Kate­go­rien

“Wir wollen nicht, dass Sie für uns umziehen”

Published On: 8. September 2010Cate­go­ries: Führung

Gestern schickte die Pres­se­agentur von Monster das Ergebnis einer Umfrage heraus, nach der 40% der Bewerber für einen Traumjob ihre gewohnte Umge­bung verlassen würden. 25% würden dies auf keinen Fall tun.

Ich möchte zu diesem Thema einmal einen Aspekt einbringen, der so nie aufge­griffen wird: Nämlich die Tatsache, dass es Unter­nehmen gibt, die gar keine Bewerber aus anderen Regionen und Städten wollen (was sie aufgrund des AGG in der Anzeige so nicht sagen dürfen). Aller­orts wird Flexi­bi­lität von Bewer­bern gefor­dert, doch selten von Unter­nehmen. So habe ich einige Kunden, die eine Absage mit dem infor­mellen Argu­ment erhielten, man habe sich für einen Bewerber aus der Region entschieden. Im Vertrieb mag dies nach­voll­ziehbar sein: Ein Ober­bayer spricht lieber mit einem Ober­bayern — es gibt dialek­tale Grenzen. Aber es kommt auch in anderen Jobs vor. “Wir möchten Sie nicht aus Ihrer Umge­bung reißen. Was wenn es nicht klappt? Diese Verant­wor­tung!” — auch so etwas habe ich schon gehört. Hinzu kommt eine relativ hohe Absa­ge­quote bei Entfernt­be­wer­bern, vor allem wenn diese nicht der seltenen Spezia­lis­ten­spe­zies zuge­hörig sind. Die Erklä­rung: Es ist zu teuer, Bewerber aus Bonn nach Heidel­berg zu holen. Und Firmen haben ein unkal­ku­lier­bares Absa­ge­ri­siko, falls man sie doch einlädt und sich sogar für den entfernten Kandi­daten entscheidet. Unter­nehmen kennen nämlich die Quote, die auch Monster ermit­telt hat: Nur wenige wollen wirk­lich ehrlich umziehen und wenn, dann eben “nur” für den Traumjob (und wer hat den schon?). Wer sich außer­halb seiner Region bewirbt, tut dies oft als Notlö­sung.

Viele Bewerber sagen deshalb Jobs ab, die nicht in der Umge­bung sind — oft nach vorhe­riger Zusage. Weil sie aber in der Regel nicht umziehen möchten, setzen Bewerber nach so einer Zusage oft alles dran, doch noch einen “besseren” Job (eben oft vor Ort) zu finden. Und lassen die Firma im Regen stehen. Es gibt hier also eine Wech­sel­wir­kung zwischen der Unlust umzu­ziehen und der höheren Absa­ge­quote bei Bewer­bern aus “Fremd­ge­bieten”.

Geht die Bewer­bung sogar ins Ausland, gibt es meist gar keine Absagen — aber auch keine Einla­dungen. Fast überall funk­tio­niert nur ein Weg, sofern der Bewerber Durch­schnitts­qua­li­fi­ka­tionen: Vor Ort sein und dort suchen.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Thomas Hoch­ge­schurtz 16. September 2010 at 18:54 — Reply

    Unter­nehmen sind erfolg­rei­cher, haben also bessere Mitar­beiter, wenn die Beleg­schaft ein Mix aus lokalen und (inter-)nationalen Kollegen ist. Der zuge­zo­gene Mitar­beiter ist unab­hän­giger und somit freier in seinem Handeln und Denken. Der lokale Mitar­beiter wird stets seinen Job vertei­digen, statt die beste Lösung zu finden, da er eine äußerst begrenzte Auswahl an Arbeit­ge­bern hat. Auch hier liegt der Königsweg im Mix (wie auch bei Teams aus Frauen und Männern).

  2. […] Karrie­re­blog von Svenja Hofert “Ich möchte zu diesem Thema einmal einen Aspekt einbringen, der so nie aufge­griffen wird: Nämlich die Tatsache, dass es Unter­nehmen gibt, die gar keine Bewerber aus anderen Regionen und Städten wollen (was sie aufgrund des AGG in der Anzeige so nicht sagen dürfen). Aller­orts wird Flexi­bi­lität von Bewer­bern gefor­dert, doch selten von Unter­nehmen. ” (tags: Blogger) […]

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