„Meine Mitar­beiter wüssten nicht, was sie tun sollen. Die Kunden hätten keine Alter­na­tive und würden sich jemand anderen suchen. Alles würde zusam­men­bre­chen.“

Bei den meisten Ange­stellten und noch viel mehr bei Selbst­stän­digen bleibt das Nach­denken über Krank­heit ein Was-wäre-wenn-Szenario. Es ist selten, dass — wie bei einem Kunden — sechs Monate nach der Grün­dung, Krebs diagnos­ti­ziert wurde. Auch Herz­in­farkte sind nicht nur hoch­be­las­teten Poli­ti­kern wie Jürgen Trittin vorbe­halten, sondern erwi­schen auch Selbst­stän­dige. Psychi­sche Krank­heiten halten sich eben­so­wenig an einen Status “ange­stellt” oder “selbst­ständig”. Ein unan­ge­nehmes Thema, an das man meist erst denkt, wenn „es“ jemanden aus dem Umfeld trifft. Kann man sich schützen?

Den wich­tigsten Schutz können Sie nicht kaufen. Es gilt, Wege zu finden, die Sie ersetzbar machen. Die Geschäfts- oder Wachs­tums­idee sollte so gestaltet sein, dass es stabile Einnah­me­quellen gibt, die nicht von der unmit­tel­baren Eigen­leis­tung abhängen. Eine weitere Maßnahme liegt darin, Tätig­keiten so zu gestalten, dass sie zur Not auch mit einem Hinke­bein ausgeübt werden können. Nun will ich Sie nicht zum Bücher­schreiben über­reden. Es gibt auch andere Tätig­keiten, die nur den Kopf kosten: Reden diktieren, Stra­te­gien ausdenken, Konzepte erstellen…

Wer solche anderen Einnah­me­quellen hat, ist schon mal ein gutes Stück unab­hän­giger von seiner Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung. Denn diese zahlt ohnehin erst dann, wenn ein Selbst­stän­diger keine der in seinem Betrieb anfal­lenden Tätig­keiten mehr ausfüllen kann. Kurzum: Mit gebro­chenem Bein kann ich schreiben, beraten, Reden halten, Buch­hal­tung machen — selbst eine schwe­rere Krank­heit hindert mich maximal an einem Teil der Aufgaben. Die Bereit­schaft das, was man aufge­baut hat, zumin­dest zeit­weise aufzu­geben, ist eine noch ganz andere Sache – mitunter noch schwie­ri­gere. Ich habe wenige Führungs­kräfte und noch weniger Unter­nehmer gesehen, die auf den Rat des Arztes gehört hätten, sich doch mal eine längere Auszeit zu gönnen.

Gibt es weiteren Schutz? Die Recherche brachte mich auf eine Dread Desease-Versi­che­rung, die bei schweren Krank­heiten wie Krebs, Herz­in­farkt, Multiple Skle­rose etc. mit einer Einmal­summe bei Diagno­se­stel­lung einspringt. Diese Versi­che­rung ergänzt somit die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung, die bei Wissens- und Büro­ar­bei­tern kaum je zum Tragen kommt, da die wenigsten Krank­heiten das Denken verhin­dern. Und in der Arbeits­welt der Zukunft ist das nun mal das Kapital schlechthin.

Aller­dings liegt die monat­liche Belas­tung bei relativ schnell aufge­brauchten 250.000 Euro bei rund 100 Euro – und einge­schlossen sind auch nur die ausge­wählten Krank­heiten. Trifft einen zufällig eine nicht minder schwerer, aber seltene Krank­heit, schaut man in die Röhre. Da ist dann wieder eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung gut, für die ganze Range der psychi­schen Krank­heiten auch. Summa summarum liegt man so schnell bei einer monat­li­chen Belas­tung von gut 250 Euro. Dann doch besser selbst vorsorgen?

Denken Sie mal drüber nach wie das gehen könnte:

  • Mitar­beiter so fit machen, dass sie Ihren Job erle­digen können.
  • Koope­ra­tionen für den Krank­heits­fall schließen
  • Unter­neh­me­risch denken statt nur selbst­ständig handeln, d.h. etwas aufbauen, dass auch ohne Ihre Arbeits­kraft Geld bringt. Siehe Beitrag Dünger für Einzel­kämpfer

Und nicht zuletzt: Gesund leben. Weg mit den 80-Stunden-Wochen, her mit der Erho­lung. Macht nebenbei den Kopf frei für neue Ideen.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Mark T. Jones 10. Dezember 2010 at 18:15 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    mit Inter­esse habe ich Ihren Artikel gelesen und kann Ihnen in vielen Dingen zustimmen. Aus meinen Erfah­rungen bisher, kann ich nur sagen, dass es natür­lich Möglich­keiten gibt seinen Körper und Geist im Trai­ning zu halten und so einer Berufs­un­fä­hig­keit entgegen zu wirken. Nur leider ist es ja so, dass viele einen Antrag auf eine Berufs­un­fä­hig­keits­rente stellen müssen, weil ihnen nicht während der Arbeits­zeit etwas passiert ist, sondern in der Frei­zeit oder zu Hause. Es liegt auch nicht immer nur an mir selbst, ob ich berufs­un­fähig werde oder nicht. Oft zwingt mich ein Ereignis von außen dazu und dann finde ich persön­lich, sollte jeder schon für sich gesorgt haben. Daher glaube ich, dass es sinn­voll ist beides zu tun. Zum einen seine Seele und Körper zu schonen, auf der anderen Seite aber auch gerüstet zu sein, falls etwas passieren sollte — was wir alle nicht hoffen. Eine schöne Advents­zeit und ein geseg­netes Weih­nachts­fest wünscht Ihnen

    Mark T. Jones

  2. Mark T. Jones 10. Dezember 2010 at 18:16 — Reply

    Sorry, zu schnell geschrieben und nicht aufge­passt. Im ersten Satz muss es natür­lich heißen: Habe ich Ihren Artikel mit großem Inter­esse gelesen.

    VG
    MTJ

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