Kate­go­rien

Was “mit Zukunft” studieren? 4 etwas andere Vorschläge von Nano bis Neuro

Published On: 10. Dezember 2013Cate­go­ries: Führung

Letzte Woche hatte ich in der Bera­tung meinen ersten Nano­wis­sen­schaftler (Grüße ;-)) Grund genug, sich in diese neue Thematik einzu­ar­beiten — und einmal über Fächer nach­zu­denken, die derzeit noch alles andere als gewöhn­lich sind. Aber eine gute Inves­ti­tion in die Zukunft sein könnten.

1. Neuro­wis­sen­schaften

Hätte ich heute die Wahl für ein Erst­stu­dium zu treffen, sie würde ganz klar auf Neuro Science fallen: Kein anderes wissen­schaft­li­ches Feld finde ich dermaßen faszi­nie­rend und span­nend! Manche sagen, viel­leicht nicht zu Unrecht, dass Neuro­wis­sen­schaften der Psycho­logie ihren Rang als Wissen­schaft über den Menschen streitig machen könnte. Denn es wird immer deut­li­cher, dass unser Gehirn unser Wahr­nehmen und Denken steuert und Sitz des „Ich“ ist.

Heute Neuro­wis­sen­schaften zu studieren ist etwa so wie zu entde­cken, dass die Welt rund ist. Ganz viel ist im Umbruch, eine neue wissen­schaft­liche Erkenntnis jagt die andere. Der Einsatz­be­reich von Neuro Sciences ist breit: im Marke­ting findet sie genauso ihre Anwen­dung wie im Perso­nal­be­reich – ein Beispiel ist der von mir schon mehr­fach erwähnte Test NeuroIPS – oder in der Infor­matik. Nur rechnen Sie nicht damit, nach einem solchen Studium eine Stelle als „Neuro­wis­sen­schaftler“ zu bekommen. Das ist — wie bei allen Natur­wis­sen­schaften außer Inge­nieur­wesen — kein Beruf, sondern Wissen, das Sie hier erwerben. Und so wundert es nicht, dass die Wege mit diesem Studium alles andere als vorge­zeichnet sind: Einer der bekann­testen Regis­seure, der Öster­rei­cher Hans Wein­gartner (“die fetten Jahre sind vorbei”) hat vor „Uhrzeiten“ Neuro­wis­sen­schaften studiert hat (zu früh). Auch der ameri­ka­ni­sche Autor Jonah Lehrer ist Neuro­wis­sen­schaftler — schlaue Wahl, auch für Jour­na­listen, die uns derzeit mangels Tiefen­ver­ständnis noch sehr viel falsch erklären, z.B. den Unsinn mit der rechten Gefühl- und der linken Denk­hälfte.

Mein Jobtest hat bei der Recherche nach Neuro­wis­sen­schaftler ergeben:

8 Stel­len­an­ge­bote bei Kimeta.de, die meisten richten sich an Wissen­schaftler. Lerne: Studiere so etwas nie, um XY zu werden, sondern um ABC zu lernen – und zum Beispiel den BWLern in Marke­ting eine Nase voraus zu sein. Denn du weißt dann, welche Bereiche im Gehirn akti­viert werden, wenn jemand den neuen Mars­riegel anschaut. Um ein kleines Beispiel zu nennen.

2. Nano­physik oder Nano­wis­sen­schaften

Die nächste Revo­lu­tion steht an. Der Mix aus Chemie und Physik wird unter anderem die Medi­zin­technik erheb­lich beein­flussen, aber auch die erneu­er­baren Ener­gien. Es könnte sein, dass den Nano­tech­no­lo­gien bald ein ähnli­cher Stel­len­wert zukommt wie der Infor­matik, als sie in den 1980er Jahren in viele Bereiche einzog, damals auch in die Medizin. Wer in den 1990ern ein Medi­zin­in­for­ma­tik­stu­dium aufnahm, dürfte immer noch ausge­sorgt haben.

Man hört, dass Nano­physik auf Grund der prak­ti­schen Anwend­bar­keit auch fass­barer sein soll, als die theo­re­ti­sche Physik, an der sehr viele schei­tern, vor allem Frauen. Die “Lear­na­bi­lity” ist höher.

Ein weiterer Aspekt ist nicht zu unter­schätzen: Während Neuro­wis­sen­schaften durch hohe Zulas­sungs­be­schrän­kungen nicht für alle Abitu­ri­enten erreichbar sind, ist Physik über­wie­gend zulas­sungs­frei. Die Chance für Jungs und Mädchen, die während des Abiturs andere Inter­essen verfolgten, aber dennoch „helle“ sind! Ich erin­nere an eines meiner Lieb­lings­themen, die Nicht-Aussa­­ge­­kraft von Noten: Die Abitur­note korre­liert 0.30 (30 Prozent) mit dem IQ, die mitt­lere Grund­schul­note .50 (heißt: ist aussa­ge­kräf­tiger, aber wer legt seine Grund­schul­zeug­nisse bei?).

Mein Jobtest hat bei der Recherche nach Neuro­wis­sen­schaftler ergeben:

Kein einziger für diese Absol­ven­ten­gruppe ausge­schrie­bener Job. Heißt aber nichts. Erstens: kann sich hinter. Zwei­tens: Ist subsum­miert unter Physiker.

3. Mate­ri­al­wis­sen­schaften / Werk­stoff­technik

Dieser Mix aus Natur- und Inge­nieur­wis­sen­schaften ist „nanonah“ und bietet sich vor allem für Prak­tiker an, die später nicht wissen­schaft­lich arbeiten möchten, aber in der Anwen­dung der Produk­tion. Wie finde ich heraus, ob ich ein Prak­tiker bin? Zum Beispiel in einer Bera­tung, bei uns dem PersAss­ment “klein” und mit dem Test RIASEC. Bei Neuro­wis­sen­schaften sollte eher “I” für Inves­ti­ga­tive raus­kommen.

Mate­ri­al­wis­sen­schaften ist ein inter­dis­zi­pli­närer Studi­en­gang, der Wissen zusam­men­führt. Dadurch entstehen neue Einsatz­be­reiche in Feldern, die für promo­vierte Natur­wis­sen­schaftler zu simpel sind und für Inge­nieure zu unspe­zi­fisch.

Wo? Im Bachelor an vielen Unis, etwa in Kiel.

Mein Jobtest hat bei der Recherche nach Mate­ri­al­wis­sen­schaften ergeben:

350 Stel­len­an­ge­bote bei Kimeta.de, die meisten richten sich an Mate­ri­al­wis­sen­schaftler oder Verfah­rens­tech­nik­in­ge­nieure.

4. Philo­so­phie und Wirt­schaft

Mixfä­cher haben manchmal den Nach­teil, gerade im Bachelor, dass man nichts halbes und nichts Ganzes lernt. Aber sie haben auch viele Vorteile. Und: Den Mix kann man sich bei den so genannten 2‑Fach-Bache­­lors auch selbst machen. Gerade einen Cock­tail mit Wirt­schaft finde ich inter­es­sant. Und beson­ders schlag­kräftig ist hier die Beigabe von etwas Analy­ti­schem, das die Denk­fä­hig­keit schult und ausbildet (und ja, das passiert, siehe Neuro­wis­sen­schaften!) Was fehlt Betriebs­wirten, die irgend­wann einmal weit­rei­chende Entschei­dungen treffen müssen am meisten? Oft ist es doch das analy­ti­sche Verständnis, eine logi­sche Entschei­dungs­fin­dung mit gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Perspek­tive. In einem solchen Mix-Studi­en­­gang lernt man einer­seits die Wirt­schaft  zu begreifen, andrer­seits logisch und in den großen Zusam­men­hähnen zu denken. Eine opti­male Kombi­na­tion.

Mein Jobtest hat bei der Recherche nach Philo­so­phie und Wirt­schaft ergeben:

Die Kombi­na­tion sucht natür­lich niemand explizit, könnte aber für Berufs­ein­steiger, die Prak­tika schlau wählen (heißt: gezielt), der inter­es­sante Dreh um Lebens­lauf sein, der reinen Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lern fehlt.

Hierzu passt mein Buch “Am besten wirst du Arzt”, jetzt auch als E‑Books sowie der Kexpa-Selb­st­­lern­­kurs “Dein Studien- oder Ausbil­dungs­ziel finden”.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Maxi­mi­lian Auer 10. Dezember 2013 at 17:51 — Reply

    Bei der Auswahl des Studiums ist es mit Sicher­heit von Vorteil, sich in vorhinein damit zu beschäf­tigen, welche Berufe zukünftig in der Wirt­schaft rele­vant sein werden. Dass man hier viel­leicht einen etwas unkon­ven­tio­nellen Weg einschlagen muss, aber die späteren Jobaus­sichten werden den Mut und die Initia­tive des jewei­ligen Studenten belohnen. Gerade in Bereich Neuro­wis­sen­schaften werden sich zukünftig viele Wege öffnen, da vor allem Online Marke­ting einen ständig wach­senden Stel­len­wert in der Wirt­schaft einnimmt.

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