Kate­go­rien

Zu viel Kunst und zu wenig Persön­li­ches — Bewer­bungs­expe­ri­ment (Teil 2)

Published On: 7. November 2012Cate­go­ries: Führung

Inzwi­schen habe ich mit dem anonymen Bewerber tele­fo­niert, der Teil dieses Expe­ri­ments in Zeiten des Fach­kräf­te­man­gels ist. Wie ich vermutet habe, ist er ein analy­ti­scher Mensch, der Freude daran hat, Lösungen zu finden. Er ist Zahlen­affin sowie quali­täts­be­wusst und gewis­sen­haft. Das Unter­nehmen, in dem er ein Prak­tikum absol­viert und die Diplom­ar­beit geschrieben hat, hätte ihn 2008, vor der Aufnahme von Studium Nr. 2, sogar über­nommen. Doch es war leider das Jahr der Wirt­schafts­krise.

Dass er eine Fernuni gewählt hat, hat mit einer privaten Situa­tion zu tun, nicht wie man leicht vermutet mit Einzel­kämp­fertum (denn es war ein haupt­be­ruf­li­ches Studium). Ich empfahl ihm, die private Moti­va­tion für die Entschei­dung offen zu legen. Ich habe damit nur gute Erfah­rungen gemacht. Man muss und sollte nicht alles sagen, aber es ist sinn­voll, einen Hinweis zu geben.

Weiter sollte er die Qualität des Abschlusses verkaufen, denn die Fernuni ist im Fach Wirt­schafts­wis­sen­schaften bei CHE gut gerankt. Gerade in mitt­leren Unter­nehmen, die die Haupt­ziel­gruppe der Bewer­bung sind, wissen Perso­naler das oft nicht, zumal wenn es sich nicht um Unis aus dem regio­nalen Umfeld handelt oder solche, die man in bestimmten Bran­chen auto­ma­tisch als Türöffner kennt und  bewertet wie die private WHU für BWL oder die Univer­sity of Columbia für Jour­na­lismus. Ganz schwierig wird es bei den neuen Abschlüssen. Hier entstehen derzeit reihen­weise Miss­ver­ständ­nisse… dazu noch mal an anderer Stelle. Kurzum: ein Halb­satz zur Erklä­rung kann helfen.

Ich gab einen Tipp für eine even­tuell über­brü­ckende Weiter­bil­dung, viel­leicht im Quali­täts­ma­nage­ment. Bewer­bern aus dem Ruhr­ge­biet empfehle ich hierzu wärms­tens den Bildungs­experten Lars Hahn mit seiner LVQ. Die Arbeits­agentur könnte so eine Quali­fi­zie­rung unter­stützen, auch wenn bisher keine Ansprüche aus sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tiger Tätig­keit erworben worden sind. Weiterhin ermun­terte ich, auto­di­dak­ti­sche erwor­bene Kennt­nisse, etwa in SQL, auch zu benennen. Es sagt etwas über Eigen­in­itia­tive aus, wenn jemand frei­willig ein 2000 Seiten-Buch liest, finden Sie nicht auch? Es muss nicht alles mit Zerti­fikat enden.

Nach unserem Gespräch über­ar­bei­tete der Bewerber seine Unter­lagen. Was ich zurück­bekam war schon sehr viel besser, aber noch nicht perfekt. Vor allem im Anschreiben hakte es, kein Aha-Effekt bei mir. Außerdem waren mir die Unter­lagen zu bunt, zwar super­toll gestaltet, aber wir sind nun mal im Inge­nieurs­um­feld tätig, die tech­nisch orien­tierten Entscheider mögen diese Form der Krea­ti­vität norma­ler­weise nicht.  Als ich die Gestal­tung sah, schaute ich intuitiv ins Abitur­zeugnis – und siehe da: Kunst und Mathe 12 Punkte.

Trotzdem, hier geht’s nicht um Design. „Zu viel Schnick­schnack, der ablenken soll“, war mein erster Gedanke. Außerdem war die Datei viel zu groß. 16 MB kann man nun wirk­lich niemanden zumuten.  Kleiner rechnen! Zur Not nur ausge­wählte Zeug­nisse und einen für weitere einen Link mit Zugang z.B. auf die Dropbox senden — bei der E‑Mail ist mit 3 MB Schluss. Und, bitte, benennen Sie die Mappe nicht mit bewerbung.PDF! (hat der Bewerber nicht gemacht, aber sehe ich ständig).

Beim Anschreiben und im Lebens­lauf legte ich kurz­ent­schlossen selbst Hand an und formu­lierte einen authen­ti­schen Brief. Authen­tisch heißt für mich: dicht bei der Wahr­heit, aber immer positiv. Die Kunst der Bewer­bung ist, die wesent­li­chen Dinge zu betonen und andere nicht zu erwähnen. Die Kunst ist auch, Moti­va­tionen auszu­drü­cken und rüber­zu­bringen, mit welchem Menschen man es zu tun hat. Ein biss­chen Storytel­ling schadet nicht, man sollte es aber nicht über­treiben.  Und sich kurz halten.

Authen­ti­zität finde ich extrem wichtig, vor allem auch im Mittel­stand: Sonst werden extro­ver­tierte Charme­bolzen erwartet, die sich als nüch­tern und sach­lich raus­stellen oder umge­kehrt. Um den Touch Persön­lich­keit einzu­bringen, bin ich immer dafür, auch etwas Privates in den CV zu geben, gerade für Berufs­ein­steiger ohne jahre­langen Track Record. Es sagt einfach etwas aus, wenn jemand schreibt „letzter Mara­thon, New York 2011, Lauf­zeit 2:56:22“. Und das, was es aussagt, ist meist mehr als nur ein Klischee. In Sachen Mara­thon gibt es sogar Studien, die den Zusam­men­hang zwischen sport­li­cher und beruf­li­cher Leis­tungs­ori­en­tiert­heit belegen. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Es muss nicht jeder Mara­thons unter 3 Stunden laufen. Es kann auch ein Jagd­schein sein, die Vergan­gen­heit als Leis­tungs­schwimmer oder das Hand­ball­spielen. Ein Bekannter von mir, Beach­vol­ley­ball­trainer, bestä­tigt, dass seine Sportart wirk­lich fast nur extro­ver­tierte, im Team Spaß suchende Menschen anzieht. Über­prüfen Sie also, ob das was Sie schreiben, Asso­zia­tionen weckt, die stimmen und stimmig sind.

Nun muss der Bewerber noch entscheiden, ob er meinen Rat annehmen möchte und dann kann es losgehen mit den neuen Bewer­bungen. Mein Gefühl ist, dass wir auch beim Thema Vorstel­lungs­ge­spräch was machen müssen. Aber bis dahin hat es noch etwas Zeit: Erst mal sollen die Einla­dungen kommen!

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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19 Kommen­tare

  1. Chris­toph Burger 7. November 2012 at 21:10 — Reply

    Hallo Svenja und Mitle­sende,

    klasse Expe­ri­ment! Ich kann von der Ferne allen Maßnahmen zustimmen. Ihr zeigt damit, was alles möglich ist, wie und wozu eine gute Bera­tung taugt. Wenn irgendwo in den Medien auftaucht “100 Bewer­bungen, trotz begehrter Profes­sion” bin ich immer sicher, dass man eine Menge machen kann.

    Außerdem doku­men­tiert der Fall hervor­ra­gend, was ich immer wieder predige: Recht­zeitig in die Karrie­re­be­ra­tung gehen! Einen Groß­teil der Probleme, die jetzt mühsam mittels Bewer­bung beackert werden, hängen mit vergan­genen beruf­li­chen Entschei­dungen zusammen (z.B. zweites Studium, wozu? Wann wie viel Bewer­bungen an wen?).

    Viel Erfolg! Ich bin gespannt auf den 3. Teil — Zähl­bare Bilanz nach 3 Monaten.

    Beste Grüße, Chris­toph Burger

  2. Svenja Hofert 8. November 2012 at 9:25 — Reply

    Hallo Chris­toph, ja, man kann immer enorm viel raus­holen. Höre oft: Och mein CV ist super, darüber müssen wir nicht reden, und dann schlage ich die Hände über den Kopf, wenn ich´s sehe. Ich finde das Thema Bewer­bung auch immer nach­ge­la­gert, ohne stra­te­gi­sche Bera­tung gibt es das bei uns nicht. Denn Persön­lich­keit, beruf­li­ches Ziel und Stra­tegie bei der Bewer­bung sind eins, das kann man meiner Meinung nach nicht trennen. LG Svenja

  3. Chris­toph Burger 8. November 2012 at 9:48 — Reply

    genau so ist es! 🙂

  4. Anna Meyen­graf 8. November 2012 at 10:07 — Reply

    Vielen Dank für die Beschrei­bung diese Expe­ri­mentes. Ich fühle mich sehr stark an die Situa­tion meiner Schwester erin­nert. Sie hat 2008 ihren Abschluss in BWL gemacht und wäre vom Unter­nehmen, in dem sie ihre Diplom­ar­beit geschrieben hat, auch über­nommen worden, wäre es nicht ausge­rechnet September 2008 gewesen. Sie hat nach etwa 100 erfolg­losen Bewer­bungen ein Prak­tikum ange­nommen, aber auch hier konnte sie wegen eines Einstel­lungs­stopps nicht über­nommen werden. Nach weiteren 90 Bewer­bungen hat sie endlich eine Stelle gefunden, die zwar nicht exakt ihren Vorstel­lungen entsprach, aber immerhin nicht voll­kommen aus der fach­li­chen Rich­tung schlug. Zwei Jahre später hat sie den Wechsel in ihren Traumjob mit einem unbe­fris­teten Arbeits­ver­hältnis geschafft.
    So zwischen der 50sten und 190sten Bewer­bung hat sie aber auch darüber nach­ge­dacht, ob ein weiteres Studium ihre Situa­tion verbes­sern könnte. Dass sie sich letzt­lich dagegen entschieden hat, hatte viele Gründe, aber vor allem den, dass Brot nicht in Schränken wächst. Ich empfinde es auch nicht als Makel, ein zweites Studium zu machen, voraus­ge­setzt die Kombi­na­tion lässt sich schlüssig erklären.
    Aus Ihrem Text, Frau Hofert, lassen sich sehr viele gute Tipps für die eigenen Bewer­bungen ziehen und lassen mich immer mal wieder einen anderen Blick­winkel auf meine Bewer­bung und auch auf meine beruf­liche Entwick­lung einnehmen. Vielen Dank dafür. Dass man jetzt teil­haben kann an einem Bera­tungs­pro­zess, macht auch noch mal das Vorgehen klar.
    Zu meinem Vorredner möchte ich noch sagen, dass Karrie­re­pla­nung zwar wichtig und auch richtig ist, dass man aber auch das rich­tige Maß finden muss. Ich kann nicht jeden Schritt bis ins Detail planen. Vieles hängt nach meiner Erfah­rung auch davon ab, zur rich­tigen Zeit am rich­tigen Ort zu sein. Die Kunst ist, diesen Zeit­punkt zu erkennen und dann das geplante Ziel anzu­vi­sieren. Ohne Karrier­pla­nung kann ich kein Ziel entwi­ckeln und auch nicht die notwen­digen Zwischen­schritte und mögli­chen Maßnahmen erkennen. Wenn man aber zu versteift nur den einen geplanten Weg verfolgt, muss man zwangs­läufig enttäuscht werden. Denn die Wahr­schein­lich­keit, dass alles nach Plan läuft ist nicht unbe­dingt hoch.

    Herz­liche Grüße
    Anna Meyen­graf

    • Svenja Hofert 8. November 2012 at 12:36 — Reply

      vielen Dank für die nette Ergän­zung. Da haben Sie voll­kommen recht, man kann und sollte nicht jedes Detail planen. Aber es hilft schon, genauer zu wissen, wass man möchte. Andrer­seits ist dieses “was” für junge Menschen sehr viel schwerer zu fassen, weil dese nicht auf ausrei­chend Erfah­rungen zurck­greifen können. Die Karrie­re­pla­nung nach dem Studium kann also durchaus etwas offener sein als später. Aber eben nicht zu offen, dann wird und wirkt sie beliebig. LG SH

  5. Chris­toph Burger 8. November 2012 at 14:42 — Reply

    Hallo Frau Meyen­graf,

    Sie rennen bei mir offene Türen ein, wenn Sie zu starre Ziele kriti­sieren.

    Wozu Bera­tung? Svenja Hofert hat für den vorlie­genden Fall ein dutzend Punkte beschrieben, die in einer knappen Arbeits­­markt-Lage jeder für sich zur Ableh­nung führen kann.

    Nehmen wir nur mal den Punkt mit den 16 MB Anhang­größe. Ein entschlos­sener Perso­naler wird den Anhang gar nicht erst öffnen oder die Entschei­dung zur Absage treffen, wenn er die erste Minute seiner Arbeits­zeit durch reines Hoch­laden des Anhangs verschwendet hat — und andere Bewerber vorziehen.

    Und in der Art hat unser Bewerber ja einen kleinen Fett­­näpf­chen-Parcours hinge­legt. Unab­sicht­lich und unwis­send, klar. Deshalb ja die recht­zei­tige Bera­tung. Sie ist immer sinn­voll, wenn nicht alles sofort optimal läuft, z.B. Unsi­cher­heit über eigene Stärken, sinn­volle Ziele oder den Bewer­bungs­pro­zess bestehen, Kommu­ni­ka­ti­ons­si­tua­tionen im Unter­nehmen schwierig sind usw.

    Ich habe das einmal mit einem Auto vergli­chen, das man nie zur Inspek­tion bringt. Wenn dann etwas kaputt ist, wird es meist beson­ders aufwendig.

    Schöne Grüße,

    Chris­toph Burger

    • Anna Meyen­graf 12. November 2012 at 12:38 — Reply

      Hallo Herr Burger,

      ich habe den Eindruck, wir haben uns miss­ver­standen. Es ging mir in keiner Sekunde darum, Bera­tung und Karrie­re­pla­nung für nicht sinn­voll zu erklären. Ganz im Gegen­satz, beides ist sehr sinn­voll und ich habe und nehme es für mich auch in Anspruch. Es ist nur ebenso wichtig, das rich­tige Maß zu finden.

      Viele Grüße
      Anna Meyen­graf

  6. Florian 9. November 2012 at 13:56 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    Ihre “Fall­studie” finde ich sehr inter­es­sant — bin ich doch selbst suchender Absol­vent. Die Fett­näpf­chen (so rede ich mir ein) sind mir alle bewusst, da Recrui­ting auch mein Stecken­pferd ist.

    Zum letzten Teil Ihres Arti­kels kommt bei mir wieder die Frage auf: Wie könnte ich meine Hobbies/Interessen gewinn­brin­gend verkaufen?
    Mir ist voll­kommen klar, was mit Mara­thon o. ä. vermit­teln werden soll. Mein Problem besteht (glaube ich) darin, a) nur “Main­stream-Spor­t­ar­­ten/In­­ter­essen” zu können/haben und b) diese viel­leicht über­durch­schnitt­lich gut, aber eben nicht sehr gut.
    Sprich:
    — ich spiele ganz passabel Fußball,
    — fange (mit Stra­tegie) einen Fisch, wenn ich angeln gehe,
    — ziehe beim Kickern in der Kneipe meine Freunde ab,
    — kann in meinem Umfeld zumeist mit Fach­wissen über Unter­hal­tungs­elek­tronik glänzen/helfen.
    — etc. (Im Nach­hinein hätte ich mich in früher Jugend viel­leicht mit Zehn­kampf beschäf­tigen sollen)

    Summa summarum bleibt am Ende des Tages davon nicht viel übrig. Keine Urkunde vom NY Mara­thon oder Bild vom Tauch­gang mit Quas­ten­flos­sern. Guter Small-Talk-Stoff für Parties, aber nichts, um damit im Anschreiben “den Anker zu werfen”.
    Nun rede ich mir ja ein, dass diese breit­ge­fä­cherte Neugier bei einem gene­ra­lis­ti­schen Aufga­ben­ge­biet von Vorteil sein könnte. Und mittel­fristig möchte ich auch dorthin..als HR-Refe­­rent o. ä.

    Im Gespräch könnte ich das wohl eini­ger­maßen verkaufen. Viel­leicht haben Sie (oder sonst wer) einen Tipp, wie ich das in den Unter­lagen kommu­ni­zieren könnte, ohne damit zu lang­weilen oder in die — alles mal gemacht haben, nix richtig können — Schub­lade gesteckt zu werden?
    Die Ratgeber-Lite­ratur zu dem Thema finde ich zu lang­weilig und pauscha­li­sie­rend.

    Sorry für den zu langen Kommentar..meine Story ist wohl jedoch keine eigene case study wert 😉

    Viele Grüße

    Florian

    • Svenja Hofert 9. November 2012 at 16:39 — Reply

      finde ich auch lang­weilig, diese Ratge­ber­li­te­ratur. Die alten Besser­wisser 😉 Ähm, ich finde, da sind doch eine Menge cooler Sachen dabei, Angeln z.B. in Kombi mit Fuss­ball und Tisch­ki­cker und Elek­tro­nik­wissen, dass bei der Auswahl hilft, finde ich inter­es­sant und in der Kombi be- und vermer­kens­wert genug. Wie gesagt, Sie können ja nicht in jedem Job die leis­tungs­ori­en­tierten Über­flieger haben, braucht man auch nicht überall. Hoch­leister sind eh nur rund 5%, wenn es 95 wären, würden die Unter­nehmen gar nicht mehr richtig funk­tio­nieren.
      Also rein­schreben, wie es ist 🙂 LLG SH

  7. Chris­toph Burger 9. November 2012 at 19:37 — Reply

    … das ist doch mal richtig span­nend hier… also rate ich gern noch hinterher. Florian: So, wie Sie Ihre Hobbys beschreiben, ist das super-inter­es­­sant, finde ich auch.

    Genauso wie bei Ihnen ist es meis­tens. In der Version des Lebens­laufs, die ich bekomme, steht z.B. Schwimmen und Lesen. Dann frage ich nach, welche Art von Schwimmen und was gelesen wird. Dann umschreiben die Leute ihr Hobby. Und siehe da: Der eine ist Vereins­schwimmer, der nächste schwimmt nur in Natur­ge­wäs­sern. Eine liest “alles, von der Frau im Spiegel beim Friseur, bis zu Dosto­jewski am Kamin”, die andere bevor­zugt “histo­ri­sche Romane und aktu­elle Sach­bü­cher.” Und schon wird es persön­lich und inter­es­sant.

    Bei Ihnen, Florian, fände ich es erwä­gens­wert, Ihre Frei­zeit fast wört­lich so rein­zu­schreiben, wie Sie es oben getan haben. Sehr inter­es­sant, sympa­thisch und unge­wöhn­lich.

    Beste Grüße, Chris­toph Burger

  8. Lars Hahn 10. November 2012 at 19:02 — Reply

    Jetzt schreibe ich doch noch was:
    Hoch­schul­ab­sol­venten haben es bisweilen wirk­lich schwer, den Einstieg zu finden. Bei manchen dauert es viele Monate, gar Jahre. Und: In der Tat, es lässt sich vieles tun.
    In unserer Praxis sind wir immer wieder über­rascht, wie viele sich noch auf die klas­si­sche Ratge­ber­li­te­ratur verlassen und ausschließ­lich Bewer­bungen versenden. Bisweilen nützt es eben nichts, den Lebens­lauf zum 81. Mal zu pimpen. Wenn Lücken da sind, Unklar­heiten oder beson­dere nach­tei­lige Merk­male fliegt eben die noch so geglät­tete Bewer­bung raus.
    Dann sind eben infor­melle Stra­te­gien gefragt. Netz­werken z.B., also eben nicht Vitamin B, sondern Vitamin N funk­tio­niert selbst für zurück­hal­tene Menschen, wenn sie es über die fach­liche Schiene, ggf. sogar übers Web tun.
    Weiter­bil­dungen können, wie Svenja oben beschrieben hat, Türöffner sein, wenn ich sie richtig einsetze. Wir empfehlen u.a. die bei uns erwor­benen Weiter­bil­dungen als Thema für Exper­ten­ge­spräche zu nutzen. Über Prak­tika und Projekt­ar­beiten in Betrieben, die wir gemeinsam besorgen, gelingt meis­tens ein guter Einstieg.
    Das Wichigste sollte in vielen Fällen erstmal sein, sich selbst zu posi­tio­nieren. Was kann ich wirk­lich? was will ich wirk­lich? wo liegt mein indi­vi­du­eller beruf­li­cher Planet?
    Da kann es ratsam sein, die Bewer­bungs­un­ter­lagen einige Wochen komplett beseite zu lassen.

  9. Lars Hahn 10. November 2012 at 19:04 — Reply

    Ach und danke für die Refe­renz. Wir sind zwar Weiter­bil­dungs­experten, aber das Thema Berufs­pla­nung, Karrie­re­pla­nung ist bei uns zwin­gend mit der Weiter­bil­dung verbunden. Deshalb sind ist die LVQ ja auch Mitglied bei karrierexperten.com

  10. Chris­toph Burger 11. November 2012 at 19:59 — Reply

    Hallo Lars,

    ich stimme zu. Aller­dings passiert es häufig, dass jemand, den man übers Vitamin N kennen­lernt, sagt: Schi­cken Sie mir doch mal Ihren CV. Und dann sind wir halt doch wieder bei Hobbies im Lebens­lauf und ähnli­chen Bewer­bungs­fragen.
    Aber manchmal geht es auch so. “Ach übri­gens, wo Sie jetzt bei uns arbeiten, geben Sie doch mal Ihre Bewer­bungs­un­ter­lagen in der Perso­nal­ab­tei­lung ab”. Also: Vitamin N UND Bewer­bungs­un­ter­lagen pimpen UND Stra­tegie UND Weiter­bil­dung … es gibt eben viele Schräub­chen zum Drehen.

    Schöne Grüße, cb

    • Svenja Hofert 13. November 2012 at 11:30 — Reply

      also, Lars, ich finde die Kontakte auch absolut wichtig, aber das Schrift­liche ist nicht zu unter­schätzen. Wer sich gut und geschickt ausdrückt hat einen deut­li­chen Vorteil… gerade in erklä­rungs­be­dürf­tigen Berufen — und das können die wenigsten von Haus aus.

  11. Florian 12. November 2012 at 14:46 — Reply

    Vielen Dank für die Hinweise Frau Hofert und Herr Burger.

    Ich finde natür­lich auch, dass meine Hobbies und Skills total span­nend sind, sonst hätte ich sie ja wahr­schein­lich nicht.

    Aller­dings hilft mir das nicht ganz weiter. Ich kann Ihnen hier im Kommen­tar­be­reich viel­leicht dazu eine inter­es­sante Story aufti­schen, aber in meinem Anschreiben sollte das ganze ja am besten nur in 2 Sätzen geschehen, die sich dann irgendwie positiv auf die ange­strebten Tätig­keiten ableiten lassen. Also Schema: Marathon->Ehrgeiz, Ausdauer-> Führungsposition/Vertrieb oder so ähnlich..
    Das ist bei Stan­­dard-Sachen aber viel schwie­riger. Meiner Meinung nach bietet sich das zumeist nur für exoti­sche Sachen an. Ein “ich spiele Fußball, wir sind 11 Leute, ich bin team­fähig..” is wat für Azubi-Anschreiben.

    Und: “Scharf­sinn und zugleich Engels­ge­duld konnte ich oftmals beim nächt­li­chen Aalan­geln unter Beweis stellen, die mir auch in der zähen Zusam­men­ar­beit mit dem Betriebsrat von Nutzen sein werden.” werde ich ja nun mal nicht schreiben können.

    Mir als Stan­­dard-Absol­­vent mit Stan­­dard-Hobbies — im mit Absol­venten über­schwemmten Bereich Personal — fehlt also so ein biss­chen der Eyecat­cher, ein/e USP wie der Marke­teer heute spricht. 90% der Recruiter werden meinen CV (und insbe­son­dere etwas zu Hobbies) ja nur über­fliegen.

    Das ist natür­lich nicht das Züng­lein an der Waage. Da mir aber auf diese Frage keine weise Antwort einfallen mag, kam mir Idee Experten zu fragen. Ist natür­lich schwierig ohne konkrete Vorlage..ist mir klar.

    Viele Grüße

    Florian

  12. Florian 12. November 2012 at 14:53 — Reply

    Ach..und Frau Hofert?!

    Ihre Ratge­ber­li­te­ratur muss ich da natür­lich ausklam­mern.
    So habe ich Sie auch in meiner Diplom­ar­beit zitiert..aber gehen Sie bitte erst auf Plagia­te­jagd, wenn ich Minister a.D. bin und ausge­sorgt habe.

  13. Chris­toph Burger 13. November 2012 at 9:00 — Reply

    Hobbies zum Eycat­cher im Anschreiben machen, ist schwierig. Die Haupt­ar­gu­mente im Anschreiben sollten im Normal­fall berufs­ori­en­tiert sein. Mit Noten, Gesamt­ge­stal­tung, passenden Prak­tika, Text-Stil im Anschreiben etc. sollte man im Normal­fall genug Aufmerk­sam­keit errei­chen können, so dass die Hobbies im CV auch noch über­flogen werden und dann letzt­lich ihr Ziel errei­chen.

    Beste Grüße, Chris­toph Burger

  14. Svenja Hofert 13. November 2012 at 11:32 — Reply

    Storytel­ling ist eine Vari­ante, ich erzähle etwas anstatt dass ich groß rumar­gu­men­tieren. Funk­tio­niert in der PR und in der Bewer­bung… mach ich mal enen Beitrag drüber demnächst.
    Und Florian: keine Sorge, dazu habe ich erst in Rente Zeit und das sind noch ein paar Jahre 😉

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