Kate­go­rien

Stra­te­gien gegen Angst: Die Angst zum Assis­tenten machen

Published On: 25. September 2012Cate­go­ries: Karriere

Heute will ich mir mal ein Gefühl vornehmen: Angst. Was hat das mit der Zukunft der Arbeit zu tun? Menschen haben heute andere Ängste als früher. Es gibt für sie “gefühlt” wenig Sicher­heit mehr, jeder ist sein eigener Lebens­un­ter­nehmer — wie auch gestern Horst Opaschowski gestern auf der “Zukunft Personal” in seiner Review der 10 Trends zur Zukunft der Arbeit fest­stellte.

Bindungen lösen sich auf, was fast auto­ma­tisch zu größerem Streben nach anderen Dingen, vor allem Geld und Status führt, aber auch, man lese Bas Kast, zu weniger Glück. Wie ist es zu erklären, dass ein Haufen Wahn­sin­niger — wie letzte Woche geschehen — 20 Stunden auf ein Gerät namens Iphone 5 wartet und so begeis­tert darüber spricht, dass sich die Stimme über­schlägt?  Steckt dahinter auch eine Angst, nicht dazu­zu­ge­hören, wenn man nicht in der ersten High-Tech-Liga mitspielt? Geräte statt Familie: Verlust­angst wird plötz­lich neu definiert.Das passt übri­gens nicht zu Opaschow­skis teils etwas utpoi­schen Vorstel­lungen einer besseren Welt, in der es auch eine Rück­kehr zur Familie und zu sozialen “Konvois”  unter nicht-verwandten Freunden.

Arten der Angst

Die Angst vor dem Abstieg, sich Dinge wie das Iphone nicht mehr leisten zu können, ist eine sehr große. Die Familie fängt einen nicht mehr unbe­dingt auf. Und Frauen können sich auch nicht mehr auf einen Partner verlassen, der es schon richten wird. Das erhöht weib­liche Ängste, zum Beispiel vor dem Jobver­lust. Das erhöht weib­li­ches Unab­hän­gig­keits­streben. Und damit auch Leis­tungs­ehr­geiz.

Wir sehen viele Klienten, die Ängste haben. Vor allem Frauen, was sicher auch daran liegt, dass diese sich Gefühle gene­rell eher zuge­stehen.  Angst kann sich auf unter­schied­liche Dinge beziehen. Angst vor sozialen Abstieg, Angst abhängig zu sein von einem Partner- diese Ängste sind sehr typisch. Versa­gens­angst gehört auch dazu.

Versa­gens­angst

Ins Posi­tive gemünzt sorgt Versa­gens­angst dafür, dass man sich z.B. auf Prüfungen gut vorbe­reitet. Ich wünschte manchmal, ich hätte in der Schule mehr von dieser posi­tiven Angst gehabt. Gute Schul­leis­tungen haben nämlich nur sehr selten mit echtem Inter­esse am Unter­richt zu tun, sondern oft viel mehr mit Angst. Nein, meist werden gute Leis­tungen erzeugt von Versa­gens­angst und/oder der Angst vor dem Verlust der Aner­ken­nung seitens der Lehrer oder Familie. Ins Nega­tive gedreht, blockiert diese Angst, macht hand­lungs­un­fähig und erzeugt Prüfungs­angst.

Angst vor der Zukunft

Auch Angst vor der Zukunft kann diesen Effekt haben. Ich sehe ihn oft bei Neu-Selb­st­­stän­­digen, die, sind sie im Dienst­leis­tungs­sektor, immer wieder fest­stellen müssen, dass der verdammte Aufbau länger dauert als geplant. Die erkennen müssen dass man viel, viel lernen muss, auch über sich selbst. Und die Kröten sehr langsam aufs Konto wandern. Natür­lich muss man sich über­legen, wie man mit leeren Konten umgeht, aber eine alle Hand­lungen blockie­rende Angst fördert dieses sich den Dingen stellen nicht gerade.

Angst vor Jobver­lust

Auch Ange­stellte kennen diffuse und sehr konkrete Angst. Gerade jetzt erlebe ich wieder recht viele Kündi­gungen in der Probe­zeit, oft wegen der schlechter werdenden Auftrags­lage, die gern im Marke­ting erste Spuren hinter­lässt. An niemanden geht ein „wir wollen dich nicht“ so einfach vorbei. Die Zukunft der Arbeit fordert den Selbst­un­ter­nehmer, doch der Wunsch nach Zuge­hö­rig­keit bleibt ein sehr mensch­li­ches Grund­be­dürfnis.  Und der Ausschluss aus einer Gruppe, und sei diese noch so fremd und unsym­pa­thisch, kratzt immer an einem.

Manche erleben nach einem Raus­schmiss das erste Mal, dass das Jobleben nicht so einfach ist, wie sie bisher dachten. Hartz IV steht da manchmal sehr unver­mit­telt vor der Tür: 10 Monate nach dem Job gesucht, in der Probe­zeit gekün­digt, kein neuer ALGI-Anspruch aufge­baut, noch zwei Monate Rest­an­spruch. Aus Angst kann da Panik werden.

„Schauen Sie nach vorne, packen Sie es weg“, sagte ich einer Kundin. „Sie müssen das sagen, Sie wollen mich ja moti­vieren“, erwi­dert sie messer­scharf. Ja, muss ich, weil es keine andere Möglich­keit gibt, nachdem man sich mit Gründen ausein­an­der­ge­setzt und reflek­tiert hat, ob es einen eigenen Anteil gab und wenn ja, welchen. Dann entscheiden, was das Lear­ning daraus ist und am besten aufschreiben  — nebenbei eine sehr gute Vorbe­rei­tung für das Vorstel­lungs­ge­spräch. In Angst­starre vor dem grau­samen Arbeits­markt zu versinken, macht keinen Sinn.

2 Stra­te­gien gegen Angst

Es ist auch nicht ziel­füh­rend, sich lange mit sich selbst und seinen Beweg­gründen ausein­an­der­zu­setzen, wenn gerade etwas anderes Vorrang hat. Ich empfehle zwei Stra­te­gien:

1.) die Angst bis auf weiteres in ein Schatz­käst­chen zu packen, um dieses in Gedanken an einem wunder­schönen Platz im Garten oder einem herr­li­chen Wald zu vergraben. Sie nehmen damit Ihre Ängste ernst, aber distan­zieren sich auch, vorläufig. Später können Sie das Käst­chen wieder hervor­holen. Viel­leicht können Sie dann darüber lachen, viel­leicht ist dann die Zeit für eine Ausein­an­der­set­zung mit den zugrunde liegenden Themen. Diese Stra­tegie macht Sinn bei nicht ratio­naler Angst und viel “Gedank­ren­krei­seln”.

2.) Die zweite Möglich­keit liegt darin, die Angst zum Verbün­deten zu machen. Das bietet sich an, wenn Angst die Konzen­tra­tion eher hoch­treibt, sie auf der Grenze zum Kick, auch in posi­tive Hand­lungs­en­ergie umge­münzt werden kann.

Fest steht: Ist die Siche­rung der eigenen Exis­tenz im Vorder­grund, bringt es nichts, sich in die eigenen Abgründe zu vertiefen. Manchmal ist es schwer zu entscheiden: Muss ich das jetzt z.B. thera­peu­tisch bear­beiten oder kann das warten? Wie viel Angst, die sich ja viel­fach paart mit Unglück­lich­sein, ist erlaubt? Dafür gibt es natür­lich keine Pauschal­regel, aber wenn man sich einige Stunden am Tag zufrieden fühlt und arbeits­fähig ist, kann man die nega­tiven Gefühlen will­kommen heißen — und nach einiger Zeit aber auch wieder in das Käst­chen im Wald zurück­schi­cken.

Sie können Zettel aufhängen, mit selbst­mo­ti­vie­renden Aussagen oder Bilder. Sport ist eine sehr wirk­same Methode, frei zu werden von schlechten Gefühlen.  Menschen mit roter „körper­li­cher Akti­vität“ im Reiss-Profil laden dagegen auf, wenn sie einfach nur liegen oder still da sitzen. Die eigenen Moti­va­tionen zu kennen hilft auch gegen Angst, denn die Gegen­mittel ergeben sich aus dem Persön­lich­keits­profil.

Ist Angst nicht auch eine Form der Energie? Energie bleibt immer erhalten.  Sie entscheiden aber, wohin sie fließt und ob sich die nega­tive Energie der Angst nicht in eine posi­tive Energie das Ampa­ckens verwan­delt lässt.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. […] gutes Leben? Karrie­re­bibel: Berufs­­­wahl-Tipps – So planen Sie Ihren Karrie­reweg Svenja Hofert: Stra­te­gien gegen Angst: Die Angst zum Assis­tenten machen Absol­venta Blog: Bruch­lan­dung statt Karrie­re­start – „Weib­lich, jung, […]

  2. Vroni 6. Mai 2014 at 11:44 — Reply

    Sehr guter Beitrag. Ich bin über­rascht, wir haben Angst vor allem und jedem! Ich hatte vor einigen Jahren ein paar Panik­at­ta­cken und wusste nicht, was mit mir los war. Ich war sogar sicher, es wäre körper­lich und nicht psycho­lo­gisch. Was ich mir nie vorstellen konnte ist, dass ich so viele Ängste hatte. Ich war eher eine ängst­liche Person und ich dachte, ich war ganz normal. Ich habe mich bei psyche­plus testen lassen. Es hat mir damals gut getan, nachdem konnte ich mich besser verstehen und die Entschei­dung treffen, einen Psycho­loge zu besu­chen. Bisher habe ich noch keine neue Krise gehabt (toi toi toi) und die Therapie hilft mir noch ganz gut. Ich habe von der ganzen Geschichte etwas fest­ge­stellt: Angst macht sehr unglück­lich und man verliert extrem viele Gele­gen­heiten, die das Leben uns schenkt!!!! Liebe Grüße. Vero­nika.

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