Kate­go­rien

Weg mit den Jobcen­tern, her mit einem Grund­ein­kommen

Published On: 16. Februar 2010Cate­go­ries: Führung

Also erst einmal: Natür­lich leben Hartz-IV-Empfänger nicht in Saus und Braus und gar “spät­rö­mi­scher Deka­denz”. Guido, dein Beitrag mag genau gelesen, nicht so schlimm sein, wie die Presse schreibt — aber der Vergleich hinkt auch, wenn man den WELT-Kommentar im Zusam­men­hang liest.

Was aller­dings stimmt und was die derzei­tige Debatte an den Tag trägt, ist — ein sehr oft auch mich erschre­ckendes Ungleich­ge­wicht zwischen Arbei­tenden und Nicht-Arbei­­tenden. Es ist wirk­lich verfüh­re­risch, nichts zu tun, wenn man sieht, wie wenig es sich lohnt. Heute erzählte mir eine Mitar­bei­terin von einer Freundin, die ihr Einkommen gerade von 700 auf 900 Euro erhöhen konnte — unter dem Strich bleibe kein Euro davon über. Da kommt schnell die Frage auf: Lohnt sich das? Nein. Und verständ­lich das Murren derje­niger, die im unteren Lohn­be­reich — der in Deutsch­land immer größer wird — arbeiten.

Es gibt, aus meiner Sicht, eine einfache Lösung für dieses schwie­rige Problem: Ein Grund­ein­kommen für jeden, sagen wir von 500 EUR pro Monat als Fixum — der Rest wird je nach Haus­halts­lage von Jahr zu Jahr ausge­schüttet. So profi­tiert jeder von der staat­li­chen Arbeit, so könnte sogar das Inter­esse für Gesell­schaft und Politik sogar bei Couch-Pota­­toes wieder geweckt werden. Wer genug Geld hat, kann sein Grund­ein­kommen in einen Fonds geben, der an Menschen, die zu wenig haben, verteilt wird. Viel­leicht nach Bedürf­tig­keit, aber in Einzel­ent­schei­dung. Die Jobcenter könnten abge­schafft und damit über­flüs­sige Büro­kratie elimi­niert werden. “Nicht ein einziges Joban­gebot” habe die ARGE ihrer Bekannten gemacht, sagt meine Mitar­bei­terin. Die Bekannte ist Wirt­schafts­in­ge­nieurin, mit dem kleinen Makel, dass sie aufgrund kleiner Kinder nur Teil­zeit arbeiten kann.

Klar, einige Reiche würden ihr Geld einsa­cken und einige Arme würde weiterhin versu­chen, Systeme auszu­nutzen. Aber das ist eine Minder­heit. Außerdem wäre, wie ich schon im Karrie­re­ma­cher­buch schrieb, ein Preka­ri­ats­be­rater für die Bundes­re­gie­rung nicht schlecht. Damit Frau von der Leyen nicht erst in Fern­seh­sen­dungen davon hört, was sich im Alltags­ar­beits­leben wirk­lich abspielt.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. bgeny­mous 16. Februar 2010 at 23:25 — Reply

    Hallo Frau Hofert, es freut mich sehr, dass Sie sich für das Grund­ein­kommen inter­es­sieren. Ich muss jedoch gestehen, dass sich Ihre Beschrei­bung eher nach einem unfreiem Bürger­geld der FDP anhört, als nach einem bedin­gungs­losen Grund­ein­kommen.
    Wenn Sie bedenken, dass Reiche mit dem Steu­er­frei­be­trag schon heute ein Grund­ein­kommen bekommen, werden Sie auch einsehen, dass, obwohl ja auch Reiche das Grund­ein­kommen bekämen, sie ja im Endef­fekt es doch nicht behalten würden, weil sie ja bei einer Konsum­steuer mehr Geld ausgeben würden. (Modell Götz Werner mit Konsum­steuer)
    Das bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen ist viel tief­grei­fender und auch mehr als einfach nur Geld auf die Kralle!
    Sich damit zu beschäf­tigen lohn allemal, weil wir es bald haben werden.
    Liebe Grüße Thomas

  2. […] und Antwort. Ich habe das Thema 2006 in einem Buch („Jeder gegen jeden“) und schon mehr­mals im Blog aufge­griffen und seitdem immer mal wieder Argu­mente hin- und […]

  3. Franz Otto 26. September 2012 at 19:00 — Reply

    Weg mit den Jobcen­tern, kosten nur Millionen!!!!
    Die Bevöl­ke­rung wird verarscht, alles vor allem die Arbeits­lo­sen­zahlen werden geschönt. Bürger werden schi­ka­niert, kein Wunder dass einer mal ausrastet. Aus Arbeits­agentur wird Jobcenter, kostete Millionen die Umstel­lung, aber ändern tut sich nichts, weg damit. Haben eh keine Arbeits­an­ge­bote, man wird auf Leih­ar­bei­ter­firmen verwiesen, die nur Hunger­löhne zahlen. Gewollt von ganz oben!!!
    Holt doch noch mehr Ausländer rein, die arbeiten für noch weniger.

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