Kate­go­rien

Wie wäre es, wenn wir beide einfach mal Job tauschen?

Published On: 23. Februar 2013Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

© Sergey Nivens — Fotolia.com

Gestern sprach ich mit einer ehema­ligen Mitar­bei­terin, die gerade einen in ihren Augen furchtbar lang­wei­ligen Job macht. Sie ist völlig unter­for­dert. Ich kann mir das lebhaft vorstellen, da ich sie aus der unmit­tel­baren Zusam­men­ar­beit kenne: Ein Mensch mit einem hohen Ener­gie­level und mehr hand­­lungs- als kommu­ni­ka­ti­ons­ori­en­tiert. Sie bräuchte etwas, wo sie gestalten und aufbauen kann. Und nette Menschen um sich herum auch. Welche mit ein paar Inter­essen mehr als um 17 Uhr nach Hause zu gehen…

Alles eine Frage der Perspek­tive: Als sie spricht, erin­nere ich mich an einen Kunden, für den ihr Job perfekt wäre. Er ist genau und gewis­sen­haft, ruhig und kommu­ni­ka­ti­ons­ori­en­tiert. Er sucht Work-Life-Balance, Bere­chen­bar­keit und Zeit für sein Hobby. Sein Ener­gie­level ist nied­riger. Allein fehlt ihm die formale Tech­­niker- oder Inge­nieurs­qua­li­fi­ka­tion.  Doch gleich­zeitig wäre ich sicher, dass er sich das fehlende Wissen leicht drauf­schaffen könnte.

Jobs tauschen! Wie genial wäre das denn? Tausch­ideen habe ich oft: Menschen erzählen mir von ihren Jobs und im Kopf beginne ich zu vernetzen:  Wenn DER den Job von DEM hätte, wären beide viel, viel glück­li­cher als jetzt. Wie gerne wäre ich der Glücks­bringer!

Da ist eine junge Dame, die einen wirk­lich  gut bezahlten Job macht, der sie aber inhalt­lich komplett unter­for­dert. Es gibt auch keine Moti­va­tionen in den Rahmen­be­din­gungen: Das gestylte Umfeld mag sie nicht und das nähe­ori­en­tierte Small-Talk-Bedürfnis der Chefin nervt. Ich kenne eine andere Frau, für die dieser Job ideal wäre, weil sie genau die Eigen­schaften und Bedürf­nisse mitbringt, die die andere nicht hat.

Nun denke ich seit einiger Zeit darüber nach, wie man eine solche Job-Tausch­­börse reali­sieren könnte. Bei Mietern ist das einfach. Man schlägt dem Vermieter einfach einen Nach­mieter vor und der sagt ja oder nein. Bei Jobs geht das nicht: Da kommt der Betriebsrat und hebt den Finger. Kündi­gungs­fristen stehen auch im Wege. Die größte Hürde aller­dings sind Fach- und Perso­nal­ver­ant­wort­liche, die immer noch nach Kennt­nissen einstellen und nicht nach Persön­lich­keit. Und den gerade aktu­ellen Moti­va­tionen, einen Job auszu­üben. Die auch indi­vi­duell höchst unter­schied­liche Ener­gie­le­vels nicht erkennen, weil kein Test sie misst, man sieht sie nur “im Doing”. Wie viel Einsatz jemand zu bringen bereit ist und welche Art von Einsatz — das ist der wirk­lich erfolgs­kri­ti­sche Faktor.

Ich glaube, eine solche Job-Tausch­­börse bräuchte Videos, die zeigen, was jemand genau macht. Und der Arbeit­geber müsste natür­lich sein OK geben. Man müsste dafür Tacheles reden dürfen und sagen, was derzeit noch schwer vorstellbar ist – etwa: „Der Job ödet mich an, ich sitze meine Zeit ab. Ich krieg 50.000 EUR im Jahr und bin für diese drei Hand­griffe komplett über­be­zahlt. Aber jemand, der gern Frei­tags­nach­mit­tags nach Hause geht und 50% der Zeit verschnackt, ist super hier.“ Sie sehen: Das geht irgendwie nicht, oder scheint nicht zu gehen. Tacheles steht dem Gedanken des Jobtauschs entgegen.

Schade, denn die Idee mit der Job-Tausch­­börse hat was, finden Sie nicht auch? Falls Sie also eine Idee haben, wie man so etwas trotz Betriebsrat, Arbeit­geber, Gehalt und Tache­lespro­ble­matik umsetzen könnte, freue ich mich wenn Sie das hier schreiben. Viel­leicht machen wir was draus?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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11 Kommen­tare

  1. Steffi Kunzel­nick 24. Februar 2013 at 12:26 — Reply

    Super Idee, Frau Hofert. Mich betrifft dies zwar aktuell nicht, jedoch kenne ich diese Geschichten zu genüge. Da schwirrte mir eine solche Idee auch schonmal vor…ich über­lege weiter.….im Sinne der Zufrie­den­heit aller Betei­ligten! 🙂
    Viele Grüße
    Steffi Kunzel­nick

  2. Chris­tine T. 27. Februar 2013 at 16:55 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    eine super Idee und ich habe auch schon mal darüber nach­ge­dacht. Meine Idee war (ich komme aus der Prak­ti­kan­ten­ge­nera­tion), den Tausch nur für einen Tag oder eine Woche zu reali­sieren — also ähnlich wie ein gegen­sei­tiges Prak­tikum…

    Aber jetzt wo ich ihren Text so lese, denke ich auch irgendwie:
    Viel­leicht hat es ja auch seinen Grund, dass derje­nige mit dem nied­rigen Ener­gie­level in das High-Level-Umfeld kommt und anders­herum — bringt ja auch irgendwie Ausgleich, Reso­nanz… sowohl für das Unter­nehmen als auch für den Mitar­beiter.

    Wenn man aber selbst in der Situa­tion ist (und das bin ich), sieht man das nicht so. Da ist man einfach unzu­frieden und denkt: “Irgendwie passe ich hier nicht hin!”
    Tja, ändern oder akzep­tieren (oder halt schön­reden ;))!

    Beste Grüße
    C.T.

  3. Eva Lutz 1. März 2013 at 19:13 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    inter­es­sante Idee — die Tausch­börse könnte auch Stär­ken­pro­file oder Typen­tests berück­sich­tigen und so die Tausch­stelle / das Video schneller auffindbar machen.

    Für einen “einfa­chen Anfang” sind mir zwei Platt­formen einge­fallen, die Sie viel­leicht inspi­rieren, auch wenn deren Zweck ein anderer ist:

    Wegen dem Match mit den Video´s: http://www.whatchado.de
    Anony­mität wegen “Tacheles”: http://bit.ly/15EEsvC

    Herz­liche Grüße,
    Eva Lutz
    Perso­nal­ma­nager & Trainer

    • Svenja Hofert 4. März 2013 at 13:28 — Reply

      Hallo Frau Lutz, das sind ganz tolle Tipps. Poachee kannte ich noch nicht. Herz­li­chen Dank! Svenja Hofert

  4. Leonie Förster 25. Februar 2015 at 16:29 — Reply

    Hallo,

    mir war eine ähnliche Idee gekommen, und ich bin beim Googlen auf ihren Eintrag gestossen. Viele meiner Kollegen pendeln jeden Tag je 1.5 Stunden hin und zurück. Das sind 3 Stunden ihrer “Frei­zeit”, die sie im Auto verbringen. Genauso gibt es Leute, die genau die umge­kehrte Rich­tung pendeln. Darunter leidet ihre Moti­va­tion und Ausdauer bei der Arbeit und ihr Privat­leben auch. Da ware es doch prak­tisch, wenn man seinen Arbeits­platz mit dem eines anderen Meschen tauschen könnte, sodass letzt­lich beide nicht mehr soweit fahren müssten. In diesem Fall müsste man jemanden finden, der ähnliche Quli­fi­ka­tionen und Eigen­schaften besitzt wie man selbst. Das ist sicher auch einem Chef leichter zu vermit­teln, als das von ihnen vorge­schla­gene Modell. Aber auch in diesem Fall wäre Ehrlich­keit und Offen­heit unab­dingbar.

    Gruss!

    Leonie Förster

  5. Margot Kreuder 31. Januar 2017 at 19:50 — Reply

    Aha, da gibt es also noch mehr, die über so etwas nach­denken. Mir war die Idee auch schon gekommen und zwar eben­falls wegen dieses Pendelns. Eine Webseite müsste Tausch­an­bieter und Tausch­in­ter­es­senten zusam­men­führen. Man sucht natür­lich zuerst nach Ort und dann nach Job, weil es ja ein vergleich­barer sein muss. Viel­leicht erst mal anonym, wie in einem Dating-Portal. Wenn ein Tausch in Frage käme, müssten, um für alle Betei­ligten Sicher­heit herzu­stellen, die Arbeit­geber ins Boot geholt und eine Probe­zeit verein­bart werden, nach der beide wieder in ihre alten Jobs zurück könnten (und zwar ohne Gehalts­ein­bußen oder nega­tive Vertrags­än­de­rungen), falls doch nicht getauscht werden soll. Auch die Arbeit­geber müssten die Möglich­keit haben, den Tausch abzu­lehnen. Wenn beide tauschen wollen und auch die Arbeit­geber einver­standen sind, werden mit den Firmen nur Arbeits­ver­träge ohne weitere Probe­zeit gemacht. Es müsste ein Arbeits­rechtler mit im Boot sein, der auch notfalls als Mediator fungiert.
    Man könnte die Webseite auch — bei ausge­wählten Fällen — mit einer dieser Doku-Sendungen im TV verknüpfen, um darauf aufmerksam zu machen.
    Die Webseite wäre machbar. Ob es auch funk­tio­nieren würde? Was das auch an Benzin und Umwelt­ver­schmut­zung sparen und die Straßen entlasten könnte!!!

  6. Margot Kreuder 31. Januar 2017 at 19:54 — Reply

    Aha, da gibt es also noch mehr, die über so etwas nach­denken. Mir war die Idee auch schon gekommen und zwar eben­falls wegen dieses Pendelns. Eine Webseite müsste Tausch­an­bieter und Tausch­in­ter­es­senten zusam­men­führen. Man sucht natür­lich zuerst nach Ort und dann nach Job, weil es ja ein vergleich­barer sein muss. Viel­leicht erst mal anonym, wie in einem Dating-Portal. Wenn ein Tausch in Frage käme, müssten, um für alle Betei­ligten Sicher­heit herzu­stellen, die Arbeit­geber ins Boot geholt und eine Probe­zeit verein­bart werden, nach der beide wieder in ihre alten Jobs zurück könnten (und zwar ohne Gehalts­ein­bußen oder nega­tive Vertrags­än­de­rungen), falls doch nicht getauscht werden soll. Auch die Arbeit­geber müssten die Möglich­keit haben, den Tausch abzu­lehnen. Wenn beide tauschen wollen und auch die Arbeit­geber einver­standen sind, werden mit den Firmen neue Arbeits­ver­träge ohne weitere Probe­zeit gemacht. Es müsste ein Arbeits­rechtler mit im Boot sein, der auch notfalls als Mediator fungiert.
    Man könnte die Webseite auch — bei ausge­wählten Fällen — mit einer dieser Doku-Sendungen im TV verknüpfen, um darauf aufmerksam zu machen.
    Die Webseite wäre machbar. Ob es auch funk­tio­nieren würde? Was das auch an Benzin und Umwelt­ver­schmut­zung sparen und die Straßen entlasten könnte!!!

    • Maxi­mi­lian Ast 23. Mai 2017 at 17:25 — Reply

      Hallo Frau Kreuder,

      vor allem Ihr Kommentar hat mich von den Socken geholt. Sie spre­chen mir aus der Seele und es ist genau diese Idee, die die Kern­in­ter­ak­tion auf der Platt­form sein wird, die ich gerade program­miere:

      Wenn Person A und Person B fast iden­ti­sche Jobs haben und in entge­gen­ge­setzte Rich­tungen pendeln, gilt es diese zwei Personen in Kontakt zu bringen, sodass man einen Jobtausch anregt. Wenn die Arbeit­geber nach Probe­zeit einwil­ligen, gibt es nur Gewinner.

      Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn man sich gemeinsam nochmal dazu austau­schen könnte!

      Beste Grüße,

      Maxi­mi­lian Ast

  7. Thomas Wilcke 25. Oktober 2017 at 16:10 — Reply

    Hallo alle mitein­ander,

    auch ich habe schon mal daran gedacht. Bisher hatte ich online eine Tausch­börse für Poli­zei­be­amte, die in ein anderes Bundes­land wech­seln wollen und einen Tausch­partner für das eigene suchen. Dieses war eine Eigen­pro­gram­mie­rung und lief von 2004 bis 2017! Natür­lich sind hier auch einige Bedin­gungen zu berück­sich­tigen gewesen (Dienst­grad, Stelle etc), aber im Großen und ganzen hat es einige Male geklappt und es waren knapp 5000 Poli­zisten ange­meldet. Die Seite war copz.de, diese habe ich aber erst einmal wieder einge­stellt, da ich nur mit Spenden gear­beitet habe und diese sehr wenig waren. Hier war es einzig­artig auch möglich einen soge­nannten Ring­tausch zu voll­ziehen, bzw danach zu suchen, sprich a geht zu b, b zu c und c zu a.

    EGAL — ich glaube eine solche Tausch­börse wäre wirk­lich super und würde auch genutzt. Schwierig ist es tatsäch­lich da auch Verständnis bei den Arbeit­ge­bern zu bekommen, aber die Vorschläge von Frau Kreuder finde ich sehr gut und reali­sierbar. Dieses ganze dann noch als APP zusätz­lich zum Online­portal.

    Wich­tige Dinge sind hierbei zu beachten: Aktua­lität, Stel­len­be­schrei­bung, Gehalt, etc.… Nicht einfach und bestimmt auch sehr aufwendig zu program­mieren, aber bestimmt auch sinn­voll und Umwelt­scho­nend. Würde mich nicht wundern, wenn sogar Förde­rungs­mög­lich­keiten bean­tragt werden können.

    Meines Erach­tens reali­sierbar — aber eben nicht alleine 😉

    Wenn Inter­esse besteht, dann stehe ich gerne für weitere Infos und Erfah­rungs­aus­tausch bereit.
    Meine Daten:
    Thomas Wilcke, 51 Jahre alt
    Krimi­nal­haupt­kom­missar
    wohne im Bereich Bonn
    Kennt­nissse in PHP, MYSQL HTML etc.

    • Svenja Hofert 27. Oktober 2017 at 7:59 — Reply

      Hallo Herr Wilcke, vielen Dank für Ihren Impuls, hoffent­lich melden sich noch mehr und ein Inter­es­sen­aus­tausch kommt zustande. Vielen Dank! Svenja Hofert

  8. Lucas K. 31. Januar 2018 at 7:18 — Reply

    Hallo Frau Hofert!
    Ich pendele seit 6 Jahren täglich aus der Nähe von Bremen nach Hamburg. Ich nutze die Zeit im Zug für verschie­dene Dinge wie z.B. Lesen und Entspannen. Seit mein Sohn geboren wurde, passt mir die Pendel­zeit aller­dings oft nicht mehr so gut in die Planung. Deshalb kam mir auch schon die Idee einer solchen Job-Tausch­­börse.
    Im Ideal­fall könnte durch sowas eine win-win-win-win-Situa­­tion erreicht werden. Nämlich dann, wenn alle vier Parteien (zwei Arbeit­nehmer und zwei Arbeit­geber) davon profi­tieren. Ich stelle mir das Ganze aller­dings schwierig vor, wenn z.B. einer der Arbeit­geber mit dem Tausch nicht zufrieden ist, alle anderen aber sehr zufrieden. Womög­lich müsste der Tausch dann wieder rück­gängig gemacht werden.
    Ich bin aber davon über­zeugt, dass solche Tausch­mo­delle in einigen Jahren ange­boten werden. Der poten­ti­elle Nutzen davon ist enorm. Mir stellt sich neben vielen andern zu klärenden Punkten aber noch die Frage, wie man das als Tausch-Vermittler mone­ta­ri­sieren könnte. Bezahlen die Tausch­partner die Vermitt­lung bei erfolg­rei­chem Abschluss? Oder wird die entspre­chende App kosten­pflichtig ange­boten? Beste Grüße, Lucas K.

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