Berufsorientierung: Warum das Schülerpraktikum für die Katz ist und was viel besser wäre

Berufsorientierung: Warum das Schülerpraktikum für die Katz ist und was viel besser wäre

Paul drehte Däumchen, Alexander hing bei Daddy in der Bank ab und verdödelte die Flatrate fürs Smartphone. „Immerhin, am Ende bekam Klara sogar einen Einkaufsgutschein“, kommentiert Papa das Schülerpraktikum leicht ironisch. 14 Tage sollen auch Gymnasiasten die Berufswelt kennenlernen, wenn sie 14 Jahre alt sind. Ein Jahr vorher müssen sie sich bewerben. Und das Drama nimmt seinen Lauf… Ich bin in diesem Fall selbst betroffen. Mein Sohn soll auch so ein Praktikum machen. Nichts ist schwieriger, als eigene Kinder zu beraten. Was mir normalerweise leicht fällt – erkennen, welche Stärken jemand hat, und wo diese gut andocken und wachsen können [...]

13. Januar 2015|Tags: , , |

Berufswahlpass im Test: Wie man Jugendlichen Berufsorientierung richtig schwer machen kann

Gestern kam Herr Sohn mit einer dicken Mappe nach Haus, die gleich in der Ecke landete. „Was ist das?“ frag ich. „Nicht wichtig“, erwidert er. Nicht wichtige Dinge sind meist interessant, also hole ich mir  die Mappe. Drauf steht Berufswahlpass. „Hat man uns so mitgegeben“, sagt er. „Einfach so, kommentarlos?“ frage ich, blättere durch und drehe um. Bundesministerium für Bildung und Forschung. Sämtliche Kultusministerien sind auch dabei. „Hatte Orchester, keine Ahnung, danach lagen die da.“   Aha. Was der Druck wohl gekostet haben wird? Und wie viele Experten sich den Kopf zerbrochen haben? Für: "nimm mal mit".  Ich recherchiere Berufswahlpass. Es gibt [...]

29. August 2014|Tags: , |

Karriereplanung von Frauen: Besser ohne Kinder!

Welchen Beruf wähle ich? Lasse ich mich auf eine Karriere in einem internationalen Unternehmen ein, die mit Reisen und längeren Abwesenheiten verbunden ist? Bei der Karriereplanung von Frauen steht dieses Thema oft in stärkerem Maße als bei der von Männern auf der Tagesordnung. „Auf jeden Fall will ich Kinder“, sagen mir viele junge Frauen dann. „Auf keinen Fall möchte ich einen Beruf, der mir zu wenig Zeit für die Familie lässt“, fügen die meisten hinzu. Mein Ansatz war immer ein ganzheitlicher, das heißt ich sehe, wie die meisten Karrierecoachs, Karriere nicht als Konstrukt, dass sich losgelöst von weiteren Lebensumständen betrachten [...]

Was kann ich im Vergleich zu…? Potenzialanalysen mit Bezugsgruppen

Stärken-Selbstbilder haben eine große Schwäche: Es gibt immer blinde Flecken, also Bereiche, die Sie nicht sehen. Und Fehleinschätzungen, Verzerrungen.  Beispiel: Charlotte fällt in der Schule alles leicht, Deutsch genau wie Mathe und Naturwissenschaften, sie kann gar nicht sagen, was sie richtig gut kann. Fremdbilder sind genauso fehleranfällig. Sie können enorm hilfreich sein: Ein „Mensch, du bist richtig gut“ von der richtigen (weil akzeptierten) Person kann unheimlich viel auslösen und sehr nachhaltig beflügelnd wirken. Aber Fremdbilder haben auch blinde Flecken, Bereiche also, die Vertraute, Freunde und Kollegen – und auch Berater! - nicht sehen. Hinzu kommt: Außenstehende neigen dazu, eigene Bewertungsmaßstäbe [...]

Fachkräftemangel: Akademiker = gesucht? Vergesst es! Werdet lieber Techniker und Handwerker

Gestern sprach ich mit einem Kunden, der mittlerweile 180 Bewerbungen draußen hat, ein Akademiker mit fundiertem betriebswirtschaftlicher Studium und internationaler Erfahrung. Der Mensch ist intelligent und eloquent, es gibt keinen Grund für die vielen Absagen außer den, dass die vorherige Berufserfahrung etwas speziell war und das sie gerade am Markt nicht exakt abgebildet ist. Er hat auch keinen technischen Hintergrund. Wirtschaftsingenieur würde besser laufen. So, nur mit BWL, beträgt die Einladungsquote kaum 5%. Wenn Menschen meine Einschätzung zu Lebensläufen wissen wollen, klafft diese manchmal auseinander mit dem, was überall zu lesen ist. „Ich bin doch eine Fachkraft! Ich habe doch [...]

Selbsttest Berufsinteressen: Können ist nicht gleich Wollen

Dieses Jahr ist das Jahr, der Berufsorientierung – so hat es Recrutainment-Chef Joachim Diercks in seiner Blogparade ausgerufen. In diesem Rahmen will ich mich mal ganz praktisch mit der Frage beschäftigen: Helfen Tests dabei? Diese Frage ist immer wieder umstritten. Über die Relativität von Interessen habe ich bereits hier geschrieben. Interessen leiten bei der ersten Berufs- und Studienorientierung. Für die Bewältigung des Studiums aber braucht es Kompetenzen: kognitive, motorische oder/und soziale, Handlungskompetenzen auch.  Noch wichtiger sind jedoch Motivationen: Treibt mich etwas, das Studium durchzuhalten? Können ist nämlich nicht gleich wollen. Für den späteren beruflichen Erfolg und/oder die Zufriedenheit wiederum benötigt man [...]

Folge deinen Interessen und du findest deinen Weg? Nicht immer.

„Finde deine Interessen, das wird schon richtig sein!“ So wird vielen Berufseinsteigern geraten. Die Empfehlung basiert auf einer Grundüberzeugung, die differenziert werden sollte. Denn es gibt echte, über Jahre und Jahrzehnte stabile Interessen - und es gibt Ideen und Wunschvorstellungen. Beides wird leider oft unter demselben Namen in einen Topf geworfen.  Das „ich interessiere mich für“ wird dann zur Falle, wenn man hier nicht trennt. Echte Interessen entstehen meist schon in der Kindheit. Sie werden teils vom Elternhaus geformt, teils von der Umwelt. Interessen sollen sogar hormonell gesteuert sein, was erklärt, dass das mathematsche Interesse bei Jungs und das soziale bei [...]

15. November 2013|Tags: , , , |

Beruflich neu orientieren? Dann gehen Sie jetzt mal in den Keller

Wann haben Sie zuletzt Ihren Keller „bereist“? Wenn Sie an eine berufliche Klima- oder Luftveränderung denken, sind Kelleraufenthalte besser als jedes Wellnesswochenende. Hier können Sie Lachen, sich Erinnern und vielleicht sogar berufliche Vorstellungen konkreter fassen. (aber warten Sie, bis das Wetter schlechter wird ;-)) Ich fand dort bei meiner letzten Kellerreise ein albernes Gedicht über eine Käsekuchengesichtige Tante, das ich mit 11 Jahren auf der Schreibmaschine geschrieben hatte. Ich sehe vor mir, wie der Deutschlehrer aus Käsekuchengesichtige Tante mit Rotstift die „Tante mit dem Käsekuchengesicht“ macht – und erinnere mich an mein Deutsch-Trauma und die Tatsache, dass Schule Kreativität nachgewiesenerweise den [...]

Sie können helfen: Zeigen Sie jungen Akademikern einen Weg ins Berufsleben!

Alles geht.... Doch die Fülle an Möglichkeiten überfordert junge Erwachsene. Dabei werden vor allem Akademiker oft vernachlässigt. Während es für Schüler Camps und Werkstätten gibt und inzwischen mit Futurepreneur auch Selbstständigkeit schulisch gefördert wird, schreibt sich Berufsorientierung an Unis klein. Und der Bachelor lässt grüßen... Ehe man Zeit für berufliche Orientierung und persönliche Selbstfindung findet, ist das Studium auch schon vorbei. Manche der Orientierungslosen sitzen dann irgendwann ratlos bei uns. Letzte Woche kontaktierten mich drei Frankfurter Studenten von der TU Darmstadt mit einer Idee, die ich wirklich gut finde. Mit dem Startup-Projekt „karriere-vitamin.de“ möchten sie genau gegen dieses Problem der [...]

Girls und Boys Day: Warum das SO nichts bringt

Diese Woche klingelten bei uns zwei Mädchen, die Girls Day bei uns machen wollten. Vorher hatten schon die beiden Architekten nebenan mit dem Kopf geschüttelt. Nach kurzem Nachdenken, schüttelten wir auch. Was hätten sie gesehen und gehört? Nichts Interessantes. Und ziemlich sicher nichts, das ihr Weltbild  und die Sicht auf den Beruf gravierend hätte ändern können. Ich hätte den Mädchen gern etwas gezeigt und etwas Spannendes erzählt, aber mein Gefühl dazu war: Das ist zu wenig, zu wenig fassbar, zu komplex. Das bringt denen nichts. So wie das, was im Bereich der Wissensarbeit passiert, allgemein komplex und wenig fassbar ist. Wir stellen [...]

Work-Life-Bilanz: Kranke Karrieristen, frustrierte Teilzeitmuttis und gut gelaunte Unabhängige

„Gibt es das wirklich?“ werde ich oft gefragt. Menschen, die entschieden „nein“ sagen, wenn  ein Unternehmen ihnen den Wunsch nach 4-Tage-Woche nicht einräumt.  Die einfach wechseln, wenn es ihnen nicht gefällt. Ja, das gibt es. Genauso wie das andere: Menschen, die alles für die Karriere geben, sich gegenseitig mit Anwesenheiten übertreffen, nachts an der Theke ausharren, bis der Vorstand das letzte Bier getrunken hat -  und die Frauen mit Kindern die Karrierechancen absprechen. Ich sehe alle Varianten in unserem Büro, letztere Gruppe oft erst, wenn es nicht mehr geht, nach Burnouts und anderen Katastrophen. Und so wundert es mich nicht, dass die Antwort auf [...]

Groß und berühmt werden? Machen Sie es wie Michael Michalsky

Hätte ein Michael Michalsky, Top-Designer bei Adidas, jetzt mit eigener Marke auf dem Weg der deutsche Marc Jacobs zu werden, guter Kumpel von Karl Lagerfeld; hätte ein solcher Typ in einer Großstadt aufwachsen können? Sowohl Michalsky als auch Lagerfeld kommen aus Käffern: Michalsky aus Rümpel bei Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein, Lagerfeld aus Bad Bramfeld bei Hamburg. Beide wohl keine voll integrierten Lehrer- und Klassenlieblinge in ihrer Schule. Michalsky beschäftigte sich laut eigener Aussage bei das! stundenlang mit seiner Frisur, bevor er in die Schule ging, weshalb er dann unter Zeitdruck stand und immer zum Unterrricht trampen musste. Das deutet auf eine [...]

Der Gender Career Gap oder: Das Recht des Mannes auf ein karrierefreies Leben

„Du musst erfolgreich sein“, mahnen die Lehrer, haben aber nicht ohne Grund einen Job gewählt, in dem Erfolg bei maximaler Gehaltssicherheit (noch) eher individuell definiert werden kann. „Du musst etwas studieren, mit dem Du Geld verdienen kannst“, sagen immer noch viele Eltern, in erster Linie zu ihrem Sohn. So wachsen Jungs auf mit der Vorstellung schon früh bei der Berufswahl daran denken zu müssen, dass später nicht der Spaß an der Arbeit zählt, sondern des Geld. Neben einem Ungleichgewicht bei der Bezahlung – viel Geld für Männerjobs, vor allem Ingenieure, wenig für weiblich geprägte Tätigkeiten - hindern Scheren im Kopf [...]

Und ewig grüßt die Family: Die Wahrheit über Berufswünsche

  Einer meiner Ex-Ärzte war auf Traumjob-Suche. Bei jedem Termin fragte er mich aus: ob ich wüsste…. wie man denn…ob ich Ideen hätte… helfen könnte…? Er wollte unbedingt in der „freien Wirtschaft“ mehr Geld verdienen, fühlte sich unterbezahlt. Es wirkte auf mich klar so, dass er keine große Lust hatte, das zu machen, was er gerade machte (mich zu untersuchen). Ich verlor das Vertrauen zum Arzt. „Am besten wirst du Arzt“ heißt mein neues Buch nicht nur deshalb ironisch. Ich meine natürlich nicht, dass Arzt der beste Beruf für alle ist. Ich finde vielmehr, dass man wissen sollte, warum man etwas macht und [...]

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