Kate­go­rien

Wie gelingt der Sprung aus der Technik?

Published On: 23. Juli 2007Cate­go­ries: Führung

Vom Entwickler zum Projekt­ma­nager

Wer mehr kann als nur Program­mieren, z.B. Projekte leiten, ist gefragter als je zuvor. Die Frage „wie schaffe ich den Weg raus aus der Technik?“ begegnet mir in der Bera­tungs­praxis deshalb immer häufiger.

Fast alle IT-Frei­­be­­rufler haben in den letzten Jahren Höhen und Tiefen am Projekt­markt erlebt. Sie wissen, dass die Auftrags­lage nicht immer so stabil bleiben wird wie im Moment und dass der kluge Free­lancer schon in guten Zeiten für die schlechten vorsorgt. Heute schon an morgen denken, lautet die sinn­volle Devise für jeden im Projekt­ge­schäft. Oder anders ausge­drückt: Wie schütze ich mich schon jetzt vor dem´Projekt-Knick von morgen?
Denken Sie bei jedem Projekt darüber nach, welche Auswir­kungen es auf Ihr Profil hat. Fragen Sie sich: Vertieft es Wissen? Knüpft es an Kompe­tenzen aus vergan­genen Projekten an? Erwei­tert es ihr Skill-Set, also die ganz indi­vi­du­elle Kombi­na­tion aus fach­li­chen
und persön­li­chen Kompe­tenzen? Und vor allem: Macht es Sie (noch) inter­es­santer
für den Projekt­markt? Suchen Sie dabei nicht nur im Fach­li­chen. Tech­ni­sche Skills werden heute hoch und morgen tief gehan­delt, Berater- und Manage­ment­qua­li­täten sowie das Wissen über Geschäfts­pro­zesse oder Quali­täts­si­che­rung dagegen bleiben immer gefragt.

Deshalb liegen die größten Chancen im Bereich der persön­li­chen Weiter­ent­wick­lung von Entwick­lern oder anderen Free­lan­cern, die nahe an der Technik sind – etwa Daten­bank­ad­mi­nis­tra­toren — oft darin, sich
Erfah­rung und Know-how aus dem Reich der Soft Skills anzu­eignen. Das hat auch damit zu tun, dass eine fach­liche Kompe­tenz, die heute wert­voll ist, morgen wertlos sein kann. Niemand kann seriös in die Zukunft schauen und mit Sicher­heit sagen, welche tech­ni­schen Skills in fünf Jahren gefragt sein werden.
Die Diskus­sion über Cobol ist ein Beispiel: Lange totdis­ku­tiert, sind Cobol-Spezia­­listen
immer noch und wahr­schein­lich sogar auf lange Sicht noch gefragt. Eine einzig wirk­lich sichere Prognose ist möglich: Es werden weiche Fähig­keiten sein, die niemals den Kurs­wert verlieren. Was nicht heißen
soll, dass Sie sich nicht mehr um Fach­wissen bemühen sollten. Fach­wissen ist die Pflicht, Soft-Know-how die Kür.

Der Blick in Ihre beruf­liche Zukunft beginnt mit einer fundierten Analyse der Ist-Situa­­tion:
Welches sind Ihre Kern­kom­pe­tenzen? Um diese Kern­kom­pe­tenzen zu ermit­teln,
gehen Sie in drei Stufen vor:
Plus-Analyse: Zunächst fragen Sie sich (oder die Vermittler!), was genau diese an Ihrem Profil als wert­voll einschätzen.

Minus-Analyse: Nun ermit­teln Sie, was immer wieder als „fehlend“ beklagt wird. Holen Sie sich wie beim Arzt bei „Diagnosen“ immer im Zweifel mindes­tens zwei Meinungen ein. Wett­be­werbs­check: Welche Vorteile und Nach­teile haben Sie gegen­über anderen ITlern mit ähnli­chem Profil? Das bedeutet:
Reden Sie viel mit Kollegen, z.B. auf Semi­naren, und fragen Sie Bran­chen­kenner. Malen Sie Ihre Kern­kom­pe­tenzen zum Beispiel mit einer Mind-Map auf. Machen Sie die wich­tigsten Kompe­tenten groß und die weniger wich­tigen mittel oder kleiner. Meine Erfah­rung ist, dass nicht mehr als drei
bis sieben zusammen kommen sollten. Zeichnen Sie nun mit gestri­chelten Linien mögliche Minus-Kompe­­tenzen auf, also solche, die Sie sich noch aneignen müssen. Fragen Sie sich: Was ist eine sinn­volle Ergän­zung und Erwei­te­rung der Ist- Kompe­tenzen? Welches Know-how und welche
Erfah­rung unter­stützen die vorhan­denen Kompe­tenzen? Oder: Welche Kompe­tenz ist ein ideales Vehikel, um lang­fristig aus der „Ecke“ zu kommen, in der Sie sich unwohl fühlen. Beispiel: der Lotus-Notes-Program­­mierer, der merkt, dass nur Notes sehr einseitig ist und schlecht bezahlt. Er eignet sich SAP an. Nach erster Praxis­er­fah­rung und Weiter­bil­dung bekommt er ein Projekt, in dem er Notes und SAP inte­griert und es z.B. ermög­licht, dass Rech­nungen aus Notes in SAP gebucht werden. So wächst er näher an SAP heran und wird sich als Schnit­t­stellen- Experte posi­tio­nieren können oder auch ganz
zu SAP wech­seln.

Fragen Sie sich: Wunsch­tä­tig­keiten: Welche an Ihren derzei­tigen Bereich angren­zenden Aufgaben und
Tätig­keiten reizen Sie? Vernunft­ent­wick­lung: Welche Entwick­lung ist aufgrund Ihrer Ist-Analyse sinn­voll?
Fazit: Wie können Sie beides kombi­nieren? Defi­nieren Sie nun die Schritte, die nötig
sind, um sich weiter­zu­ent­wi­ckeln. Die besten Chancen, neue Dinge auszu­pro­bieren, bietet
meist die Praxis. Möchten Sie in Rich­tung Projekt­ma­nage­ment? Dann schauen Sie, wo
Sie die dazu nötigen Skills lernen können. Haben Sie etwa in einem aktu­ellen Projekt
die Möglich­keit, weitere Aufgaben zu über­nehmen, etwa eine Teil­pro­jekt­lei­tung? Wollen Sie mehr Berater und Ansprech­partner für den Kunden sein? Wäre es dann nicht eine
span­nende Heraus­for­de­rung, einmal selbst die Ergeb­nisse zu präsen­tieren, viel­leicht auf
Englisch? Flan­kieren Sie das Sammeln prak­ti­scher Erfah­rung mit sinn­vollen Weiter­bil­dungen,
z.B. einer Quali­fi­zie­rung im Bereich des Projekt­ma­nage­ments bei der Gesell­schaft für Projekt­ma­nage­ment (GPM) oder im Project Manage­ment Insti­tute (PMI) oder einer
ITIL-Zerti­­fi­­zie­rung, die Service- und Prozess-Know-how doku­men­tiert. „Eine der wich­tigsten Quali­fi­ka­tionen ist das Quali­täts­ma­nage­ment. Das Wissen über und die Einhal­tung
von Stan­dards bei Projek­t­­ma­­na­ge­­ment-Prozessen sowie insbe­son­dere
die Doku­men­ta­tion der Arbeiten und Ergeb­nisse gehören eben­falls dazu. Weiterhin
ist das Kommu­ni­ka­ti­ons­ma­nage­ment wichtig und ein wesent­li­cher Faktor der Projekt­ar­beit“, bestä­tigt Thomas Götz­fried von der Goetz­fried AG. Und er führt weiter aus: „Darüber hinaus spielen Kosten- und Zeit­ma­nage­ment eine wich­tige Rolle, denn sie dienen der Erfül­lung von zwei maßgeb­li­chen Zielen: Erstens die Budget­ein­hal­tung durch Erfas­sung des Kosten­ver­laufs und früh­zei­tige
Einlei­tung von Gegen­maß­nahmen, wenn absehbar ist, dass der Kosten­rahmen nicht einge­halten werden kann. Zwei­tens die Einhal­tung des geplanten Zeit­rah­mens,
der durch den Projekt­plan vorge­geben ist.“ Also lautet die Devise: Kurse besu­chen,
auch in Zeiten, in denen das Geschäft brummt! Viele IT-Free­lancer machen dennoch
die Erfah­rung, dass ihr neu erwor­benes Zerti­fikat von den Vermitt­lern igno­riert wird. Sie hören immer wieder die Aussage, es fehle ja die prak­ti­sche Erfah­rung. „Die wich­tigste Quali­fi­ka­tion läuft nach wie vor ‚on the job’“, räumt Frank Schabel von der
Hays AG dazu ein. Sie sollten also möglichst neu erwor­benes Wissen direkt im Projekt anwenden. Dabei ist Vieles nicht so unmög­lich, wie es scheint: Spre­chen Sie mit vertrauten
Entschei­dern im Projekt, die mit Ihnen Möglich­keiten erör­tern, in welcher Form das Sammeln erster prak­ti­scher Erfah­rung möglich ist.

Noch etwas anderes spricht für eine stän­dige Verbrei­te­rung der Kennt­nisse und Erfah­rung.
Viele Entwickler haben es mit zuneh­mendem Alter in bestimmten Berei­chen schwerer, Projekte zu akqui­rieren. Wie schwer – das wiederum hat entschei­dend mit der Art des Skill-Sets zu tun. In der Cobol-Entwick­­lung etwa spielt das Alter derzeit kaum eine Rolle. „Erfah­rung in der Entwick­lung und
Program­mie­rung von Soft­ware kann hier durchaus ein Vorteil sein, vor allem, wenn es
um Schnitt­stellen und die Inte­gra­tion geht“, sagt Frank Schabel. Das bedeutet auch: Die Entwick­lung vom Entwickler zum (Projekt‑, Quali­­täts- oder Prozess-) Manager ist kein abso­lutes Dogma. Wer sich wohl fühlt in der Technik, der hat vor allem in Zeiten des Fach­kräf­te­man­gels
alters­un­ab­hängig sehr gute Chancen. Wichtig bleibt jedoch, neben den fach­li­chen auch die persön­li­chen Kompe­tenzen weiter­zu­ent­wi­ckeln, etwa im Bereich der Team­fä­hig­keit, gerade auch bezogen auf den
inter­kul­tu­rellen Kontext. Welt­fremde Program­mierer, die das Tages­licht und fremde Menschen meiden, sucht schon lange niemand mehr.

Svenja Hofert

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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