Kate­go­rien

Groß und berühmt werden? Machen Sie es wie Michael Mich­alsky

Published On: 22. Juli 2012Cate­go­ries: Führung

Hätte ein Michael Mich­alsky, Top-Desi­­gner bei Adidas, jetzt mit eigener Marke auf dem Weg der deut­sche Marc Jacobs zu werden, guter Kumpel von Karl Lager­feld; hätte ein solcher Typ in einer Groß­stadt aufwachsen können? Sowohl Mich­alsky als auch Lager­feld kommen aus Käffern: Mich­alsky aus Rümpel bei Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein, Lager­feld aus Bad Bramfeld bei Hamburg. Beide wohl keine voll inte­grierten Lehrer- und Klas­sen­lieb­linge in ihrer Schule. Mich­alsky beschäf­tigte sich laut eigener Aussage bei das! stun­den­lang mit seiner Frisur, bevor er in die Schule ging, weshalb er dann unter Zeit­druck stand und immer zum Unterrricht trampen musste. Das deutet auf eine klare Prio­ri­tä­ten­set­zung Rich­tung Outfit und den zur Schau getra­genen Wunsch nach Anders­sein. Könnte ein Ausnah­me­ta­lent also jemals jemand sein, der Lieb­lings­schüler ist und ein unkom­pli­zierter Mitschwimmer in der Klasse? Eher nicht.

Immer, wenn ich mir den Werde­gang über­durch­schnitt­lich erfolg­rei­cher Menschen anschaue, und damit meine ich Künstler, Medi­en­größen und Unter­nehmer, eher keine Manager, stoße ich auf dasselbe Phänomen: Da sitzt mindes­tens eine Macke in einem meist eigen­wil­ligem Kopf. Ich würde sogar die Poli­tiker in diese Gruppe zählen, denn der Narziss­muss ist bei ihnen über­wie­gend ausge­prägter – ein gemein­sames Merkmal von Merkel und Mich­alsky, so schräg es klingen mag. Beide wollen was Beson­deres, was Großes sein und tun, nur auf ganz verschie­denen Ebenen.

Viele Macken, ob von Künst­lern oder Poli­ti­kern, entstehen in der Kind­heit. Der Linken-Poli­­tiker Bodo Ramelow packte gerade im Stern aus, dass er in der Schule als Legasthe­niker ausge­lacht wurde, was ihn inner­lich und äußer­lich erkalten ließ; das Muster zeigt sich heute noch immer, wenn man ihn angreift.  Fehlende elter­liche Liebe, mangelnde Aner­ken­nung zuhause kann auch in die Suche nach Bestä­ti­gung von außen leiten. Erfolg­reiche Quer­köpfe und andere Macht­men­schen sind so öfter mal frühere Außen­seiter.

Die Ableh­nung der anderen kann dann zur Moti­va­tion, zum entschei­denden Anschub werden, einen bestimmten Berufsweg einzu­schlagen. „Erst wenn ich anders bin (denke, handle), bin ich wer“, ist manchmal nicht nur ein tief verwur­zelter Glau­bens­satz, sondern auch ein Erfolgs­kon­zept. Man sucht sich Bezugs­gruppen, die dieses Anders­sein verkör­pern. Kleine Gruppen, denn diese erhöhen das Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl: Mode­de­si­gner etwa. In wenigen anderen Bezugs­gruppen ist zudem homo­se­xu­elle Iden­tität stärker veran­kert und aner­kannt. Auch solche Dinge schwingen mit bei der Berufs­wahl. Und hier gibt es dann wieder einen deut­li­chen Unter­schied zwischen Politik und Kunst. Ein anderer: Politik erfor­dert kein beson­deres, außer dem Rede­ta­lent.

Für Talent kann man sich entscheiden. Es ist nicht mehr als das Commit­ment, sich mit etwas sehr intensiv und leiden­schaft­lich zu beschäf­tigen. Den ersten Impuls gibt meist ein Vorbild: Mich­alsky hat, als es in Rich­tung Berufs­wahl ging, einen Bericht über Karl Lager­feld im Fern­sehen gesehen, der damals noch bei Chloe war, und entschied sich, auch so etwas machen zu wollen. Von da an konzen­trierte er sich auf dieses Ziel.

Und er beschäf­tigte sich intensiv genug damit, um die rich­tigen Entschei­dungen zu treffen. Er studierte nicht etwa Textil­technik in Mönchen­glad­bach, sondern ging gleich an das London College of Fashion. Inter­na­tio­na­lität ist eindeutig von Vorteil, wenn man mal ganz groß werden will. Das hat nicht nur mit der Schule zu tun, sondern mit etwas viel Wich­ti­gerem: Den rich­tigen Leuten. Wie sonst wird man Kumpel von Lager­feld (auch wenn Rümpel und Bad Bramstedt sehr verbinden können, aber erst NACHDEM man sich anderswo kennen­ge­lernt hat)?

Es sind letzt­end­lich vor allem vier Faktoren, die Voraus­set­zungen für ganz großen Erfolg sind. Wenn Sie sich jetzt gerade beruf­lich orien­tieren, prüfen Sie diese einmal für sich selbst:

  1. eine eigen­wil­lige Persön­lich­keit, die sich abgrenzt vom Main­stream,
  2. ein klares Ziel: beim Finden hilft es, sich an Vorbil­dern zu orien­tieren,
  3. die Entschei­dung, sich mit etwas sehr intensiv zu beschäf­tigen,
  4. die rich­tigen Leute, die man nun mal nur in den rich­tigen Akade­mien und in den rich­tigen Firmen und auf den passenden Hier­ar­chie­ebenen trifft.

Sicher kommt dann auch noch etwas Glück dazu, denn es gibt viele kleine Mich­alskys, die viel­leicht sogar begabter sind, aber weniger glück­liche Zusam­men­treffen mit entschei­denden Persön­lich­keiten hatten. Die arbeiten jetzt für 2.000 Euro Brut­to­ge­halt bei irgen­deibem Ausbeuter oder in zweiter und dritter Reihe.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Lars Lorber 23. Juli 2012 at 9:33 — Reply

    Sehr inter­es­sant. Gerade in der Kunst- und Medi­en­welt braucht es diese Anders­ar­tig­keit, das Heraus­ragen aus der Masse, um aufzu­fallen. Deshalb sind die dort Erfolg­rei­chen oft unge­wöhn­liche Menschen, man nehme nur Stefan Raab oder Thomas Gott­schalk.

    Man darf aber nicht vergessen, dass dazu auch immer viel Arbeit notwendig ist, um diese Bekannt­heit zu errei­chen. Zufäl­li­ger­weise habe ich mich gerade gestern mit den 8 Regeln des Erfolges beschäf­tigt: http://bit.ly/MioU5L
    . In Inter­views mit 500 erfolg­rei­chen Menschen wurde fest­ge­stellt, das unter anderem Leiden­schaft, harte Arbeit und Exzel­lenz in dem was man tut unab­ding­lich für den Erfolg sind. Da würden sicher auch Mich­alsky und Lager­feld zustimmen 😉

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