auto­no­mere Persön­lich­keiten. Opti­mie­rungs­tä­tig­keit à la Konzern beißt sich oft mit “Frei­geist”.

Hier wie da agiert der agile Coach als ein erwei­terter Scrum oder Scrumban Master. Aktuell finden sich bei Indeed 765 Stel­len­in­se­rate für einen Agile-Coach. Weit mehr als die Hälfte ist schon in der Anzeige asso­zi­iert mit dem Scrum Master.  Scrum Master-Anzeigen insge­samt: Rund 1.700.

Die Ausle­gung von agile Coaching als Trai­ning bedeutet: Es gibt eine Absicht, welche sich unter­neh­mens­kul­tur­ab­hängig darstellt. In einer oran­genen Perfor­­mance-Kultur soll das agile Team seine (mess­baren) Ziele errei­chen. Es ist die Aufgabe des Agile Coach-Trai­­ners es in eine bestimmte Rich­tung zu “coachen”, die auch auf kurz­fris­tige Ziele ausge­richtet ist. Studien besagen, dass Teams rund zwei bis drei Jahre brau­chen, bis sie wirk­lich perfor­mant sind. Das steht im Wider­spruch zum Trend zur schnellen Perfor­mance und kurzen Team­zu­sam­men­ar­beit. Was sich auch kaum jemand bewusst macht: Firmen wie Spotify können stabile Teams mit langen Zughö­rig­keiten bauen, in großen Unter­nehmen herrscht der Projekt­team­cha­rakter vor.

Karrie­recanvas von Svenja Hofert

In diesem Verständnis ist Moti­va­tion oft “mit Tempo machen” verbunden. Aus diesen Grund sind agile Coach-Trainer oft jung, es finden sich kaum Aktive über 40 Jahren. Ein Head­hunter verriet mir, dass er nur “U40” sucht. Was diese Coach-Trainer meist weniger gut können: Diverse Teams entwi­ckeln, Konflikte lösen und Refle­xi­vität fördern (Voraus­set­zung für High Perfor­mance). Das Job-Charak­­te­ris­­tika in meiner Karrie­recanvas ist “Struktur und Rahmen”.

Der Agile Coach als Feel­good Manager (Orga­­ni­­sa­­tions-Sozi­al­ar­­beiter)

Dieser Typ agile Coach hat seinen Schwer­punkt eigent­lich nirgendwo in unserem Haltungs­qua­drat, am ehesten bei einer Art sozi­al­psy­cho­lo­gi­schen Bera­tung. Dafür fehlt aber dann die Ausbil­dung, Coaching reicht da sicher nicht.

In einer grünen Ganz­hei­t­­lich­keits-Kultur gibt sich dieser agile Coach mit demo­kra­ti­schen Verständnis seiner Aufgabe aus Herzens­wunsch hin, Emotionen spielen eine starke Rolle “wie fühlst du dich?”). Das Job-Charak­­te­ris­­tika in meiner Karrie­recanvas ist “Emotion und Mensch”.

Mensch­lich­keit spielt eine große Rolle. Das führt bisweilen zur Verdrän­gung von allem, was nach Macht aussieht. Manch agile Coach ist blind für das mensch­liche Bedürfnis nach Führung, das in bestimmten Kulturen nicht ausge­spro­chen werden darf.

So entwi­ckeln sich Struk­turen wie ich sie aus manch Sozi­al­un­ter­nehmen kenne: Konflikte werden eher nicht ausge­tragen, Schein­har­monie macht sich breit. Die Aufgabe das agile Coaches verschwimmt mit Tätig­keiten, die in früheren Zeiten im Bereich der internen Kommu­ni­ka­tion lagen. Es ist dann oft unklar, welchem “Herrn” er dient und es herrscht Rollen­kon­fu­sion.

Der Agile-Coach in der So geht´s Vari­ante (Berater/Trainer)

Dieser agile Coach ist die All-Inclu­­sive-Vari­ante und oft für mehr als ein Scrum-Team tätig. Er nennt sich manchmal auch „nur“ Scrum Master, was auf dem Markt derzeit weniger wert zu sein scheint als agile Coach.

Sein oder ihr Fokus liegt auf Regel­schu­lung und Regel­ein­hal­tung. Dieser agile Coach, der also Scrum Master heißt, sieht sich mehr als Wächter der Regeln des 19seitigen Scrum-Guides (inklu­sive Ände­rungs­his­torie), aus denen man leicht eine Wissen­schaft machen kann, um die eigene Exis­tenz zu sichern.

Kunden, die im Laufe der Zeit gemerkt haben, dass Toolset nicht Skillset und erst recht nicht Mindset ist (hier), schil­dern mir diese agile Varia­tion als Bera­tung von der Kanzel. Da ist einer, der weiß Bescheid, und die anderen harren auf sein Urteil.

Ich habe von einigen Scrum Mastern mit diesem Mindset gehört, die Scherben hinter­lassen haben. Sie kamen als Prediger und gingen als Besser­wisser. Dazwi­schen kann die Erkenntnis gelegen haben, dass Menschen nicht nach Regeln funk­tio­nieren und dass Teams nach eigenen Regeln funk­tio­nieren, die durch Regeln eben nicht steu­erbar sind…  Das Job-Charak­­te­ris­­tika in meiner Karrie­recanvas ist “Sach­lich­keit und Fakten”.

Der agile Coach, Geschmacks­rich­tung Team­ent­wickler (Mode­ra­tion und Coaching)

Als ich mein Buch „Agiler Führen“ 2014–2016 schrieb, war für mich klar, dass es im agilem Kontext vor allem um Mode­ra­tion und Team­ent­wick­lung gehen müsste. Dieser Sicht schließt sich fast jeder an, der Erfah­rungen im HR-Bereich und mit Gruppen und Grup­pen­dy­namik hat – aber einem Perso­nen­kreis, der das nicht oder nur ober­fläch­lich hat, ist das mitunter schwer zu vermit­teln. Das Thema Persön­lich­keits­ent­wick­lung, ohne die Selbst­or­ga­ni­sa­tion nicht denkbar ist, spielt fast keine Rolle.

Man denkt derzeit viel zu sehr in Einzel­kon­texten, so als wäre ein Team die Summe seiner Mitglieder oder spielte das Einwirken auf Indi­vi­duen irgend­eine Rolle, die auch die Grup­pen­kon­stel­la­tion betrifft. Aber wie in allen neuen Berei­chen muss man erstmal Erfah­rungen machen wie es nicht geht, um dann darauf zu kommen, wie es funk­tio­nieren kann.

Im Moment ist diese seltene Inter­pre­ta­tion dann zu sehen, wenn jemand sein Team mit psycho­lo­gi­scher Kompe­tenz in seiner Selbst­or­ga­ni­sa­tion voran­bringt (was ohne Refle­xion nicht möglich ist) und dazu führt, sich selbst zu verbes­sern. Er oder sie könnte aus dem HR-Bereich kommen. Bei genauem Hinsehen ist aber auch er oder sie kein Coach, sondern Team­ent­wickler oder Mode­rator.

Denn: Es gibt eine Absicht, die der Leis­tungs­stei­ge­rung. Der Blick liegt auf dem Team, nicht auf dem Indi­vi­duum.

Wenn dieser agile Coach richtig gut ist, dann ist er in der Lage die Rollen zu wech­seln und dabei glaub­würdig zu bleiben: Mal Team­ent­wickler (absichts­voll, aller­dings ohne Eigen­nutz), mal Coach (absichtslos, aller­dings im Sinne des Guten/Menschen). Sogar mit Führung geht das überein — aber es verlangt Rollen­fle­xi­bi­lität.

Gerade klei­nere Unter­nehmen fragen sich aktuell oft, wo sie den „agile Coach“ aufhängen sollen. Ich bin der Meinung, dass Coaching und Team­ent­wick­lung in die Human Resources gehören. Esbraucht mehr als ein Tool und mehr als einen Skill, es braucht Mindset.

„Agile Coaches“, die das Berufs­bild inter­es­siert, sollten zwischen den vier Haltungen Coaching oder Bera­tung, Trai­ning oder Team­ent­wick­lung (Mode­ra­tion) unter­scheiden – auch wenn sie sich für eine Weiter­bil­dung inter­es­sieren. Ihnen sollte klar sein, was sie unter agile Coaching verstehen wollen und mit welcher Haltung sie daran gehen. Sie sollten sich zudem darüber klar werden, ob sie den Blick auf das Team, des Indi­vi­duum oder beides legen — was nie gleich­zeitig gelingen kann.

In diesem Video habe ich das Thema zusam­men­ge­fasst:

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Mehr Infor­ma­tionen

Sarah Bien­derra von Comspace hat kürz­lich ein Weiter­bil­dungs­kom­pen­dium für „agile Coaching“ erstellt, indem sie das Ergebnis einer Twitter-Recherche vorstellt.

Meine Firma Team­works ist auch dabei — wir bieten eine Zusatz­qua­li­fi­ka­tion “agile Coach” und “agiler Kultur­ge­stalter” für Menschen an, die aus HR kommen und sich in diesem Zukunfts­feld verstärken möchten.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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10 Kommen­tare

  1. Jörg C. Kopitzke 17. Juni 2018 at 21:05 — Reply

    In meiner Welt ist das die Kern­aus­sage und der (oft hoff­nungs­lose) Spagat:
    “Wenn dieser agile Coach richtig gut ist, dann ist er in der Lage die Rollen zu wech­seln und dabei glaub­würdig zu bleiben: Mal Team­ent­wickler (absichts­voll, aller­dings ohne Eigen­nutz), mal Coach (absichtslos, aller­dings im Sinne des Guten/Menschen). Sogar mit Führung geht das überein – aber es verlangt Rollen­fle­xi­bi­lität.” Hier steckt der “Weise Narr” (König Lear) drin (Tante Google weiß Rat …). Schelte gibt es (öfter) … egal in welcher Rolle — die der Anfor­dernde gar nicht verstehen — kann. Ein Artikel mit Klasse. Danke.

    • Svenja Hofert 18. Juni 2018 at 8:29 — Reply

      Danke Herr Kopitzke, es freut mich sehr, zumal Sie ja drin sind und ich von außen schaue. Aus dieser Posi­tion ist sowieso vieles leichter und man kann schön “Schlau­meiern”. Ich kann mir dennoch sehr gut vorstellen, dass es ein Spagat ist und auch oft undankbar. beste Grüße Svenja Hofert

  2. BaSche 19. Juni 2018 at 10:55 — Reply

    Hallo,

    ich glaube, ich falle in die Kate­gorie “Agile Coach” nenne mich aber selbst nicht gerne so ;). Die Kate­go­ri­sie­rung von oben finde ich sehr amüsant, weil mir zu jeder Kate­gorie der ein oder andere Kollege einfällt oder ich mich selbst darin sehe. Danke für die Refle­xi­ons­fläche ;).

    Die Unschärfe des Begriffs, wie sie hier beschrieben wird ist (leider) die Realität. Je nachdem wie viele Agile Coaches man fragt bekommt man mindes­tens eine Meinung mehr, was das denn nun tatsäch­lich bedeutet. Der Begriff ist weder geschützt, noch klar defi­niert, was die verwir­rende Benut­zung des Begriffes zumin­dest erklärt. Das alles ist in der “agilen Commu­nity” durchaus bewusst. Es vergeht kein Barcamp, an dem nicht eine Session statt­findet, die versucht den Begriff zumin­dest für die teil­neh­menden zu klären. Es gibt kein Blog in diesem Bereich, der das Thema nicht schon in der ein oder anderen Weise behan­delt hat,

    Die für mich sinn­vollste Einord­nung zu diesem Begriff stammt von Lyssa Adkins und Michael Spayd die die unter­schied­li­chen Kompe­tenzen zusam­men­ge­stellt haben. White­paper hier https://bit.ly/1nSH1Ce und eine Begriffs­de­fi­ni­tion hier https://bit.ly/2M2I9Vu . Darin sind die wesent­li­chen Aspekte zusam­men­ge­fasst, aus denen sich jeder “seine Sicht” heraus­pickt. Ein Mensch allein wird wahr­schein­lich nie all die Bereich abde­cken können, aber eine Gruppe von Agile Coaches, die bewusst auf Abde­ckung der gesamten Band­breite “gecastet” wurden und sich selbst der Kola­bo­ra­tion veschrieben haben, bietet für fast jede Situa­tion in einem Unter­nehmen Werk­zeuge und Wege zu Mehr­werten zu kommen.

    Am Ende ist ein Agile Coach kein Coach im Sinne des (eben­falls unge­schützten) Begriffes “Coach”, sondern der Versuch Führungs­auf­gaben in Unter­nehmen von Hier­ar­chien zu trennen. Jeder freut sich, wenn sein “Chef” auch Mentor ist oder Coach oder Trainer oder fach­li­cher Super­aus­kenner ist… Das entspricht aber genau­so­wenig der Realität.

    Ist ein Agile Coach ein “voll­wer­tiger Coach”? Nein! Ist er ein voll­stän­diger Trainer? Nein! Ist er ein begna­deter Produkt­ent­wickler oder Super­ent­wickler? Sicher nicht! Aber die Kombi­na­tion aus mehreren dieser Aspekte macht die Rolle für ein Unter­nehmen unheim­lich wert­voll.

    Viele Grüße,
    BaSche

  3. Sebas­tian G 19. Juni 2018 at 14:32 — Reply

    Ich fand den Artikel hilf­reich, um sich seiner mögli­chen Rollen/Positionen inner­halb einer Jobrolle noch­mals bewusst zu werden. Als FK verfolge ich natür­lich Ziele und kann in diesem Sinne nicht absichtslos coachen oder mode­rieren. Sich darüber klar zu werden hilft zu verstehen.

    Ob ich es schaffe mich von den Absichten zu lösen und Mitar­beiter zu coachen? Glaube ich nicht. Aber wenn ich Ihnen jetzt Rat gebe, kann ich zumin­dest mitgeben, wie dieser einzu­ordnen ist, auch um falsche Hoff­nungen zu vermeiden.

    Grüße,
    Sebas­tian

  4. Anton 28. Juni 2018 at 14:49 — Reply

    danke für den Artikel. Das Haltungs­qua­drat finde ich wert­voll und groß­artig, dass es das jetzt auf Deutsch gibt. Es stimmt aus meiner Sicht prin­zi­piell mit dem Kompe­tenz­mo­dell von Agile Coaching Insti­tute (von BaSche verlinkt) überein.

    Ich glaube die nicht-triviale Einord­nung der Rolle in das tradi­tio­nelle Unter­neh­mens­or­ga­ni­sa­tion (HR, Midd­le­ma­nage­ment, etc.) ist eher ein Zeichen dafür, dass diese Struktur wenig Sinn macht für ein agiles (flexi­bles) Unter­nehmen. Ich würde es defi­nitiv nicht in den Bereich HR einsor­tieren. In den erfolg­rei­chen Fällen ist/sind die Agile Coaches eines Unter­neh­mens direkt unter der Geschäfts­füh­rung ange­sie­delt.

  5. MaggyMae 11. September 2018 at 22:32 — Reply

    Inter­es­santer Artikel, der eine der schwie­rigen Kern­punkt von Coaching behan­delt: Was muss ein guter Coach können bzw. in seiner Ausbil­dung gelernt haben? Darauf folgt auch: Was muss er oder sie später bei seinem Trai­ning leisten und wie? Beides schwere Fragen, die nicht leicht zu beant­worten sind. Jeder Coach hat seine eigene Heran­ge­hens­weise an Problem­stel­lungen — und das ist auch gut so! Schliess­lich ist jeder Mensch anders und braucht unter­schied­liche Arten von Hilfe durch einen Work­shop oder ein Trai­ning. Schwie­riges Thema, über das sich wahr­schein­lich ewig disku­tieren lässt…

  6. Ferdi­nand Escher 29. März 2019 at 14:36 — Reply

    Hallo,

    ein wirk­lich sehr inter­es­santer Beitrag. Wenn ich mir mal die gesamte Entwick­lung anschaue, dann geht der Bereich Manage­ment immer stärker in den Bereich agile. Ich wusste aller­dings nicht, dass ein agile Coach auch eigent­lich ein Scrum Master ist. Die beiden Posi­tionen habe ich doch immer getrennt vonein­ander betrachtet. Nichts­des­to­trotz haben wir in unserem Unter­nehmen auch unter­schied­liche Coaches herum­laufen. Nachdem wir aller­dings wussten, nach welchen Krite­rien (siehe
    ) wir jemanden suchen mussten. ALso ich finde schon, dass man die Wirkung des Coaches spürt und seine Flexi­bi­lität sich auch auf die Mitar­beiter auswirkt.
    Beste Grüße
    Ferdi­nand

  7. Ulrich Rücker 6. Juni 2019 at 13:20 — Reply

    Kann nur zustimmen: Tolle Aufar­bei­tung. Ich finde wichtig, dass wir uns all dieser Aspekte bewusst sind. Was man dann draus macht, ist ein zweiter Schritt.

  8. Sabrina Pollehn 1. Februar 2020 at 12:21 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    Sie spre­chen von Studien, die sagen, dass der Erfolg der Agili­sie­rung mit gutem agilen Coaching zusam­men­hängt. Von welchen Studien spre­chen Sie konkret und sind diese öffent­lich zugäng­lich?
    Danke und herz­liche Grüße

  9. Sascha A. Carlin 10. Mai 2020 at 0:25 — Reply

    Meiner Erfah­rung nach lässt sich die Aufgabe eines Agile Coachs so zusam­men­fassen: »Wie sorgen wir dafür, morgen nicht wieder die glei­chen Fragen beant­worten zu müssen?«

    Auf welchem Wege, und daher auch welchen Hinter­grund ein für die Situa­tion des Kunden passender AG haben sollte, dieses Ziel erreicht werden soll/kann/muss, ist situativ unter­schied­lich.

    Darüber­hinaus finde ich es span­nend, das Agile Coaches zwar Coaches genannt werden, in den seltensten Fällen jedoch nach einem Codex arbeiten – was jedoch bei der teils persön­li­chen, intimen Kommu­ni­ka­tion zwischen AG und Mentees drin­gend ange­raten wäre.

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