Kate­go­rien

Wie viel isst ein Elefant? Oder: Brain­­teaser-Fragen im Vorstel­lungs­ge­spräch

Published On: 8. Juni 2011Cate­go­ries: Führung

Sie wissen das nicht? Es müssen Tonnen sein, wenn ich so an meinen letzten Zoobe­such denke. Aber wie viele? Ich muss passen. Kommen wir besser zu etwas einfa­cherem, zu Garten­schläu­chen. Da kenne ich mich aus. Die Garten­­schlauch-Frage hat gerade meine Face­­book-Commu­­nity beschäf­tigt. „Wie viele Meter Garten­schlauch werden in Deutsch­land jähr­lich verkauft?“

So lautet ein beliebter Brain­teaser, der im Assess­ment Center oder auch mal im Vorstel­lungs­ge­spräch gestellt wird. Die rich­tige Antwort ist dabei nicht wirk­lich wichtig, es geht mehr darum, wie Sie sich den Weg dorthin erschließen. Sagen Sie sofort „hm, ich schätze 3,2 Meter“ oder leiten sie Ihre Antwort syste­ma­tisch her? Spru­deln Sie los oder denken Sie erst? Das sagt einiges über Ihre Persön­lich­keit aus. Dennoch gibt es bei solchen  Fragen keine Muster­lö­sung. Ob Sie sagen „geben Sie mir mal eine Minute das zu durch­denken?“ und sich einen Zettel nehmen oder Ihren Inter­viewer laut spre­chend an ihren Gedanken teil­haben lassen – beides ist in Ordnung. Aller­dings sollte die Antwort begründet werden können. Und das heißt: Logi­sches Schluss­fol­gern ist bei einem Brain­teaser immer wichtig.

  • Wie viel Menschen wohnen in Deutsch­land?
  • Wie viele davon haben ein Haus mit Garten?
  • Wie viele Menschen wohnen in einem Haus­halt?
  • Wie groß ist der durch­schnitt­liche Garten?
  • Wie lang muss ein Garten­schlauch sein, um die Büsche zu errei­chen?
  • Sind Kurven im Garten­schlauch nötig?
  • Wie lange hält ein Garten­schlauch?
  • Usw.

Ich habe die Garten­­schlauch-Frage in Assess­ment Center-Übungen mehr­mals mit insge­samt etwa 100 Personen gemacht. Es ist nicht einmal ein glei­ches Ergebnis heraus­ge­kommen. Macht auch nichts. Wahr­schein­lich kennen nur Garten­­schlauch-Hersteller die echten Zahlen. Ich jeden­falls nicht. Und Ihr Inter­viewer, falls Sie Bewerber sind, ziem­lich sicher auch nicht. Er hat nur einen Kurs für inno­va­tive Inter­view­füh­rung teil­ge­nommen anstatt das Praxis­hand­buch Personal zu konsul­tieren.

Ich erkenne an der Antwort, wie gut das logi­sche Verständnis ist. Die Kommu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit. Nebenbei auch Allge­mein­bil­dung. Die Frage mag als komisch empfunden werden –  gut ist sie dennoch, weil sie viel mehr von einem Menschen zeigt als seine Antwort auf die Frage nach „Stärken und Schwä­chen“.

Ähnliche Fragen kann jeder Perso­naler selbst konstru­ieren – und sollte es auch, denn die Garten­­schlauch-Frage hat sich spätes­tens jetzt rumge­spro­chen. Und so richtig schön ist der Effekt, wenn der Bewerber über­haupt nicht damit rechnet, weil er nur auf altmo­di­sche Stan­dard­fragen einge­stellt ist. Wie viele Menschen leben welt­weit am Exis­tenz­mi­ninum? (inter­es­sant heraus­zu­hören, ob jemand die unter­schied­li­chen Defi­ni­tionen kennt). Oder auch: Was glauben Sie, wie viele Menschen in 100 Jahren auf der Erde leben? Was glauben Sie…?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. DCP 9. Juni 2011 at 9:55 — Reply

    Für Fragen dieser Art haben wir Natur­wis­sen­schaftler sogar einen eigenen Namen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Fermi-Problem

    Grüße
    DCP

    • Svenja Hofert 9. Juni 2011 at 10:04 — Reply

      Danke für den Hinweis, eine inter­es­sante Ergän­zung. LG SH

  2. Stephan 10. Juni 2011 at 13:20 — Reply

    Wie weit is es mit der Glaub­wür­dig­keit von Personal-Bera­­tern? — Warum schi­cken Unter­nehmen Ihre Bewerber nicht einfach zu einem rich­tigen Psycho­logen, wenn Sie ein Psycho­lo­gi­sches Profil möchten? Ja, Ja ich weiß, da würde sich dann jeder und zwar berech­tig­ter­weise dagegen wehren. Ist es denn so verwun­der­lich, dass man das Gefühl hat Recruiter spielen mit Dingen zu denen Sie keinerlei Quali­fi­zie­rung besitzen? Stellen Sie sich vor da sitzt man in einem Inter­view mit einem gerade frisch von der Uni kommenden HR-Berater, am besten noch 10 Jahre jünger als man selbst und bekommt solche Fragen gestellt. Zwei­fel­haft dass auch nur ein Bruch­teil aller s.g. Personal-Berater in der Lage ist Antworten auf solche Fragen in der von Ihnen (wenn auch hier bereits) erläu­terten Form zu bewerten wissen. Ich jeden­falls denke, dass dieser Beitrag ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass sich Recruiter, Personal-Berater und wie auch immer sich die HR-Leute nennen möchten in ihrer Funk­tion salop gesagt einfach und unbe­rech­tigter Weise zu wichtig nehmen.

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