Kate­go­rien

Was können Sie verdienen? Gehalts­klas­sen­be­stim­mung in Zeiten größer werdender Scheren

Published On: 9. Oktober 2012Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Gehälter schwanken schon aufgrund äußerer Faktoren wie Branche und Region. So bezahlen im mittel­stän­disch geprägten Osten Deutsch­lands Unter­nehmen erheb­lich weniger als im Westen, Zahlen spre­chen von einem Gefälle von 10 Prozent weniger als der Durch­schnitt. Das Gehalts­ge­fälle nach unten kann bran­chen­spe­zi­fisch unserer Erfah­rung im Osten nach noch viel größer sein. Prognosen helfen mitunter wenig, das für sich einzu­schätzen. Gehälter im Westen und Norden liegen bei etwa bei 100 Prozent, wohin­gegen sie Rich­tung Süden zulegen – um rund 10 Prozent, teils sogar mehr. Der Standort – auf dem Land oder in der Stadt, leicht erreichbar oder entfernt — sagt eben­falls etwas über die Gehalts­klasse, in dem ein Unter­nehmen spielt: Lange war es so, dass in Groß­städten mehr bezahlt wurde als auf dem Land. Mit dem demo­gra­fi­schen Wandel und der damit verbun­denen Perso­nal­knapp­heit verschiebt sich das derzeit etwas: Firmen an weniger attrak­tiven Orten sind gezwungen, gerade ihren Spezia­listen und Experten mehr zu bezahlen, teils mehr als in Städten. Für einen handels­üb­li­chen Assis­tenzjob gilt das natür­lich nicht.

Bestimmte Bran­chen, etwa Banken und Finanzen sowie Pharma, gehören tradi­tio­nell zu den Gutzah­lern, andere zahlen tradi­tio­nell schlecht, etwa der Einzel- und Groß­handel oder Kultur und Tourismus. In Agen­turen lernt man viel, aber die Gehälter fallen dort in aller Regel schmaler aus als in Konzernen, in der Werbung mehr noch als in der PR. Die Linie verläuft meist da, wo es viel Andrang (schmale Gehälter) im Vergleich zu wenig Andrang (hohe Gehälter) gibt.

Auch eine Markt­füh­rer­schaft muss sich nicht immer positiv auf das Gehalt auswirken. Bran­chen­pri­musse bezahlen manchmal sogar weniger als andere und verweisen dabei auf ihren guten Namen oder/und Sozi­al­leis­tungen, siehe etwa Luft­hansa.

Es zeigt sich im tech­no­lo­gi­schen Umfeld ein weiterer Trend: Sogar inner­halb von Segmenten, also Teil­bran­chen, kann es erheb­liche Unter­schiede geben. Die Schere öffnet sich etwa auch in der Digi­tal­wirt­schaft derzeit sehr stark. Da gibt es Unter­nehmen, etwa im E‑Com­­merce-Handel, die ordent­lich bezahlen, während andere ordent­lich knau­sern.

Auch die Hier­ar­chie­ebene bestimmt das Gehalt entschei­dend mit: Je höher desto mehr gibt es für gewöhn­lich, vor allem in einer größeren Firma. Jedoch kann ein Projekt­ma­nager, der keine festen Teams führt, mitunter mehr Geld verdienen, als ein Team­leiter oder ein Mittel­ma­nager. Ebenso gibt es Senior Experten, die in Sachen Gehalt den Führungs­kräften weit voraus sind.

Hier­ar­chien sind indes relativ zur Größe einer Firma: In klei­neren Unter­nehmen kommt es gar nicht so selten vor, dass sogar der Geschäfts­führer nur 60.000 EUR verdient. Bewirbt er sich in einer größeren Firma, muss er bei einem oft viel größeren Gehalt in Sachen Funk­tion und Verant­wor­tungs­be­reich klei­nere Bröt­chen backen.

Copy­right: KEXPA.de Svenja Hofert

Auch die Art der Tätig­keit sagt etwas aus über ihren Wert. Je stra­te­gi­scher, verant­wor­tungs­voller und konzep­tio­neller, desto höhere Gehälter. Ein Perso­nal­mit­ar­beiter, der vor allem Gehälter verwaltet, bekommt weniger als ein Perso­nal­re­fe­rent, der Konzepte zur inter­na­tio­nalen Perso­nal­ent­wick­lung erarbeitet.Offensichtlich sind die Unter­schiede bei Assis­tenten. Gleiche Bezeich­nung, komplett unter­schied­liche Aufgaben: Wer Termine verein­bart und Daten pflegt, wird norma­ler­weise viel weniger verdienen als jemand, der eigen­ver­ant­wort­lich Projekte steuert und orga­ni­siert. Die eine Tätig­keit, auch Assis­tenz genannt, liegt derzeit bei 25.000–35.000 EUR, die andere bei 35.000–70.000 Jahres­brut­to­ge­halt.

Was sind Ihre Erfah­rungen mit Gehäl­tern in Zeiten einer stärker werdenden Gehalts-Diver­­­sity? Wo entwi­ckeln sie sich im Zeichen der Zukunft der Arbeit — auch anders als früher?

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

Leave A Comment