Kate­go­rien

Inter­view über Führung: “Die Werte sind gleich geblieben, nur leben wir sie anders”

Published On: 23. November 2012Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Letzte Woche sprach ich mit Führungs­kräf­te­coach Gudrun Happich über die neuen Anfor­de­rungen an die Führung. Dieses Mal geht es um Werte und Motive. Über­ra­schend: Diese haben sich kaum verän­dert.

Du siehst dich selbst als Baby­boo­merin, die noch Glau­bens­sätze verin­ner­licht hat wie „sei fleißig“. Ist das bei der jungen Gene­ra­tion, der Gen Y anders?

Die Wünsche sind ähnlich. Prof. Holger Rust, Sozio­loge aus Hannover, vergleicht die Werte und Wünsche von Absol­venten seit Jahren. Da hat sich nicht wirk­lich etwas verän­dert. Über­haupt, wenn man sich die Werte anschaut, sind diese über die Welt­be­völ­ke­rung gleich. Es gibt da auch keinen Unter­schied zwischen Mann und Frau. Das zeigen auch die Unter­su­chungen von Prof. Steven Reiss.

Verän­dert hat sich nur, was wir daraus machen, zum Beispiel wie wir einen Wert wie „Status“ nutzen und einsetzen. Das, was eigent­lich gleich ist, hat einfach nur andere Rahmen­be­din­gungen bekommen.

Denkst du, dass stille Intro­ver­tierte, die gerade ja sehr in der Presse sind, gute Führungs­kräfte sein können?

Aus meiner Sicht ist die Lust auf Kommu­ni­ka­tion zentrale Voraus­set­zung für den Erfolg als Führungs­kraft. Hat jemand diese nicht, hat er heute in der Fach- oder Projekt­kar­riere gleich­wer­tige Karrie­re­chancen. Früher war es die einzige Karrie­re­chance eine Führungs­auf­gabe zu über­nehmen, heute nicht mehr. Das ist eine große Chance für Menschen, die keine kommu­ni­ka­tiven Schwer­punkt­kom­pe­tenzen haben.

Spre­chen wir mal über das Reiss-Profil. Ich sehe gerade im behörd­li­chen Umfeld oft Personen mit einer roten Macht, die eigent­lich nicht entscheiden wollen. Wir Berater haben oft eine grüne Macht. Braucht die auch eine Führungs­kraft?

Ich denke es ist mindes­tens von Vorteil, Lust darauf zu haben „Einfluss zu haben, Entschei­dungen treffen zu wollen, Verant­wor­tung zu über­nehmen“ – alles Eigen­schaften der „grünen“ Macht. Gute Führungs­kräfte leben von der Moti­va­tion, etwas bewegen und beein­flussen zu wollen. Sie wollen entscheiden. Das steckt bei Reiss in der grünen Macht. Es ist eine bestimmte Art der Leis­tungs­er­brin­gung. Menschen mit roter Macht leisten auf eine andere Art und Weise, sie wollen eher unter­stützen und bevor­zugen Vorgaben. Selbst in Behörden halte ich das für eine Führungs­kraft inzwi­schen für schwierig.

Führungs­kräf­teen­wick­lung ist sehr beliebt. Darin steckt die Hoff­nung, Menschen gezielt zu entwi­ckeln. Kann man denn aus jedem Motiv Leis­tung entfalten?

Das scheint zu gehen. Peter Bolters­dorf von den Reiss Profilen Germany hat kürz­lich die Motive von acht inter­na­tio­nalen Profi-Fuss­­bal­­lern unter­sucht. Alle hatten eine grüne Aner­ken­nung, doch einige eine rote körper­liche Akti­vität, sind also von Natur gar nicht bewe­gungs­affin. Trotzdem sind sie Welt­klasse. Was hier funk­tio­niert, funk­tio­niert auch im Manage­ment.

Was sind denn die typi­schen Motive von Leis­tungs­trä­gern, die du als Reiss-Master-Trai­­nerin siehst?

Grüne Macht, grüne Aner­ken­nung und grüner Status sind sehr verbreitet  bei den 5% Höchst­leis­tern. In den oberen Führungs­etagen trifft man auch oft noch Rache/Kampf grün an. Das macht eine Persön­lich­keit „pushy“, denn der Grund­wert hier ist “ich muss immer gewinnen“. Einer modernen Führungs­kraft steht das nicht gut zu Gesicht.

Eine grüne Ausprä­gung bei Macht und Rache/Kampf kann Mitar­beiter leiden lassen, denn so jemand kann andere nicht gewinnen lassen. Doch auch ein Mensch mit grünem Rache/Kampf kann ein anderes Verhalten in seiner Führungs­auf­gabe lernen. Sonst arbeiten sich andere an ihm oder ihr ab. Und das ist für alle Betei­ligten nicht sehr fruchtbar.

Ich denke, aus allen Reiss-Motiven lässt sich eine andere, posi­tive Kraft entwi­ckeln. Bei Rache/Kampf ist es meiner Erfah­rung nach aber am schwie­rigsten. Die Führungs­etagen brau­chen hiervon gerade in Zukunft etwas weniger – und dafür mehr Koope­ra­tion.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Toller Beitrag, macht weiter so!!!

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