Kate­go­rien

Trend­check: Der Hype um neue Berufe und was wirk­lich dahinter steckt

Published On: 27. März 2012Cate­go­ries: Führung

Wow! Das Wort allein macht schon den Unter­schied. Feel­good Manager – das hört sich nach guter Laune, Well­ness, Wohl­be­finden an. Feel­good Manager sorgen sich um die Mitar­beiter, als Zwitter zwischen HR-Mitar­­beiter und Event­ma­nager veeschö­nern sie nur für ein Berufs­leben, das immer privater wird. Ist das ein Job für Sie? Was steckt hinter diesem so beschwingt klin­genden neuen Beruf? Mehr als der Hauch des Neuen? Ein Trend viel­leicht? Gibt man den Begriff in der Detail­suche bei Xing unter Posi­tion (jetzt) oder Posi­tion (zuvor) ein, erscheint EIN Ergebnis – und zwar die Feel good Mana­gerin bei Spread­shirt in Leipzig. Leider verrät die Dame nicht, welche Ausbil­dung sie hat. Ihre Vorer­fah­rung liegt im Event- und Touris­mus­be­reich. Scheint mir logisch. Mir sind eine kleine Hand voll weitere Unter­nehmen bekannt, in denen Manager fürs Wohl­be­finden ange­stellt sind, jedoch besitzen diese offenbar kein Xing- oder Linkedin-Profil. Oder sie tragen einen anders geschrie­benen, unter­neh­mens­spe­zi­fi­schen Titel. Das magere Ergebnis bei Linkedin deutet weiterhin darauf hin, dass es sich offenbar um ein deut­sches Phänomen handelt, andern­falls müssten sich im anglo­ame­ri­ka­nisch geprägten Busi­ness Network mehr inter­na­tio­nale Feel­good Manager finden. Es scheint: Der Job ist eine Ausnah­me­erschei­nung bei Unter­nehmen, die die Zukunft der Arbeit schon jetzt statt­finden lassen wollen – im wesent­lich sind das idea­lis­tisch geprägte Startups. Eine zwei­fellos gute Sache in Zeichen des Demo­­grafie-Wandels, einer immer mehr Sinn und Vergnügen suchenden Gene­ra­tion Y und entspre­chend notwen­digen Employer Bran­dings.

Ich schlage weiter vor als Anwärter für Jobs mit Zukunft:

  • Ange­stellte Karrie­re­be­rater (unbe­dingt nötig in Zeiten, in denen Jobs nicht nur Geld, sondern auch Sinn bringen sollen),
  • Burnout-Prophy­lak­­tiker (siehe 900% Zuwachs Burnout-Fälle seit 2004, Günter Jauch am Sonntag),
  • MBA-Analysten (finden raus, wie viel oder wenig wert ein MBA ist) und
  • Weiter­­bil­­dungs-Evan­­ge­­listen (Fürspre­cher betrieb­li­cher Weiter­bil­dung in jedem Alter).

Das ist noch ein wenig Science Fiction. Nun aber zu Jobs, die es bereits wirk­lich und in größerer Stück­zahl gibt. Ich nehme mir den Evan­ge­listen vor, oft auch Deve­loper Evan­ge­list genannt, was anzeigt, dass dieser meist aus der Entwick­lung kommt. Bei Kimeta.de werden davon immerhin 124 gesucht. Bei Xing gibt es 206 ange­stellte Evan­ge­listen, bei Linkedin kennt 1617 in Germany und fast 7.000 in den USA. Solche Zahlen lesen sich doch ganz anders als der Feel­good Manager. Studieren kann man den Job aber auch (noch) nicht; wie alle echten Jobs mit Zukunft entwi­ckeln sie sich nur bedingt aus einem Studium heraus und basieren im Wesent­li­chen auf Erfah­rung. Hier vor allem tech­ni­sche. Die braucht der Commu­nity Manager nicht. Unter dieser Bezeich­nung finde ich 1774 ange­stellte Personen bei Xing, unter „Posi­tion zuvor“ dagegen nur 747 Commu­nity Manager – eindeu­tiges Signal für einen Anstieg in den letzten Jahren. Der aller­dings wohl seine Spit­zen­zeiten hinter sich hat. Bei Kimeta locken derzeit nur noch 168 offene Stellen. Vor einem halben Jahr, im September 2011 hatte ich für mein Buch „Am besten wirst du Arzt“ noch 1011 gezählt. Das zeigt: Wer zu lange wartet, um auf Trends aufzu­springen, kommt meist zu spät. Man kann heute zum Beispiel nicht darauf warten, bis ein Studi­en­gang aufge­legt ist. Bis zur Akkre­di­tie­rung hat sich der Wind gedreht und die Prak­tiker mit dem Firs­t­­mover-Gen besetzen schon das Feld. Die folgenden Posi­tionen werden dann seniorig besetzt werden – also mit ehema­ligen First­mo­vern. Und das heißt: Mit denen, die Praxis­er­fah­rung besitzen. Weit­ge­hend gleich, was sie studiert haben. Deut­lich zu sehen im Online-Marke­­ting. Hier eine Tabelle mit weiteren Jobs, eine lose Auswahl oft genannter Zukunfts­jobs. Ich habe Sie dem Reali­täts­check unter­zogen:

Was versteckt sich wirklich hinter diesen Jobs?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Astrid Over­beck 28. März 2012 at 11:32 — Reply

    Tolles Chart — danke Frau Hofert. Auch für Karrier­be­rater ist es nicht immer einfach — alle Trends im Blick zu haben. Vom Evan­ge­listen hatte ich zwar schon gehört, aber dass es tatsäch­lich schon so viele mit der Bezeich­nung gibt, war mir neu.

  2. Susanne Hage­dorn 15. Mai 2012 at 8:34 — Reply

    Ich habe diesen Beitrag gerade erst entdeckt. Es gibt ja coches aus den verschie­densten Berei­chen. Feel­­good-Manager hat ja etwas, aber was viele im Busi­ness noch brauche wäre ein “Nutri­tion Coach”. 😉 (Wenn es schon in Englisch sein muss
    Wer nimmt sich heute noch wirk­lich Zeit zum Essen und wer achtet täglich darauf, dass das, was gegessen wird auch reicht um Leis­tung zu bringen.
    Aus der Praxis weiß ich, dass da vieles im Argen liegt.

  3. Jan Thomas Otte 9. Juli 2013 at 13:55 — Reply

    Hi Svenja, hast du Updates zum Jobprofil des “Feel Good Mana­gers”? Wurde von t3n zum Thema ange­fragt, viel­leicht machen wir ein kleines Inter­view — am besten per DM oder mal tele­fo­nieren…

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