Kate­go­rien

5 Mal Treib-Stoff – Was sind Ihre Antreiber?

Published On: 28. Februar 2012Cate­go­ries: Karriere

Vor einigen Wochen bin ich auf ein Tool aus der Trans­ak­ti­ons­ana­lyse gestoßen, das ich lange Zeit vergessen hatte. Inter­es­san­ter­weise begegnet es mir gerade bei der Lektüre von Petra Bocks (sehr gutem!) Buch „Mind­fuck“ noch einmal: Zwei Begeg­nungen – wenn das nichts heißt.

Die Trans­ak­ti­ons­ana­lyse des 1970 verstor­benen Psych­ia­ters Eric Berne arbeitet mit den Zuständen Kind-Ich, Erwach­­senen-Ich und Eltern-Ich. Durch einen Wechsel der Perspek­tiven kann jeder sein Verhalten besser steuer. Beispiel: Claudia ist wütend, weil ein Auftrag­geber sie trotz zwei­jäh­riger guter Zusam­men­ar­beit igno­riert. Sie ist mit ihrer Wut im Kind-Ich-Zustand, stampft inner­lich wie ein kleines Rumpel­stilz­chen. Wech­selt sie bewusst in das Erwach­­senen-Ich erkennt sie, dass ihr die Wut gar nichts bringt — diese bewirkt nichts und nützt auch nichts. Im Erwach­­senen-Zustand kann sie das Problem verar­beiten.

Eine prak­ti­sche Nutz­bar­ma­chung liegt im Antrei­ber­kon­zept, das auf der Trans­ak­ti­ons­ana­lyse beruht. Es bietet unter anderem ein Mittel zum besseren Schutz vor Burnout, hilft aber auch bei der Berufs­ori­en­tie­rung und Karrie­re­pla­nung. Das Antrei­ber­kon­zept möchte ich Ihnen heute vorstellen.

1.       Sei perfekt!

Das ist der Antreiber für alle, die nie gut genug sind. Alles kann man besser machen, nichts macht zufrieden. Sei perfekt-Menschen können schlecht loslassen, weil es sein könnte, dass sie einen Fehler gemacht haben. Im Reiss-Profil könnte sich dieser Treiber in einer „grünen Aner­ken­nung“  zeigen, aber auch anderswo seinen Nieder­schlag finden. Sei perfekt verspannt.

Ein Gegen­mittel liegt darin, sich die Erlaubnis zu geben, Fehler zu machen und nicht perfekt zu sein. Versu­chen Sie es mal absicht­lich. Schi­cken Sie z.B. bewusst eine Mail mit Fehlern los. Sie werden merken, dass das keiner merkt (weil es nicht wichtig ist). Freuen Sie sch über die Note „gut“ (wenn Sie doch eigent­lich ein sehr gut wollen) oder die Tatsache, dass Sie sport­lich nur im Leis­tungs­mit­tel­feld liegen. Ist halt so.

2.       Streng dich an!

Das ist der Treiber für alle, denen es nie zu schwer sein kann. Im Karrie­re­anker von Edgar Schein, mit dem ich gern arbeite, ist das der Anker totale Heraus­for­de­rung. Sei klüger, intel­li­genter, mach was! Nichts darf leicht fallen, denn dann ist es nicht wert.

Ein Gegen­mittel liegt darin, Aufgaben mit Leich­tig­keit zu machen. Man muss nicht immer ackern — es reicht bis 16 Uhr in der Firma zu bleiben. Man muss auch nicht immer mehr und mehr lernen: das Kompe­tenz­ni­veau reicht auch so schon aus.

3.       Beeil dich!

Die Hand­lungs­ori­en­tierten unter uns könnte sich hier wieder­finden. Ich gebe zu, dies ist ein bei mir stärker ausge­prägter Treiber. Schnell machen, schneller sein, auch wenn zur Eile kein Grund besteht.  Alles sofort,  nichts kann warten.  So mache ich oft 100 Dinge gleich­zeitig.

Ein Gegen­mittel ist es, sich bewusst Zeit zu lassen und die eigene Eile zu hinter­fragen. Ich sage mir inzwi­schen: „Was löst dieses bescheu­erte Gefühl in dir aus, du müss­test JETZT ins Büro fahren und ABC erle­digen? Geh lieber laufen.“ Oder: „Wieso musst du das heute fertig machen?“ Es reicht so gut wie immer auch morgen.

4.       Sei stark!

Das ist mögli­cher­weise ein Treiber, der bei sehr sach­ori­en­tierten Menschen beson­ders ausge­prägt ist. Sie wollen keine Gefühle zeigen und lassen es nicht zu, sich gehen zu lassen. Selbst in kriti­schen Situa­tionen funk­tio­nieren sie scheinbar emoti­onslos.

Ein Gegen­mittel ist, sich selbst zuzu­ge­stehen, dass Schwäche sympa­thisch ist und mensch­lich. Sie müssen nicht immer funk­tio­nieren. Und dürfen auch als Mann mal weinen.

5.       Mach´s den anderen recht

Sei stark-Treiber sind vermut­lich öfter männ­lich, dieser hier, der Mach´s anderen recht-Treiber, ist weib­lich. Hinter ihm steckt auch: Du selbst bist nicht wichtig, die anderen sind es.  (Über­trie­bene) Fürsorge für Mann und Kind hat  hier oft seine Ursache.

Das logi­sche Gegen­mittel: Finden Sie heraus, was SIE wollen. Arti­ku­lieren Sie Bedürf­nisse. Denken Sie an sich.

Einen Test zum Antrei­ber­kon­zept finden Sie hier. Lesen Sie auch meinen Beitrag „8 Sorten Ehrgeiz“, in denen sich viele der Treiber wieder­spie­geln. Petra Bock sagt in ihrem Buch, wir sind in unseren Emotionen 30 Jahre hinter der Entwick­lung zurück. Genau so ist es. Deshalb sind in uns immer noch Treiber aktiv, die wir nicht mehr brau­chen, um in unserem “System” zu leben.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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