Kate­go­rien

Karrie­re­sys­teme: Vom Fürsorger über den Schorn­stein zum Indi­vi­dua­lismus

Published On: 4. Juni 2013Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Karriere ist überall gleich? Unsinn! Welche Karrie­re­sys­teme gelten in Ihrem Unter­nehmen? Müssen Sie möglichst viele Anhänger um sich scharren? Mess­bare Leis­tung bringen? Oder reicht Dauer-Zuge­hö­­ri­g­keit? Weiter geht es mit meiner Serie “Spiral Dyna­mics” in der Praxis. Dieses Mal bescheibe ich Karrie­re­sys­teme. Ja, die gibt es wirk­lich. Wir unter­nehmen eine Reise von der Fürsor­ge­kar­riere bis heute.

purpurEs gibt sie noch, denken Sie nur an Trigema und seinen Inhaber Wolf­gang Grupp. Ja, das ist der mit dem Affen in der Werbung. Solche Unter­nehmer sorgen sich um ihre Mitar­beiter.. Sie setzen auf lange Zuge­hö­rig­keiten und bieten den Kindern der altge­dienten Arbeiter und Ange­stellten gern einen sicheren Arbeits­platz. Leider ist dieses Modell ein Auslauf­mo­dell. Unter­nehmen werden von auslän­di­schen Firmen gekauft, fusio­niert, zu Akti­en­ge­sell­schaften — und damit ist es dann auch schon vorbei mit der Fürsorge. Ist ja keiner mehr mit Seele dabei. Mails gibt es hier kaum, weil nur jeder 10. einen Zugang hat.

rotHerr­schafts­zeiten! Wer es als Alpha­tier schafft, möglichst viele Anhänger um sich zu scharren, ist der König (Chef). Förder­lich ist eine gute Dosis Narzissmus. Die Führungs­kraft als auto­ri­tärer Sonnen­könig regiert in Mach­t­­kar­riere-Unter­­nehmen immer noch. Dort gelten weiter Regeln des Darwi­nismus, darunter: “Der Stär­kere gewinnt”. Gene­ra­tion Y, bitte meiden. In Mails herrscht das BCC:… heimlich…strategisch…hehe.

blauDie klas­si­sche Schorn­stein­kar­riere ist blau, also struk­tu­riert und ordent­lich. Hier schafft es nach oben, wer lange dabei ist, kraft seines Amtes. Gibt es immer noch, nicht nur in Behörden. Die Führungs­kraft ist hier eine flei­ßige Fach­kraft. Das CC: in E‑Mails: eine Pflicht­übung — und Unter­schriften in der Rund­lauf­mappe müssen sein.

 

orangeTop, die Leis­tung gilt! Under­per­former? Solche Begriffe spie­geln klar oranges Denken. Die Leis­tungs­kar­riere ist nach wie vor sehr verbreitet. McKinsey lässt grüßen. Hier gibt es kate­go­ri­sierte Mitar­beiter — A, B und C. Und wenn da nicht diese laue deut­sche Gesetz­ge­bung wäre, die von Blau­den­kern mit ihren Sozi­al­plänen instal­liert wurde, würde man die rund 23% under­per­for­menden “C” sofort vor die Tür setzen. Das CC:. ist hier eine stra­te­gi­sche Erfolgs­mel­dung.

grünAll toge­ther now! Die Team­kar­riere beherrscht die Stel­len­an­zei­gen­ge­stal­tung, aber sonst vor allem Startups wie Jimdo. Wir arbeiten gut zusammen, lautet hier das Motto der oft Yoga-freu­­digen Mitar­beiter. Der Chef ist Mode­rator, wie in meinem Inter­view mit Gudrun Happich schön beschrieben. Ooooooooohm! DIE Wahl­heimat der GenY, wenn sie nicht schon nach GELB schielen.

gelbNun ja, wohin es führt, wenn “Grüne” zu “Gelben” werden, sah man jüngst bei Yahoo: Back to Company home, sagt Marissa Meyer. Tatsäch­lich bei zu viel Home Office besteht eine gewisse Verein­ze­lungs­ge­fahr, sofern nicht das Türkise dazu kommt, was ich derzeit noch nicht richtig skiz­zieren kann (Motto: social). Wir sehen Techies mit ihrem — nicht mehr Apple nein (out), Lenovo! — im Cafe, Free­lancer im Beta­haus und Solo­un­ter­nehmer im Wald… Da veran­stalten sie Hunde-Frei­­zeiten, da die ja auch schon am Burnout leiden.

Und wo arbeiten Sie?

Die meisten Karriere-Ratgeber sind übri­gens Orange geprägt. Aber orange ist nicht der Königsweg zum Erfolg. Meine sind bunt 😉

Nach­trag September: Ab sofort bin ich zerti­fi­zierte 9Levels-Trai­­nerin.

© alle Texte und Bild­chen von Svenja Hofert

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Bianca 5. Juni 2013 at 13:55 — Reply

    Welch frischer, punkt­ge­nauer Beitrag! Groß­artig! Ich bin ja über­zeugt davon, dass die klas­si­sche Schorn­stein­kar­riere immer mehr zur Team­kar­riere wech­seln wird — so stirbt der Tradi­ti­ons­be­trieb irgend­wann aus (na ja, viel­leicht nicht ganz … Aber er wird von neuen Gene­ra­tionen betrieben und damit iiiir­gendwie fast wieder zum Start-up, oder?) und Start-ups kommen. Kein Wunder: Durch den verstärkten Einsatz flexi­bler Arbeits­zeit­mo­delle funktioniert’s für viele Ange­stellten, sich nebenbei selbst­ständig zu machen. Es soll in der Yoga-Gemeinde Unter­nehmen geben, die Mitar­bei­tern nur eine Drei-Tage-Woche gestatten, damit sie sich “nebenbei” noch austoben können.

    Ich fühle mich auch bunt. Cowor­king-Spaces sind genauso denkbar wie das Home-Office oder die Wiese mit Tablet oder Note­book. Schöne, neue, bunte Arbeits­welt 🙂

    • Svenja Hofert 5. Juni 2013 at 15:01 — Reply

      danke­schön für so bunte Blumen! LG Svenja Hofert

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