Gestern schickte die Presseagentur von Monster das Ergebnis einer Umfrage heraus, nach der 40% der Bewerber für einen Traumjob ihre gewohnte Umgebung verlassen würden. 25% würden dies auf keinen Fall tun.

Ich möchte zu diesem Thema einmal einen Aspekt einbringen, der so nie aufgegriffen wird: Nämlich die Tatsache, dass es Unternehmen gibt, die gar keine Bewerber aus anderen Regionen und Städten wollen (was sie aufgrund des AGG in der Anzeige so nicht sagen dürfen). Allerorts wird Flexibilität von Bewerbern gefordert, doch selten von Unternehmen. So habe ich einige Kunden, die eine Absage mit dem informellen Argument erhielten, man habe sich für einen Bewerber aus der Region entschieden. Im Vertrieb mag dies nachvollziehbar sein: Ein Oberbayer spricht lieber mit einem Oberbayern – es gibt dialektale Grenzen. Aber es kommt auch in anderen Jobs vor. “Wir möchten Sie nicht aus Ihrer Umgebung reißen. Was wenn es nicht klappt? Diese Verantwortung!” – auch so etwas habe ich schon gehört. Hinzu kommt eine relativ hohe Absagequote bei Entferntbewerbern, vor allem wenn diese nicht der seltenen Spezialistenspezies zugehörig sind. Die Erklärung: Es ist zu teuer, Bewerber aus Bonn nach Heidelberg zu holen. Und Firmen haben ein unkalkulierbares Absagerisiko, falls man sie doch einlädt und sich sogar für den entfernten Kandidaten entscheidet. Unternehmen kennen nämlich die Quote, die auch Monster ermittelt hat: Nur wenige wollen wirklich ehrlich umziehen und wenn, dann eben “nur” für den Traumjob (und wer hat den schon?). Wer sich außerhalb seiner Region bewirbt, tut dies oft als Notlösung.

Viele Bewerber sagen deshalb Jobs ab, die nicht in der Umgebung sind – oft nach vorheriger Zusage. Weil sie aber in der Regel nicht umziehen möchten, setzen Bewerber nach so einer Zusage oft alles dran, doch noch einen “besseren” Job (eben oft vor Ort) zu finden. Und lassen die Firma im Regen stehen. Es gibt hier also eine Wechselwirkung zwischen der Unlust umzuziehen und der höheren Absagequote bei Bewerbern aus “Fremdgebieten”.

Geht die Bewerbung sogar ins Ausland, gibt es meist gar keine Absagen – aber auch keine Einladungen. Fast überall funktioniert nur ein Weg, sofern der Bewerber Durchschnittsqualifikationen: Vor Ort sein und dort suchen.

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert ist vielfache Bestsellerautorin, die sich im deutschsprachigen Raum über mehr als ein Vierteljahrhundert ein hohes Renommee als Vordenkerin für das Thema Zukunft von Arbeit und Führung erworben hat. Ihr Motto "Zukunft der Arbeit mit Sinn und Verstand". Dieses Blog besteht seit 2006 und wird nur noch gelegentlich gepflegt. Folgen Sie der Autorin, indem Sie Ihren kostenlosen Newsletter Weiterdenken  abonnieren. Auf  Linkedin können Sie der Autorin ebenso folgen und erhalten 14tätig die Weiterdenken Essentials.

2 Kommentare

  1. Thomas Hochgeschurtz 16. September 2010 at 18:54 - Antworten

    Unternehmen sind erfolgreicher, haben also bessere Mitarbeiter, wenn die Belegschaft ein Mix aus lokalen und (inter-)nationalen Kollegen ist. Der zugezogene Mitarbeiter ist unabhängiger und somit freier in seinem Handeln und Denken. Der lokale Mitarbeiter wird stets seinen Job verteidigen, statt die beste Lösung zu finden, da er eine äußerst begrenzte Auswahl an Arbeitgebern hat. Auch hier liegt der Königsweg im Mix (wie auch bei Teams aus Frauen und Männern).

  2. […] Karriereblog von Svenja Hofert "Ich möchte zu diesem Thema einmal einen Aspekt einbringen, der so nie aufgegriffen wird: Nämlich die Tatsache, dass es Unternehmen gibt, die gar keine Bewerber aus anderen Regionen und Städten wollen (was sie aufgrund des AGG in der Anzeige so nicht sagen dürfen). Allerorts wird Flexibilität von Bewerbern gefordert, doch selten von Unternehmen. " (tags: Blogger) […]

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