215.000 Einträge zum Begriff haben sich bei Google ange­sam­melt und heute morgen kam der Begriff in “NDR Info” schät­zungs­weise 15 Mal. Auto, Banken, gar sämt­liche Konzerne — und vorges­tern forderte auch die US-Porno­in­­dus­­triewegen wegbre­chender Umsätze einen Rettungs­schirm (die wohl eher mit der Verla­ge­rung der Geschäfte ins Internet zu tun haben, siehe Musik­in­dus­trie). Den größten Rettungs­schirm aber will Sozi-CDUler Rütt­gers mit 100 Milli­arden für die gesamte deut­sche Indus­trie aufspannen.

Was befugt eigent­lich ein Unter­nehmen oder eine Branche nach einem Rettungs­schirm aus Steu­er­gel­dern zu schreien? Wieso dürfen das Indus­trie­zweige und börsen­no­tierte Konzerne? Warum wollen plötz­lich alle unter einen staat­li­chen Schutz­mantel? Und woher, wenn nicht aus Wahl­­­kampf- und Selbst­dar­stel­lungs­am­bi­tionen, kommt die plötz­liche sozia­lis­ti­sche Verteil­lust von Poli­ti­kern? Ich finde: Es ist die Verant­wor­tung eines jeden Unter­neh­mers und Mana­gers, für Krisen vorzu­sorgen und über was-wäre-wenn-Szen­a­rien nach­zu­denken. Niemand braucht einen staat­li­chen Rettungs­schirm. Man braucht einzig allein die Chance, Kredite aufnehmen zu können.

Wer etwa würde für kleine Unter­nehmen wie Hand­werks­be­triebe, Shops und Frei­be­rufler einen Rettungs­schirm aufspannen. Die „kleinen“ wollen das auch gar nicht, wie etwa der Zentral­ver­band des Deut­schen Hand­werks, der die staat­li­chen Hilfen ablehnt.  Warum auch? Kleine Unter­nehmen brau­chen in der Regel keine zwei­stel­ligen Wachs­tums­raten für ihr Über­leben. Und wenn das Wachstum in einem Jahr mal zurück­geht, begreifen sie das als Chance über das eigene Geschäft neu nach­zu­denken und die Markt­fä­hig­keit zu verbes­sern. Es wirft einen nicht gleich völlig um. Auf diesem, oft hart umkämpften Markt – etwa der frei­be­ruf­li­chen Rechts­an­wälte, von denen es viel zu viele gibt — gewinnen jene, die clever sind, Ideen haben und am Zahn der Zeit bleiben. Bei Groß­un­ter­nehmen zählt letzt­end­lich die Lobby und die Markt­macht. Was auffällt: Die da schreien, sind ange­stellt. Sie gehen kein Risiko ein, und was sie retten wollen, ist letzt­end­lich vor allem die eigene Haut. Es ist auch kurz­fristig gedacht. Wie wenig nütz­lich staat­liche Rettungs­schirme sind, sollte das Beispiel des Holz­­mann-Konzerns eindrück­lich gezeigt haben. Mehr Beispiele dagegen liefert Doro­thea Siems in der WELT.

Wer auch immer den Schirm erhält: Wie lange der wohl dem pras­selnden Rezes­si­ons­regen stand­hält? Das Bild des Rettungs­schirms sagt schon alles über seinen Nutzen: Einen Schirm spannt man auf, um sich damit zu schützen. Es sagt: Für das, was da von oben kommt, kann ich nichts, das ist natur­ge­geben. Stimmt aber nicht. Jeder kann gegen Krisen anschwimmen und wenn das bedeutet, neue Konzepte und Ideen zu entwi­ckeln, sollte er dafür Kredite bekommen können. Aus diesem Grund sind Hilfen für die Banken wichtig (und bei uns zu halb­herzig geraten) — aber bitte nicht für die gesamte Wirt­schaft. Sonst will ich auch so einen Rettungs­schirm. Brauche ich zwar nicht, aber alles andere wäre unge­recht.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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