Kate­go­rien

Wenn der Traumjob ein Phantom ist I

Published On: 7. Februar 2010Cate­go­ries: Karriere

Viele jagen Ihren Traumjob hinterher. Sehr oft handelt es sich dabei um ein Phantom, dem mit zahl­rei­chen Berufs­fin­dungs­bü­chern auf den Grund gegangen wird. Denn: Was der Traumjob ist oder wie er heißt, wissen diese Menschen nicht. Ich gehe weiter und behaupte: Es gibt ihn meist gar nicht. Die aller­meisten Menschen können in vielen und sogar unter­schied­li­chen Jobs glück­lich werden, manche nur zeit­weise, weil ihr zentraler Antrieb die Verän­de­rung ist. Viele gestehen sich das aber nicht ein und denken, sie müssten doch…sesshaft werden, einen roten Faden im Lebens­lauf haben oder beruf­lich weiter­kommen. Müssen sie nicht. Wer den Lebens­lauf für Unter­nehmen oder seine Bekannten strickt, bleibt selbst auf der Strecke.

Entschei­dender als DER eine Traumjob ist sehr, sehr oft das Umfeld. Damit meine ich Chefs, Menschen um einen herum, Arbeits­be­din­gungen oder auch die Kunden. Es kann sein, dass ein Mensch im selben Job mal zufrieden und mal unzu­frieden ist — und der wahre Grund für Unzu­frie­den­heit liegt zum Beispiel im Chef, der die Arbeit nicht schätzt oder auf einer ganz anderen Wellen­länge denkt. Gerade für Menschen mit hoher Aner­ken­nung im Reiss-Profil ist eine feed­back­ori­en­tierte Kultur wohl­fühl­wichtig. Das Problem ist, dass Karrie­re­ma­cher im alten Sinn (also jene, die nur Leitern hoch­klet­tern wollen) oft selbst nicht feed­back­ori­en­tiert sind. Und wer selber kein Feed­back braucht, gibt auch keines. Oder nur nach dem Führungs­kräf­te­se­minar für Fort­ge­schrit­tene, dessen Kern-Erkenn­t­­nisse auch schnell ad acta gelegt werden.

Auch die Umge­bung kann Unzu­frie­den­heit auslösen: Wenn Freunde mit Begeis­te­rung zur Arbeit gehen, man selbst aber eben nur seinen Job macht, führt dies zu einem Gefühl zwischen stiller Bewun­de­rung und Neid. Es gibt aber Menschen, die so eine starke Job-Moti­­va­­tion wie die neid­voll beob­ach­teten Freunde nie entwi­ckeln, weil ihnen Dinge wie das Privat­leben, Sport oder die Kinder wich­tiger sind. Daran ändert dann auch ein Jobwechsel nichts. Die Suche nach dem Traumjob ist auch bei ihnen oft die Suche nach einem Phantom.

Glück­liche Berufs­su­cher sind oft neugie­rige und wissens­ori­en­tierte Menschen. Idea­ler­weise haben sie nur ein bren­nendes Wissens­in­ter­esse.  Ein bunter Strauß an Inter­essen macht es wieder schwierig für sie. Ein Beruf, in dem sie mit Wissen arbeiten, ist für sie top. Unzu­frie­den­heit löst dann eher aus, dass das Wissen nicht aner­kannt wird, oder Wissen auf diesem Niveau gar nicht gebraucht wird. Weil echte Wissens­ar­beiter oft wissen, wo sie hinsteuern, werde ich wahr­schein­lich nie einen Walfor­scher in meiner Bera­tung sehen — schade. Ähnli­ches gilt für echte Idea­listen. Sie werden sich für die Verbes­se­rung der Welt einsetzen und alles andere hinten anstellen. Ab und zu kommt so jemand in meine Bera­tung, dann  liegt das Problem (Sie ahnen es) meis­tens im Umfeld begründet. Es gibt nämlich auch in der Politik und in den NGOs sehr viele Menschen, die nicht wirk­lich Idea­listen, sondern viel­mehr Macht­men­schen sind. Das kommt nicht gut an bei echten Idea­listen. Das Traumjob-ist-ein-Phantom-Prinzip kennen die Idea­listen aber dennoch nicht. Sie haben einen Traumjob und wenn nicht, wissen sie, wonach sie streben. Macht­men­schen übri­gens auch. Der Traumjob ist der, der maxi­malen Einfluss ermög­licht.

Dieje­nigen für die die Umge­bung nicht nur Beigabe, sondern zentral ist, sind meist weder Wissen‑, noch Macht‑, noch Idea­­listen-Menschen. Wie sie Ihren Traumjob finden, darüber denke ich morgen nach 🙂

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Enrico Brie­gert 9. Februar 2010 at 5:45 — Reply

    Charles Handy verwendet das Bild des Port­fo­lio­ar­bei­ters. Dazu gehört häufig, dass ein großer Teil des Lebens mit Tätig­keiten verbracht werden, die in erster Linie der Finan­zie­rung des Gesamt­port­fo­lios verschie­dener Akti­vi­täten dienen. Mindes­tens eine der vielen Akti­vi­täten muss schließ­lich Geld erwirt­schaften. Darüber hinaus gibt es andere Akti­vi­täten (z.B. Ehrenamt) die der Selbst­ver­wirk­li­chung und inneren Zufrie­den­heit dienen. Nur zu selten gelingt die Verknüp­fung von Cash-in und Hinter­las­sen­schaft.
    Charles Handy empfiehlt schließ­lich, dass man sich mit zuneh­menden Alter aus festen Arbeits­ver­trägen zurück­ziehen sollte um einen Teil der Einkünfte frei­be­ruf­lich zu erwirt­schaften. (Quelle: Charles Handy „Ich und andere Neben­säch­lich­keiten“)

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