Kate­go­rien

Zukunft der Bewer­bung Teil 3: Lebens­lauf per Maus­klick

Published On: 3. November 2014Cate­go­ries: Führung

Lebens­lauf per Maus­klick? Und dann auch noch „gutaus­se­hend“? Vor drei Jahren testete ich an dieser Stelle Visua­lize me. Die Soft­ware, die Daten aus LinkedIn impor­tiert, hat seitdem die Zahl der Info­gra­fiken weiter­ent­wi­ckelt. Für klas­si­sche Lebens­läufe eignet es sich aber nicht. Zu unfle­xibel die Layouts, zu schlecht die Texterken­nung. Seit Mai gibt es etwas Neues aus Deutsch­land, powered by Xing: Lebenslauf.com. Das Programm verar­beitet das Xing-Profil oder einen Word-Lebens­­lauf zu einem ansehn­li­chen Doku­ment in sechs verschie­denen Basis­lay­outs und mehreren Farb­va­ri­anten. Der Lebens­lauf lässt sich auch direkt eingeben. Xing-Premium-Mitglieder können kostenlos damit arbeiten und auch die Lebens­läufe ihrer Freunde verwan­deln… obwohl das Tool wohl eher für die Akquise neuer Mitglieder gedacht ist. Um den CV an die eigene Adresse schi­cken zu lassen oder als Website zu spei­chern, braucht man den Account.

Mein Test:

schön übersichtlich...

schön über­sicht­lich…

Zunächst habe ich meinen eigenen Lebens­lauf aus Xing impor­tiert. Das ging problemlos. Das Ergebnis könnt ihr euch hier ansehen. Ich finde, das macht etwas her. Die einzelnen Punkte lassen sich einfach weiter­be­ar­beiten. Top. Blöd nur, dass sich manchmal … nicht weglö­schen lassen — das ist etwa da der Fall, wo das Tool chro­no­lo­gi­sche Daten verlangt und keine bekommt. Blick­fang­punkte zur Glie­de­rung von längeren Tätig­keits­listen oder Auffüh­rungen der „Beiträge zum Geschäfts­er­folg“, die Ihnen unseren Mana­ge­­ment-CVs dazu­ge­hören, lassen sich leicht einfügen.

Andere Formate impor­tieren

lebslaufcom_mann

Danach habe ich einige unserer Kexpa-Muster­­vor­­lagen verar­beitet. Das sind oft umfang­rei­cherer Werke und die Beson­der­heit ist bei den Manage­ment­va­ri­anten ein Exce­cu­tive Summary oder ein „Kurz­profil“, das dem Lebens­lauf vorge­schaltet wird. Beim Import aus Word zeigt sich: Damit können nicht alle Layouts etwas anfangen. Während sich der Block des Summarys teil­weise per Klick ganz nach vorne schieben lässt, hängt er sich bei den anderen hintenan. Das muss dann nach­be­ar­beitet werden – oder man trickst, indem man das Execu­tive Summary als Anlage anfügt. Da der Down­load nicht in Word erfolgt, sondern als PDF, braucht man Adobe XI oder ein anderes Programm, in dem ein PDF direkt verän­dert werden kann. Der Rück­trans­port in Word zerhaut das Layout leider, sämt­liche Format­vor­lagen sind raus (was nicht an der Soft­ware liegt, sondern ein gene­relles Problem bei der Umwand­lung PDFs in Word ist).

Die Layouts

bold_shBei den Manage­ment­le­bens­läufen taugen nicht alle Vorlagen. Es eignen sich vor allem die Layouts „Boxes“ und „elegant“. „Oswald“, das ich für meinen Lebens­lauf ausge­wählt habe, gefällt mir persön­lich sehr. Rot ist aller­dings eine Risi­ko­farbe in konser­va­tiven Bran­chen. Das Layout „Bold“ ist sehr prägnant, kommt aber wirkungs­voll rüber. „Beveled“ ist das jüngste Design — das ist hier das pinke. Ich würde es nicht gerade für eine Finan­z­­buch­halter-Bewer­­bung auswählen, finde es aber z.B. für Online-Redak­­teure oder Spie­le­de­si­gner passend. Ein Problem ist mit diesen Layouts übri­gens gelöst: Die digi­tale Unter­schrift im Lebens­lauf und das Datum sind nicht vorge­sehen. Eine lästige Formalie, über deren Sinn man im digi­talen Zeit­alter sicher streiten kann.

Als Drittes hat mein Sohn das Portal genutzt um seine Schü­­ler­­prak­­ti­­kums-Bewer­­bung zu erstellen. Er hat die Daten direkt einge­geben und hatte so eine prima Vorlage, die viel moderner ist, als was die Arbeits­agentur in der Schule ausge­hän­digt hatte. Da standen doch glatt noch die Eltern­be­rufe. Auch die sind hier nicht vorge­sehen. Endlich.

Fazit: „Dieser Lebens­­lauf-Editor ist die wahr­schein­lich beste Möglich­keit, sich unkom­pli­ziert und kostenlos einen profes­sio­nellen Lebens­lauf alsWeb­site und PDF-Datei zu erstellen“, steht auf der Website. Außerdem „made with love“ in meiner Heimat­stadt Köln. Ja, das stimmt.

Für Karriere- und Bewer­bungs­be­rater, die ihre Haupt­auf­gabe in der Bewer­bungs­er­stel­lung sehen, ist so eine Lösung natür­lich in gewisser Weise auch Bedro­hung – mit eigenen Layouts und Vorlagen oder gar Praxis­mappen für Bewer­bungen (auch meine eigene lief einst, vor 10 Jahren, 25.000 x) lässt sich da kaum noch punkten. Ich könnte mir vorstellen, dass deshalb kaum einer der Kollegen darüber schreibt. Das ist so wie digi­ta­li­sierte Bera­tung, die ich als Zukunfts­markt sehe: will auch keiner haben. Tradi­tio­nelle Desi­gner dürften ebenso wenig begeis­tert sein – ihr Layout braucht man nun nicht mehr unbe­dingt.

Man kann es aber auch so sehen: Kern­kom­pe­tenz eines Bera­ters sollte es nicht sein, formale Auskünfte zu geben, sondern indi­vi­du­elle Lösungen zu finden. Lösungen, die mehr Know-how und Beur­tei­lungs­kom­pe­tenz beinhalten als sich anlesen lassen. Und wenn man sich über das Design bald keine Gedanken mehr machen muss, dann kann man sich darauf konzen­trieren.

Über das Ende der Bewer­bung und Ihre Zukunft schrieb ich hier 2011.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Susanne Gamm 3. November 2014 at 17:05 — Reply

    Guter Tipp, habe ich auch gleich einmal auspro­biert. Voraus­set­zung ist, dass das Xing Profil voll­ständig ist, dann kann das in der Tat klappen. Selbst mit einem unvoll­stän­digen Profi (wie bei mir) funk­tio­niert es.

  2. […] einen schi­cken pdf-Lebens­­lauf umwan­deln. Dieses neue Tool von XING bietet sogar mehrere Designs. In ihrem Artikel erklärt Svenja Hofert sehr gut, wie genau es […]

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