Berufs­ori­en­tie­rung: Warum das Schü­ler­prak­tikum für die Katz ist und was viel besser wäre

Berufs­ori­en­tie­rung: Warum das Schü­ler­prak­tikum für die Katz ist und was viel besser wäre

Paul drehte Däum­chen, Alex­ander hing bei Daddy in der Bank ab und verdödelte die Flat­rate fürs Smart­phone. „Immerhin, am Ende bekam Klara sogar einen Einkaufs­gut­schein“, kommen­tiert Papa das Schü­ler­prak­tikum leicht ironisch. 14 Tage sollen auch Gymna­si­asten die Berufs­welt kennen­lernen, wenn sie 14 Jahre alt sind. Ein Jahr vorher müssen sie sich bewerben. Und das Drama nimmt seinen Lauf… Ich bin in diesem Fall selbst betroffen. Mein Sohn soll auch so ein Prak­tikum machen. Nichts ist schwie­riger, als eigene Kinder zu beraten. Was mir norma­ler­weise leicht fällt – erkennen, welche Stärken jemand hat, und wo diese gut ando­cken und wachsen können […]

Berufs­wahl­pass im Test: Wie man Jugend­li­chen Berufs­ori­en­tie­rung richtig schwer machen kann

Gestern kam Herr Sohn mit einer dicken Mappe nach Haus, die gleich in der Ecke landete. „Was ist das?“ frag ich. „Nicht wichtig“, erwi­dert er. Nicht wich­tige Dinge sind meist inter­es­sant, also hole ich mir  die Mappe. Drauf steht Berufs­wahl­pass. „Hat man uns so mitge­geben“, sagt er. „Einfach so, kommen­tarlos?“ frage ich, blät­tere durch und drehe um. Bundes­mi­nis­te­rium für Bildung und Forschung. Sämt­liche Kultus­mi­nis­te­rien sind auch dabei. „Hatte Orchester, keine Ahnung, danach lagen die da.“   Aha. Was der Druck wohl gekostet haben wird? Und wie viele Experten sich den Kopf zerbro­chen haben? Für: “nimm mal mit”.  Ich recher­chiere Berufs­wahl­pass. Es gibt […]

29. August 2014|Tags: , |

Karrie­re­pla­nung von Frauen: Besser ohne Kinder!

Welchen Beruf wähle ich? Lasse ich mich auf eine Karriere in einem inter­na­tio­nalen Unter­nehmen ein, die mit Reisen und längeren Abwe­sen­heiten verbunden ist? Bei der Karrie­re­pla­nung von Frauen steht dieses Thema oft in stär­kerem Maße als bei der von Männern auf der Tages­ord­nung. „Auf jeden Fall will ich Kinder“, sagen mir viele junge Frauen dann. „Auf keinen Fall möchte ich einen Beruf, der mir zu wenig Zeit für die Familie lässt“, fügen die meisten hinzu. Mein Ansatz war immer ein ganz­heit­li­cher, das heißt ich sehe, wie die meisten Karrie­re­coachs, Karriere nicht als Konstrukt, dass sich losge­löst von weiteren Lebens­um­ständen betrachten […]

Was kann ich im Vergleich zu…? Poten­zi­al­ana­lysen mit Bezugs­gruppen

Stärken-Selbst­bilder haben eine große Schwäche: Es gibt immer blinde Flecken, also Bereiche, die Sie nicht sehen. Und Fehl­ein­schät­zungen, Verzer­rungen.  Beispiel: Char­lotte fällt in der Schule alles leicht, Deutsch genau wie Mathe und Natur­wis­sen­schaften, sie kann gar nicht sagen, was sie richtig gut kann. Fremd­bilder sind genauso fehler­an­fällig. Sie können enorm hilf­reich sein: Ein „Mensch, du bist richtig gut“ von der rich­tigen (weil akzep­tierten) Person kann unheim­lich viel auslösen und sehr nach­haltig beflü­gelnd wirken. Aber Fremd­bilder haben auch blinde Flecken, Bereiche also, die Vertraute, Freunde und Kollegen – und auch Berater! — nicht sehen. Hinzu kommt: Außen­ste­hende neigen dazu, eigene Bewer­tungs­maß­stäbe […]

Fach­kräf­te­mangel: Akade­miker = gesucht? Vergesst es! Werdet lieber Tech­niker und Hand­werker

Gestern sprach ich mit einem Kunden, der mitt­ler­weile 180 Bewer­bungen draußen hat, ein Akade­miker mit fundiertem betriebs­wirt­schaft­li­cher Studium und inter­na­tio­naler Erfah­rung. Der Mensch ist intel­li­gent und eloquent, es gibt keinen Grund für die vielen Absagen außer den, dass die vorhe­rige Berufs­er­fah­rung etwas speziell war und das sie gerade am Markt nicht exakt abge­bildet ist. Er hat auch keinen tech­ni­schen Hinter­grund. Wirt­schafts­in­ge­nieur würde besser laufen. So, nur mit BWL, beträgt die Einla­dungs­quote kaum 5%. Wenn Menschen meine Einschät­zung zu Lebens­läufen wissen wollen, klafft diese manchmal ausein­ander mit dem, was überall zu lesen ist. „Ich bin doch eine Fach­kraft! Ich habe doch […]

Selbst­test Berufs­in­ter­essen: Können ist nicht gleich Wollen

Dieses Jahr ist das Jahr, der Berufs­ori­en­tie­rung – so hat es Recru­tain­ment-Chef Joachim Diercks in seiner Blog­pa­rade ausge­rufen. In diesem Rahmen will ich mich mal ganz prak­tisch mit der Frage beschäf­tigen: Helfen Tests dabei? Diese Frage ist immer wieder umstritten. Über die Rela­ti­vität von Inter­essen habe ich bereits hier geschrieben. Inter­essen leiten bei der ersten Berufs- und Studi­en­ori­en­tie­rung. Für die Bewäl­ti­gung des Studiums aber braucht es Kompe­tenzen: kogni­tive, moto­ri­sche oder/und soziale, Hand­lungs­kom­pe­tenzen auch.  Noch wich­tiger sind jedoch Moti­va­tionen: Treibt mich etwas, das Studium durch­zu­halten? Können ist nämlich nicht gleich wollen. Für den späteren beruf­li­chen Erfolg und/oder die Zufrie­den­heit wiederum benö­tigt man […]

Folge deinen Inter­essen und du findest deinen Weg? Nicht immer.

„Finde deine Inter­essen, das wird schon richtig sein!“ So wird vielen Berufs­ein­stei­gern geraten. Die Empfeh­lung basiert auf einer Grund­über­zeu­gung, die diffe­ren­ziert werden sollte. Denn es gibt echte, über Jahre und Jahr­zehnte stabile Inter­essen — und es gibt Ideen und Wunsch­vor­stel­lungen. Beides wird leider oft unter demselben Namen in einen Topf geworfen.  Das „ich inter­es­siere mich für“ wird dann zur Falle, wenn man hier nicht trennt. Echte Inter­essen entstehen meist schon in der Kind­heit. Sie werden teils vom Eltern­haus geformt, teils von der Umwelt. Inter­essen sollen sogar hormo­nell gesteuert sein, was erklärt, dass das mathe­mat­sche Inter­esse bei Jungs und das soziale bei […]

15. November 2013|Tags: , , , |

Beruf­lich neu orien­tieren? Dann gehen Sie jetzt mal in den Keller

Wann haben Sie zuletzt Ihren Keller „bereist“? Wenn Sie an eine beruf­liche Klima- oder Luft­ver­än­de­rung denken, sind Keller­auf­ent­halte besser als jedes Well­ness­wo­chen­ende. Hier können Sie Lachen, sich Erin­nern und viel­leicht sogar beruf­liche Vorstel­lungen konkreter fassen. (aber warten Sie, bis das Wetter schlechter wird ;-)) Ich fand dort bei meiner letzten Keller­reise ein albernes Gedicht über eine Käse­ku­chen­ge­sich­tige Tante, das ich mit 11 Jahren auf der Schreib­ma­schine geschrieben hatte. Ich sehe vor mir, wie der Deutsch­lehrer aus Käse­ku­chen­ge­sich­tige Tante mit Rotstift die „Tante mit dem Käse­ku­chen­ge­sicht“ macht – und erin­nere mich an mein Deutsch-Trauma und die Tatsache, dass Schule Krea­ti­vität nach­ge­wie­sener­weise den […]

Sie können helfen: Zeigen Sie jungen Akade­mi­kern einen Weg ins Berufs­leben!

Alles geht.… Doch die Fülle an Möglich­keiten über­for­dert junge Erwach­sene. Dabei werden vor allem Akade­miker oft vernach­läs­sigt. Während es für Schüler Camps und Werk­stätten gibt und inzwi­schen mit Future­pre­neur auch Selbst­stän­dig­keit schu­lisch geför­dert wird, schreibt sich Berufs­ori­en­tie­rung an Unis klein. Und der Bachelor lässt grüßen… Ehe man Zeit für beruf­liche Orien­tie­rung und persön­liche Selbst­fin­dung findet, ist das Studium auch schon vorbei. Manche der Orien­tie­rungs­losen sitzen dann irgend­wann ratlos bei uns. Letzte Woche kontak­tierten mich drei Frank­furter Studenten von der TU Darm­stadt mit einer Idee, die ich wirk­lich gut finde. Mit dem Startup-Projekt „karriere-vitamin.de“ möchten sie genau gegen dieses Problem der […]

Girls und Boys Day: Warum das SO nichts bringt

Diese Woche klin­gelten bei uns zwei Mädchen, die Girls Day bei uns machen wollten. Vorher hatten schon die beiden Archi­tekten nebenan mit dem Kopf geschüt­telt. Nach kurzem Nach­denken, schüt­telten wir auch. Was hätten sie gesehen und gehört? Nichts Inter­es­santes. Und ziem­lich sicher nichts, das ihr Welt­bild  und die Sicht auf den Beruf gravie­rend hätte ändern können. Ich hätte den Mädchen gern etwas gezeigt und etwas Span­nendes erzählt, aber mein Gefühl dazu war: Das ist zu wenig, zu wenig fassbar, zu komplex. Das bringt denen nichts. So wie das, was im Bereich der Wissens­ar­beit passiert, allge­mein komplex und wenig fassbar ist. Wir stellen […]

Work-Life-Bilanz: Kranke Karrie­risten, frus­trierte Teil­zeit­muttis und gut gelaunte Unab­hän­gige

„Gibt es das wirk­lich?“ werde ich oft gefragt. Menschen, die entschieden „nein“ sagen, wenn  ein Unter­nehmen ihnen den Wunsch nach 4‑Tage-Woche nicht einräumt.  Die einfach wech­seln, wenn es ihnen nicht gefällt. Ja, das gibt es. Genauso wie das andere: Menschen, die alles für die Karriere geben, sich gegen­seitig mit Anwe­sen­heiten über­treffen, nachts an der Theke ausharren, bis der Vorstand das letzte Bier getrunken hat —  und die Frauen mit Kindern die Karrie­re­chancen abspre­chen. Ich sehe alle Vari­anten in unserem Büro, letz­tere Gruppe oft erst, wenn es nicht mehr geht, nach Burn­outs und anderen Kata­stro­phen. Und so wundert es mich nicht, dass die Antwort auf […]

Groß und berühmt werden? Machen Sie es wie Michael Mich­alsky

Hätte ein Michael Mich­alsky, Top-Desi­gner bei Adidas, jetzt mit eigener Marke auf dem Weg der deut­sche Marc Jacobs zu werden, guter Kumpel von Karl Lager­feld; hätte ein solcher Typ in einer Groß­stadt aufwachsen können? Sowohl Mich­alsky als auch Lager­feld kommen aus Käffern: Mich­alsky aus Rümpel bei Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein, Lager­feld aus Bad Bramfeld bei Hamburg. Beide wohl keine voll inte­grierten Lehrer- und Klas­sen­lieb­linge in ihrer Schule. Mich­alsky beschäf­tigte sich laut eigener Aussage bei das! stun­den­lang mit seiner Frisur, bevor er in die Schule ging, weshalb er dann unter Zeit­druck stand und immer zum Unterrricht trampen musste. Das deutet auf eine […]

Der Gender Career Gap oder: Das Recht des Mannes auf ein karrie­re­freies Leben

„Du musst erfolg­reich sein“, mahnen die Lehrer, haben aber nicht ohne Grund einen Job gewählt, in dem Erfolg bei maxi­maler Gehalts­si­cher­heit (noch) eher indi­vi­duell defi­niert werden kann. „Du musst etwas studieren, mit dem Du Geld verdienen kannst“, sagen immer noch viele Eltern, in erster Linie zu ihrem Sohn. So wachsen Jungs auf mit der Vorstel­lung schon früh bei der Berufs­wahl daran denken zu müssen, dass später nicht der Spaß an der Arbeit zählt, sondern des Geld. Neben einem Ungleich­ge­wicht bei der Bezah­lung – viel Geld für Männer­jobs, vor allem Inge­nieure, wenig für weib­lich geprägte Tätig­keiten — hindern Scheren im Kopf […]

Und ewig grüßt die Family: Die Wahr­heit über Berufs­wün­sche

  Einer meiner Ex-Ärzte war auf Traumjob-Suche. Bei jedem Termin fragte er mich aus: ob ich wüsste…. wie man denn…ob ich Ideen hätte… helfen könnte…? Er wollte unbe­dingt in der “freien Wirt­schaft” mehr Geld verdienen, fühlte sich unter­be­zahlt. Es wirkte auf mich klar so, dass er keine große Lust hatte, das zu machen, was er gerade machte (mich zu unter­su­chen). Ich verlor das Vertrauen zum Arzt. „Am besten wirst du Arzt“ heißt mein neues Buch nicht nur deshalb ironisch. Ich meine natür­lich nicht, dass Arzt der beste Beruf für alle ist. Ich finde viel­mehr, dass man wissen sollte, warum man etwas macht und […]

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