Kate­go­rien

Und Ihr Gehalt? Das Versteck­spiel hat ein Ende

Published On: 11. Oktober 2010Cate­go­ries: Führung

„Die sieht aus, als hätte sie eine Gehalts­er­hö­hung von mindes­tens 10% bekommen“, beschrieb Sandra den Gesichts­aus­druck ihrer Kollegin, nachdem sie aus einem vermu­teten Gehalts­ge­spräch mit dem Big Boss zurück­kehrte. Viel verspre­chendes Lächeln, haha-Seiten­­blick, Adre­na­lin­kick. Das moti­vierte Sandra, auch beim Chef vorzu­spre­chen. Leider hatte sie den Gesichts­aus­druck fehl­in­ter­pre­tiert: „Bei uns kriegt jeder das gleiche“, wollte der Boss ihr weis­ma­chen.

Leider wird das Thema Gehalt in Deutsch­land wie ein großes Geheimnis behan­delt. Anstatt Trans­pa­renz herrscht hier­zu­lande Geheim­nis­krä­merei. Ein neues Portal will dem jetzt ein Ende bereiten: Bei Companize.com können Ange­stellte checken, was Menschen mit glei­chen Berufen und sogar beim glei­chen Unter­nehmen denn so in die Lohn­tüte bekommen. Das funk­tio­niert, zumin­dest im Moment, nur bedingt: Meine Test­ein­gabe Projekt­leiter führte zum Vergleichs­er­gebnis von 500 EUR/Monat. Nun ja. Ich habe hier Projekt­leiter, die zwischen 45.000 und 120.000 Euro verdienen. 500 kann irgendwie nicht stimmen. Einen Ange­ber­schutz gibt es auch nicht: Ich mache oft die Erfah­rung, dass gerade Absol­venten lustig auf die Gehalt­stube drücken: “ich krieg mehr bei Porsche als du bei Daimler, ätsch”.

Inter­es­santer als den nächsten  Gehalts­ver­gleich finde ich die neue öster­rei­chi­sche Rege­lung, wonach Unter­nehmen über 1.000 Mitar­beiter ab 2011 ihre Gehälter offen legen müssen, nach schwe­di­schem Vorbild.  2012 müssen Unter­nehmen mit mehr als 500 Mitar­bei­tern nach­ziehen. Würde Deutsch­land so etwas einführen, bräuchte man derar­tige Portale nicht mehr. Eine Geschäfts­idee weniger, aber auch jede Menge Bewer­bungs­pro­bleme.

Mir hat sich noch nie der Sinn erschlossen, warum Mitar­beiter sich auf ein Rate­spiel einlassen müssen, bei dem sie nur verlieren können. „Leider lagen sie 4.000 Euro über unseren Vorstel­lungen“, zack – Absage. Nun komme mir niemand mit Markt­wert, den man ja selbst heraus­finden müsse — ihn zu erfassen ist in manchen Berufen und Bran­chen fast unmög­lich. Schlecht wäre die öster­rei­chi­sche Rege­lung leider auch für Ange­bote wie Compa­nize. Doch haben die mehr zu bieten als Gehalts­ver­gleiche, dazu morgen mehr.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Jens Sander 11. Oktober 2010 at 18:31 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    vielen Dank für die Erwäh­nung in Ihrem Artikel.

    Darf ich fragen: Könnte es sein, dass Sie auf der Seite [http://www.companize.com/gehaltsvergleich] den Schie­be­regler, also die große Hand, für eine persön­liche Gehalts­ein­stel­lung nicht bewegt sondern aus Versehen die Star­t­ein­stel­lung von 500 € für die Zwischen­aus­wer­tung über­nommen haben?

    Zwar haben wir als neues Startup noch nicht für jeden Beruf, aber bereits doch für recht viele Berufe Vergleichs­an­gaben — auch für Projekt­leiter.

    Herz­liche Grüße aus Berlin,
    Jens Sander

    P.S. Wenn ich das mit dem “Anger­ber­schutz” richtig versteh: Die Nutzer werden eigent­lich darauf hinge­wiesen, dass sie nur eine sinn­volle Auswer­tung erhalten, wenn Sie selbst im Vergleich sinn­volle Eingaben machen. Vor Absenden der E‑Mail-Adresse erhalten die Nutzer auch den Hinweis, dass die Daten aus Quali­täts­gründen nur alle 6 Monate geän­dert werden können.

    Und ansonsten wäre natür­lich für die Arbeit­nehmer eine gesetz­liche Rege­lung wie eine komplette Offen­le­gung in den Unter­nehmen noch einfa­cher, um das Versteck­spiel zu beenden.

  2. Svenja Hofert 11. Oktober 2010 at 18:41 — Reply

    Sie haben recht, den Regler habe ich nicht gesehen — Tomaten auf den Augen 😉
    herz­liche Grüße Svenja Hofert

  3. […] habe ich erst­mals das Unter­nehmen Companize.com vorge­stellt, das unter anderem einen Gehalts­ver­gleich bietet. Das eigent­liche Motto der Site ist aber […]

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