Kate­go­rien

Drei Szena­rien zum Grund­ein­kommen: Wenn Putz­frauen sich selbst verwirk­li­chen und Hand­werker aussterben

Published On: 26. Februar 2012Cate­go­ries: Führung

Im letzten Monat publi­zierte ich einen Artikel über das Grund­ein­kommen aus der Sicht der Karrie­re­be­ra­tung. Es gab nie eine so heiße Diskus­sion in dem Blog. Viele Argu­mente wurden aufge­fahren, Gegner und Befür­worter gaben sich das Wort. Die Debatte findet seitdem weiter statt, medial so gut wie ausschließ­lich vertreten durch dm-Gründer Götz Werner und den Poli­tik­wis­sen­schaftler Chris­toph Butter­wegge. Deren Argu­mente sind inzwi­schen weithin bekannt. Die ökono­mi­schen Kompo­nenten kann ich nicht abschlie­ßend beur­teilen. Ich glaube aber nicht, dass ein Mindest­lohn die Lösung wäre. Der Mindest­lohn ist ein Relikt der Arbeit 1.0 – man braucht ihn, dort wo Arbeit 1.0 vorherrscht, wo sich Zeit­ar­beit ausbreitet, der Taylo­rismus seine Kinder verschlingt. Bei der neuen Arbeit, sinn­stif­tender Arbeit 2.0, macht er kaum Sinn. Ich möchte dieses Mal als Beitrag zu Diskus­sion einmal eine ganz andere Perspek­tive einnehmen, eine die ich am besten kenne: die von mir selbst als Arbeit­geber.

Szenario Eins

Meine Mitar­bei­te­rinnen

Ich kann keine dicken Gehälter zahlen. Meine Praxis läuft sehr gut, aber zu einem großen Teil durch meine eigene Arbeit. Ich lerne jeden Tag so viel über Menschen, Berufe, Bran­chen, Unter­nehmen, Konflikte, Lösungen, das Leben. Ich bekomme Einblicke in das, was derzeit in IT, Mikro­bio­logie und Mathe­matik wichtig und rele­vant ist, verfolge den Ablauf von Kündi­gungen, das Durch­setzen von Abfin­dungen, den Umbau von ehema­ligen Einzel­büros zu neuen Team-Offices mit Vitra-Möbeln: Das alles berei­chert mich zu sehr, als dass es durch ein System von Subun­ter­neh­mern oder andere Konstruk­tionen, in denen ich selbst nicht mehr tätig bin, ersetzbar wäre. Das ist bei mir ähnlich wie bei anderen kleinen Büros für Unternehmens‑, Karriere- und Perso­nal­be­ra­tung, in Arzt­praxen oder auch bei Rechts­an­wälten.

Es ist wohl kein Zufall, dass ich Mitar­bei­te­rinnen habe; alle Kollegen in ähnli­cher Konstruk­tion wuppen die Heraus­for­de­rungen im Wesent­li­chen mit Frauen. Frauen haben oft einen Partner, der mehr verdient. Sie selbst arbeiten, weil ihnen das Arbeits­klima sehr wichtig ist. Viel, viel wich­tiger als Männern.

Wenn das Grund­ein­kommen da wäre

Meine Mitar­bei­te­rinnen arbeiten beide gern, aber ich müsste sie sehr gut pflegen; ich gebe zu, da bin ich schon mal nach­lässig. Würde jemand anderes etwas Inter­es­san­teres bieten oder eine ange­neh­mere Arbeits­at­mo­sphäre, kann ich mir gut vorstellen, dass die Wech­sel­be­reit­schaft höher wäre als jetzt. Im Moment ist es zum Beispiel ein Argu­ment, dass ich ein „Arbeiten wann und wo du willst“ erlaube, es sei denn es geht um Büro­ar­beit, die nun mal Anwe­sen­heit erfor­dert.  Aber reicht das? Ich wie auch andere Arbeit­geber werden gezwungen sein, die Komfort­zonen zu vergrö­ßern und ein wesent­li­cher Hebel dazu ist Auto­nomie. So ließe sich der ein oder andere Mitar­beiter am Ende viel­leicht von jemanden locken, der 500 EUR weniger, dafür aber ein netteres Umfeld bietet.  Das wird anstren­gend für Arbeit­geber, vor allem für die, die keine oder wenig inhalt­lich befrie­di­gende Arbeit bieten können. Ein ganz neuer Typ Chef müsste heran­wachsen, wahr­schein­lich bräuchte man in großen Unter­nehmen Bezie­hungs­ma­nager und Dauer-Coaching für Chefs.

Aber würden auch die Gehälter fallen?

Das behaupten wenigs­tens die Grun­d­ein­­kom­­mens-Gegner. Mir scheint mit Blick auf solche Szena­rien im Mittel wohl eher das Gegen­teil der Fall zu sein. Bei unat­trak­tiven Jobs müssen Arbeit­geber eins drauf­legen, attrak­tive dürfte man auch mal für weniger Geld ausüben. Das könnte das derzei­tige Gefälle verschieben, ist es doch im Moment so: Miese Jobs bringen wenig Geld, inter­es­sante viel. Unter­nehmer wären wohl noch stärker gezwungen auf Renta­bi­lität zu achten, damit sie sich die Mitar­beiter auch zu ange­mes­senen Gehäl­tern leisten können. Das wiederum fordert Weiter­ent­wick­lung des eigenen Unter­neh­mens.

Sie hätten damit Druck, fort­schritt­lich zu sein. Ich sehe z.B. an meiner IT-Klientel, dass ihnen unheim­lich wichtig ist, AKTUELL zu arbeiten, dort zu sein, wo Neues passiert. Deshalb wählen viele die Frei­be­ruf­lich­keit, weil es dort eher möglich ist, am Zahn der Zeit zu arbeiten. Das muss man Mitar­bei­tern bieten können, um sie zu halten. Alles in allem kein schlechter Hebel für die Makro­öko­nomie.

Szenario Zwei:

Meine Putz­frauen

Es war unheim­lich schwer, vertrau­liche Menschen zu finden, denen ich mit gutem Gewissen einen Schlüssel  fürs Büro geben kann. Das mussten Menschen sein, mit denen andere bereits Jahre­lang gute Erfah­rungen gemacht haben. Folg­lich entsprang der “hansea­ti­sche” Vertrag (Hand­schlag) mit den beiden Damen aus einer Empfeh­lung. Ich beute aus Prinzip nicht aus. Wenn sich mir ein Texter, Grafiker oder sonstwer unter Markt­preis anbietet, lehne ich das ab. Die beiden kommen zwei Mal im Monat und erhalten einen soliden Pauschal­preis.

Wenn das Grund­ein­kommen da wäre

Die beiden leben vermut­lich auf einem Niveau, das nicht allzu weit von Hartz IV gelegen sein kann. Das kann ich mir einfach ausrechnen, selbst bei 40 Stunden Arbeits­ein­satz würde etwas heraus­kommen, wovon einige Gutver­diener nicht leben wollten (kürz­lich erzählte mir jemand mit 85.000 Euro Brut­to­ge­halt, er könne davon kaum exis­tieren – soweit zur Rela­ti­vi­täts­theorie der Lebens­qua­lität).

Mit einem Grund­ein­kommen würde sich die Situa­tion von Menschen in einem nied­riger quali­fi­zierten Bereich verbes­sern. Aber ich hätte schon — ganz egois­tisch — etwas Sorge, ob sie noch so zuver­lässig kämen, wenn es mal nicht schlimm wäre, auf das Geld eines Sams­tags zu verzichten? Und über­haupt: Würde noch jemand an Sams­tagen kommen? Auch meine „Perle“ zuhause, die sich mit dem Job das karge Einkommen aufbes­sert: Sie würde das nicht mehr brau­chen. Mindes­tens die Termin­ver­schie­bungen, die für mich einer mitt­leren Kata­strophe gleich­kommen, könnten zunehmen.  Aus einem einfa­chen Grund: Nied­rig­qua­li­fi­zierte Arbeit ist selten Sinn­ar­beit (wobei es  defi­nitiv Menschen gibt, die diese Tätig­keiten gerne machen). Hier hätten wir Arbeit­geber ein Problem, da bin ich recht sicher. Kann der Putz­ro­boter bitte etwas schneller entwi­ckelt werden?

Szenario Drei:

Mein Bedarf an hand­werk­li­chen Dienst­leis­tungen

Diese Woche knallte mein Sonnen­rollo im Büro runter. Kein großes Problem, sollte man meinen. Was aber, wenn  vier unbe­gabte Frauen keine hand­werk­liche Lösung finden, auch die Partner eher 0,0 hand­werk­lich begabt sind und der Vermieter sich nicht zuständig fühlt? Es lässt sich schon jetzt außer­halb von myhammer.de niemand finden, der bereit wäre, sich für einen meinet­wegen sogar doppelten Stun­den­lohn diesem doch sehr zeit­be­grenzten Projekt zu widmen.

Ein Rollo anzu­bringen, ist einfach ein zu geringer Aufwand, ähnlich wie das Anbringen von Toilet­ten­de­ckeln, Türschil­dern oder Lampen im Flur. Für 30 oder 50 Euro bewegt niemand seinen …. Erst recht nicht, wenn er am Ende eine Rech­nung schreiben soll.  Manche Dienst­leister bewegen sich nicht mal für Auftrags­vo­lu­mina von weniger als 1.000 Euro, etwa wenn es darum geht, Trans­pa­rent­fo­lien anzu­bringen oder kleine Bereiche zu begrünen. Auch für Über­set­zungs­auf­träge haben wir oft Schwie­rig­keiten, geeig­nete Partner zu finden (d.h. Partner die Mutter­sprachler sind und Erfah­rungen aus HR und/oder IT haben), die sich auch noch committen in 48 Stunden zu liefern. Ein kleines Design, ein über­schau­bares Lektorat – die Krea­tiv­wirt­schaft jammert meines Erach­tens  manchmal auf hohem Niveau und sucht Aufträge mitunter an der falschen Stelle.

Wenn das Grund­ein­kommen da wäre

Die Situa­tion mit den Dienst­leis­tern aller Diszi­plinen würde sich für uns kleine Unter­nehmen sicher nicht verbes­sern. Es gibt nur eine Lösung: Ich müsste als Arbeit­geber noch akti­veres Networ­king betreiben und gute Bezie­hungen auch in die Hand­werks­szene aufbauen. Dann könnte ich darauf hoffen, dass es einen Freund­schafs­dienst gibt. Über­haupt ist meine These, dass das Hand­werk neue goldene Zeiten erleben wird. Ja, ich rate auch Abitu­ri­enten mal darüber nach­zu­denken, ob man als Elek­triker nicht den Desi­gner mittel­fristig gehalts­tech­nisch um Längen über­rundet.  Aber im Moment stürzen sich ja alle auf die Inge­nieur­stu­di­en­gänge.

Dazu diese Woche mehr. Die Frage Inge­nieur­schwemme oder ‑mangel auch irgendwo mit Grund­ein­kommen zu tum.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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13 Kommen­tare

  1. datums­su­cher 26. Februar 2012 at 13:15 — Reply

    schade, dass es kein publi­ka­ti­ons­datum auf der seite gibt. sonst würde ich ja einen link hierher setzen. wie alt ist der text?????

  2. Enlados 26. Februar 2012 at 16:17 — Reply

    Ja, wenn wir ein Grund­ein­kommen hätten, dann müsste sich die Chefs ausnahms­weise auch mal um die Ange­stellten bemühen. Und richtig, man müsste Angst haben, das nun niemand mehr die Drecks­ar­beit für einen Apfel und ein Ei erldigt. Also wenn das Büro dreckig ist heißt es, selber sauber machen oder eben anständig bezahlen. Das ist aus sicht eines Arbeit­ge­bers natür­lich unvor­stellbar. Wenn man die Leute nicht mehr zwingen kann für einen Hunger­lohn den Dreck anderer Leute weg zu räumen, einfach schreck­lich.

    Ich frage mich, was daran falsch wäre, wenn ein scheiß Job eben weil er so scheiße ist wenigsten gut bezahlt wird? Kein Mensch will Klofrau sein, wenn man erzählt, damm man Klofrau ist wird man ausge­lacht und zum dank wird man auch noch scheiße bezahlt. Das ist doch nicht mehr normal. Mit dem Grund­ein­kommen müssen wir uns eben daran gewöhnen, dass die schlechten Jobs besser bezahlt werden und die “guten” eben nicht mehr so gut. Und dann müssen nicht mehr die Ange­stellten alles hinnehmen was der Chef vorgibt, sonder der Chef muss es den Ange­stellten recht machen. Wenn der Chef dann meint “Du machst heute Über­stunden” dann sag ich “Nö, ich hab schon was vor” und wenn er es nicht kapiert komme ich eben morgen nicht mehr. Ist doch wunderbar! DAS ist Frei­heit! Jetzt haben wir doch nur die Skla­verei des Geldes und damit muss schluss sein, auch wenn es den Chefs nicht passt. Bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen JETZT!

  3. Rich Schwab 26. Februar 2012 at 16:21 — Reply

    “Auch für klei­nere Über­set­zungs­auf­träge haben wir oft Schwie­rig­keiten, geeig­nete Partner zu finden, die sich auch noch committen in 48 Stunden zu liefern. Ein kleines Design, ein über­schau­bares Lektorat …”
    Gerne mal hier versu­chen!
    ’ne schöne Jrooß vom Nieder­rhein — Rich

  4. tiare 26. Februar 2012 at 17:14 — Reply

    Ich denke mir, da das Grund­ein­kommen auch für Unterm­nehmer gilt, können die es auch etwas entspannter angehen.
    Und wenn es genug Geld/Einkommen für alle gibt, können auch andere Preise verlangt/bezahlt werden.

    Und ich sehe nichts verwerf­li­ches darin, das sich Chefs Mühe geben sollten sich mit ihren Mitar­bei­tern gut zu verstehen.
    Ich denke nicht, dass Mitar­beiter täglich einen Enter­tainer brau­chen, sondern sich einfach nur wohl­fühlen wollen. Das reicht.

    Und wenn du Angst hast, dass deine Putz­frauen nicht mehr kämen weil sie sich was schö­neres vorstellen können als zum Harz IV Satz zu putzen, finde ich deine Einstel­lung dazu ein wenig merk­würdig.
    Nach deiner Darstel­lung findest du es gut, das die Damen bei dir putzen zum quasi Selbst­kos­ten­preis und aus lauter Eigen­nutz fändest du es nicht gut, wenn sie mehr Geld bekämen, bzw. fändest du es für dich nicht gut, wenn sie sich für etwas anderes entscheiden würden als bei dir zu putzen.
    Das finde ich ziem­lich egois­tisch.

    Das klingt so, als würdest du es bedauern, dass sie dir dann nicht mehr für einen Hunger­lohn zur Verfü­gung ständen.
    Und, ob mans glaubt oder nicht: Es wird auch mit dem Grund­ein­kommen noch Menschen geben die ihren Beruf aus Leiden­schaft ausüben und ihn darum tun. Sie wollen halt nur ange­messen entlohnt werden für ihre Arbeit. Und das ist auch richtig so.
    Es werden neue Struk­turen entstehen, denke ich.
    Und vieles Über­flüs­sige wird verschwinden.
    Gut so! Weiter so!

    So funk­tio­niert doch im Moment die Unsäg­lich­keit des Kapi­ta­lismus:
    Viele werden gnadenlos ausge­nutzt und zwar so, dass sie von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können, damit einige wenige sich die Taschen noch voller machen können als bisher.

  5. Manuel 26. Februar 2012 at 23:30 — Reply

    Frau Hofert ist in Pos. 1 nicht zuzu­stimmen: warum sollte über­haupt ein “schlechtes Arbeits­klima vorliegen ? — Und sie müsste auch keine großen Gehälter zahlen, denn das BGE fließt jedem, auch ihr als “Arbeit­geber” gene­rell zu. Natür­lich ist das BGE mit einem Schuld­geld­system nicht reali­sierbar, aber das gilt es parallel auch abzu­schaffen. Über die Abschaf­fung der juris­ti­schen Person sollte auch sinniert werden: nur noch Menschen, die mit anderen Menschen zusam­men­ar­beiten. — Hand­werks­be­triebe könnten problemlos ausbilden, die Azubis kosten nichts mehr. — Steuern könnten nur noch auf Umsätze erfolgen, ALLE anderen Steuern sind dann passe. Usw. ..
    Zu Pos. 2, das angebl. Problem der Zuver­läs­sig­keit mit Gering­ver­die­nern: auch hier dient deren BGE zur Grund­si­che­rung. Heißt nicht, dolce vita, oder “was kostet das Leben”, sondern nur: ich könnte damit “gut” über­leben. — Aber mal ehrlich: nach 2–4 Monaten TV fällt einem doch die Decke auf den Kopf, man will etwas “schaffen”. Und natür­lich rela­ti­viert sich dann auch der “Putzjob”, denn Hygiene ist in allen Lebens­be­rei­chen wichtig und da wir alle Hygiene, Sauber­keit brauchen/wünschen, können wir es uns auch leisten. Wenn bsw. alle ein BGE v. € 1.000 bekommen — also knapp unter­halb der Pfän­dungs­frei­grenze, dann obliegt es einem “Arbeit­geber”, diesen Betrag durch mtl. “Putzen” auf bsw. €1.500 oder € 2.000 aufzu­runden. — Man darf nicht vergessen, dass die unzäh­ligen Milli­arden für einen künst­li­chen aufge­blähten Verwal­­tungs- und Beam­ten­ap­parat wegge­fallen sind, denn niemand braucht mehr über­flüs­sige “sich selbst versor­gende Systeme”.
    Auch das ganze EInkom­­mens­­steuer- und Sozi­al­ab­ga­be­ZEUG für den “Arbeit­geber” fällt weg.
    Pos. 3 — der angeb­lich teure Hand­werker: Hand­werker sind “teuer”, weil 2/3 bis 3/4 der Einnahmen durch Steuern und sonst. unzäh­lige Abgaben aufge­fressen wird. Fällt künftig weg. Der Hand­werker ist nicht unter Druck, für ein Türschloss­öffnen gleich das Komplett­schloss für 200 € zu verti­cken, sondern rechnet ledig­lich die ANfahrt und Arbeits­zeit ab. Fertig. Kein Stress mehr für Hand­werks­be­triebe. Der Einzel­un­ter­nehmer, oder Geschäfts­führer einer GmbH (braucht man künftig nicht mehr = Abschaf­fung der jur. Person !!) bekommt ja auch BGE.

    • Svenja Hofert 27. Februar 2012 at 12:52 — Reply

      Hallo Herr Krasch­insik, es geht mir ja gar icht um Meinung, sondern um Wahr­neh­mung. Die ist indi­vi­duell kann aber nie falsch sein, deshalb muss man mir eigent­lich weder zustimmen noch wieder­spre­chen, sondern darf den Teppich weiter ausrollen. Ich denke aller­dings nicht, dass ein Abschaf­fung der juris­ti­schen Personen realis­tisch ist, das wird nicht machbar sein. Ich meinte übri­gens auch beileibe nicht, dass Hand­werker teurer sind, das ist wohl falsch rüber­ge­kommen. LG Svenja Hofert

  6. Stefan Jäger 27. Februar 2012 at 0:31 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ein wirk­lich sehr inter­es­santer weiterer Artikel zum Grund­ein­kommen. Solche anschau­li­chen Gedan­ken­spiele gibt es meiner Meinung nach viel zu wenig. Auch gefällt mir ihre Vorstel­lung von einer akti­vie­renden, sinn­haften im Gegen­satz zu einer restrik­tiven Arbeits­welt.

    Hier möchte ich aber noch einmal darauf verweisen, dass diese posi­tiven Effekte nur dann auftreten, wenn die Höhe des Grund­ein­kom­mens auch wirk­lich zum leben reicht. Zahlt man ein solches aus, das gerade nicht zum leben reicht, dann ist jeder gezwungen dazu noch irgend­etwas hinzu zu verdienen und das verbes­sert insbe­son­dere die Situa­tion der gering quali­fi­zierten Jobs keines­wegs.

    Ihre leicht scherz­hafte Bemer­kung: “Kann der Putz­ro­boter bitte etwas schneller entwi­ckelt werden?” erregt eben­falls meine Aufmerk­sam­keit. Wir haben viele Tätig­keiten, die auch heute schon auto­ma­ti­siert werden könnten, es aber nicht werden weil es nicht wirt­schaft­lich ist. Denn es gibt in diesen Berei­chen noch zu billige Arbeits­kräfte.
    Ein paar Beispiele: Es gibt bereits selbst­rei­ni­gende Toiletten, schmutz­ab­wei­sende Fenster, es gibt Modelle einer (fast) voll­au­to­ma­ti­schen Müll­ab­fuhr, die mit ledig­lich einem Fahrer auskommt und auch der Putz­ro­boter könnte nach unseren tech­ni­schen Möglich­keiten schon entwi­ckelt worden sein. Aber es gilt ein Grund­satz: Billige Arbeits­kräfte verhin­dern tech­ni­schen Fort­schritt. Mit einem Grund­ein­kommen würde die Nach­frage danach, unlieb­same Arbeit zu auto­ma­ti­sieren, entschei­dend steigen (dann brau­chen wir auch noch mehr Inge­nieure).

    • Svenja Hofert 27. Februar 2012 at 12:48 — Reply

      Hallo Herr Jäger, darum ging es mir: eine Perspek­tive zu zeigen, eine sehr indi­vi­du­el­le­zudem. Je mehr Perspek­tiven wir haben, desto fass­barer wird es doch. Was nützen immer die glei­chen (Sach-)Argumente, wenn die viel­fäl­tigen Perspek­tiven fehlen. Mich stört, dass gleich alles zur Meinungs­mache wird, immer ein PRO oder CONTRA. Perspek­tiven kann man entwi­ckeln, Meinungen sind starr. Deshalb erschreckt mich manchmal, dass sich beim Thema BGE, z.B. via Twitter, immer mal wieder so ein paar Radi­kal­quer­schießer melden. Sie sind ein sehr guter Mode­rator, Herr Jäger, weil sie ausge­wogen argu­men­tieren. Vielen Dank. beste Grüße Svenja Hofert

  7. Katja Zakotnik 27. Februar 2012 at 12:10 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    solche Artikel regen die eigenen Gedan­ken­spiele an und das ist sehr gut. Nur fällt es mir schwer mir vorzu­stellen, wie sich die Musik­branche durch das Grund­ein­kommen verän­dern würde. Wir haben gestern Abend dazu schon eine heiße Diskus­sion geführt und nun habe ich das Ganze mal auf meine Face­­book-Seite verlegt ( http://on.fb.me/zBL35J ) und bin sehr gespannt auf die Antworten. Die verraten ja auch etwas über die allge­meine Sicht verschie­dener Menschen auf “meine” Branche.
    Vielen Dank mal wieder für Ihren Impuls!
    Beste Grüße,
    Katja Zakotnik
    http://www.katja.zakotnik.de

    • Svenja Hofert 27. Februar 2012 at 12:44 — Reply

      Nicht zu danken. Darum ging es mir ja, etwas anzu­regen. Viel­leicht melden sich ja noch einige zu Wort? LG SH

  8. […] Klagen hört, ist mittel bewertet. Und selbst das immer viel gelobte dm Droge­rie­markt, das von dem Grun­d­ein­­kommen-Propa­­ga­­disten Götz Werner gegründet wurde, schneidet unterm Strich nur mittel ab. Sie sehen bei Kununu aber schon einen […]

  9. […] zu Mathe­ma­ti­kern machen wollten, wo wir doch an der Schwelle zur Sinn­ge­sell­schaft mit Ideen wie dem Grund­ein­kommen stehen, in der das Thema „Futter“ für den Arbeits­markt sich fast erle­digt hat …  Davon […]

  10. Claudia Harris 23. Juni 2016 at 16:01 — Reply

    Der Arbeit­geber sollte selbst­ver­ständ­lich immer für ein gutes Klima sorgen. Wer das nicht kann, wird zukünftig der Verlierer sein. Seine Ange­stellten durch finan­zi­elle Abhän­gig­keit zu halten, wird mit dem Grund­ein­kommen ein Ende finden. Wer es nicht schafft, ein Wohl­fühl­klima zu schaffen, muss seine Arbeit zukünftig alleine erle­digen und das ist gut so.
    Eine Putz­frau leistet man sich sicher­lich aus verschie­denen Gründen. Viel­leicht weil man keine Lust zum Putzen hat und diese Arbeit als seinem Stand nicht ange­messen betrachtet. Diese Menschen werden im Falle eines Grund­ein­kom­mens fürst­liche Löhne zahlen müssen, um jemanden zu finden, der bei so empa­thie­losen Menschen zu arbeiten. Dann gibt es die Menschen, die es einfach neben ihrer Arbeit nicht schaffen zu putzen. Diese sollten abschätzen, wie wichtig ist mir diese Arbeit und der Putz­frau dieselbe Wich­tig­keit zukommen lassen. Dasselbe für dieje­nigen, die anstatt zu Putzen lieber Frei­zeit genießen. Was kostet Frei­zeit? Ich kaufe die Frei­zeit der Putz­frau, um sie selbst zu genießen.
    Betref­fend der Hand­werker denke ich, dass es genug Hand­werker geben wird, die sich eben­falls nicht mehr von ihren Chefs ausbeuten lassen und somit allen zur Genüge zur Verfü­gung stehen werden. Ein Hand­werker oder Dienst­leister sollte immer 1:1 bezahlt werden. Hand­werker, die wiederum andere Hand­werker beschäf­tigen, treiben die Preise für den Endkunden enorm in die Höhe.
    Ich freue mich auf das bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen. Wenn nicht mehr für mich, dann für meine Kinder. Es wird eine Menge in die rich­tigen Bahnen gelenkt werden, was momentan schon sehr krankt. Dabei fällt mir noch ein, dass die Kran­ken­kassen enorm entlastet werden, wenn die ganzen Burn Outs und Stress­krank­heiten verschwinden. Es wird uns wieder allen richtig gut gehen, da dann hoffent­lich das Wort Beru­fung wieder eine Bedeu­tung bekommt.

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